Aare Wolfwil

Fähre quert die Aare in neuem Glanz

Nicole Ackermann mit ihren Kindern Silas und Celine und ihrem Bruder Iwan Ackermann auf dem neuen Boot.

Nicole Ackermann mit ihren Kindern Silas und Celine und ihrem Bruder Iwan Ackermann auf dem neuen Boot.

Mit dem Einzug des Frühlings hat auch die Aarefähre in Wolfwil ihren Betrieb wieder aufgenommen. Die Familie Ackermann hat die 12-jährige Fähre wegen Schäden praktisch vollständig neu gebaut.

Dies geschieht traditionell am zweiten Sonntag im April. Die diesjährige Saisoneröffnung ist indes in zweierlei Beziehung eine Besondere, wie Fährifrau Nicole Ackermann erwähnt. Einerseits, weil seit letzten Sonntag eine praktisch neue Fähre die Passagiere von Wolfwil über die Aare nach Wynau oder umgekehrt transportiert, und weil der Fährbetrieb nur noch von Donnerstag bis Sonntag angeboten wird. «Montag bis Mittwoch wird die Fähre nicht bedient und auch das Gartenrestaurant bleibt in dieser Zeit geschlossen», sagt Nicole Ackermann. Die 38-Jährige möchte mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen, insbesondere mit ihrem 7-jährigen Sohn Silas und ihrer 3-jährigen Tochter Celine.

Reparatur lohnte sich nicht mehr

Keine Abstriche macht die Familie Ackermann hingegen, wenn es um die Sicherheit der Fahrgäste der Fähre geht. Deshalb wurde das 11,8 mal 2,8 Meter grosse Boot auf die neue Saison hin praktisch von Grund auf erneuert. Vor einer sonst üblichen Instandhaltung wurde wegen Schäden am Bootskörper verzichtet. Dabei handelte es sich um ein faustgrosses Leck auf der rechten Vorderseite des Rumpfs. Dieses wurde durch den im letzten Jahr oft sehr niedrigen Wasserstand der Aare beim Landen am Ufer verursacht, wie Fährifrau Nicole Ackermann berichtet. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden dabei die unter der Polyesterhaut befindlichen Holzkufen auf der Unterseite des Bootskörpers.

Gebaut wurde die praktisch neue Fähre in rund zweieinhalb Wochen von Nicole Ackermanns Lebenspartner Roger Gwerder und ihrem Bruder Iwan Ackermann. Weil beide Männer berufstätig sind, wurde vor allem abends und an den Wochenenden gearbeitet. «Manchmal waren wir rund um die Uhr beschäftigt», sagt Iwan Ackermann. Von der alten Fähre seien nur das Dach und die Bänke übrig geblieben. Ausgewechselt wurden sämtliche Holzteile und der Rumpf wurde wie das Vorgängermodell mit Polyester gefertigt, erklärt der 34-jährige Schreiner. Ebenfalls wieder eingebaut wurde ein zweiter Boden. In den Zwischenraum wurden rund 800 1,5-Liter-PET-Flaschen geschichtet, um das Boot damit unsinkbar zu machen. Gespendet wurden die Kunststoffflaschen von einer Getränkefirma. «Wir mussten nur noch die Verschlüsse fest verschliessen, damit keine Luft entweichen kann. Das hat an den Händen einige Blasen abgesetzt», meint Iwan Ackermann mit einem Schmunzeln.

Vater war Lehrmeister

Gelernt, wie man fachgerecht ein Boot baut, hat Iwan Ackermann von seinem Vater und vormaligen Fährimann Bruno Ackermann. Dieser hatte die nun ausgemusterte Fähre im Jahr 2003 zusammen mit der Familie in der eigenen Werkstatt gebaut. Diese ersetzte die bis zu diesem Zeitpunkt in Wolfwil benutzte Holzfähre.

Die Nachfolge von Fährimann Bruno Ackermann übernahmen 2007 dessen Kinder Nicole und Iwan Ackermann. «Iwan ist seither für das technische an der Fähre und im Beizli verantwortlich, ich für das Restaurant», bemerkt Nicole Ackermann zur Rollenverteilung.

Beim Kraftwerk Wynau gewassert

Mitte letzte Woche wurden an der neuen Fähre die letzten Arbeiten ausgeführt, wie etwa das Anbringen eines wasserfesten Anstrichs der Aussenhaut. Quasi als Erkennungszeichen für das neue Fährschiff wurde die linke und die rechte Planke mit einen Anker verziert. Zu Wasser gelassen wurde die Fähre beim Kraftwerk in Wynau. Die Fahrt zum Landesteg in Wolfwil wurde schliesslich zur Jungfernfahrt des neuen Bootes, das Nicole und Iwan Ackermann nicht ohne Stolz präsentieren. Die Fährleute hoffen, dass wieder mindesten zwölf Jahre vergehen werden, bis an den Bau eines neuen Schiffs gedacht werden muss. «Jetzt geniessen wir einfach einmal unser neues Boot und freuen uns auf Fahrgäste, die damit die Aare überqueren wollen», so Nicole Ackermann.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1