Die Explosion von Celloidstaub in der Kammfabrik forderte am 30. September 1915 32 Menschenleben. In der damaligen wirtschaftlich angespannten Zeit, während des Ersten Weltkrieges, für das Dorf nicht nur eine menschliche Tragödie. Umso schneller waren die Verantwortlichen damals bemüht, die völlig zerstörte Firma wieder aufzubauen, um die dringend nötige Einkommensquelle wieder sprudeln zu lassen. Schon im November 1915 wurde der Grundstein für den Wiederaufbau gesetzt, und wenige Monate später konnte die Firma wieder produzieren.

Dennoch wurden die 32 Opfer von den Mümliswilern nicht vergessen. Ein Grabmonument bei der katholischen Kirche erinnert immer an das Unglück. Dieses Jahr soll auf besondere Art wieder an das tragische Schicksal der Opfer erinnert werden. Neben je einem Gedenkkonzert am 30. September und am 4. Oktober in der katholischen Kirche St. Martin in Mümliswil wird im Museum HaarundKamm, welches in Teilen der Original-Kammfabrik untergebracht ist, eine Sonderausstellung gezeigt.

Ausstellungsverantwortlicher ist Joseph C. Haefely, der sich seit mehr als zwei Jahren mit der Geschichte der Brandexplosion auseinandersetzt. «Wir wollten eine Sonderausstellung konzipieren, welche die Dauerausstellung im Museum HaarundKamm nicht tangiert, an der man aber dennoch im Museum nicht vorbeigehen kann», sagt er. Die Lösung war für die Ausstellungsmacher das Aufstellen von schwarz gefärbten 21 «Stelen», auf und in denen sich Themen und Aspekte zur Brandkatastrophe darstellen lassen.

Darüber hinaus wird auch der Dorfkern von Mümliswil zum Museumsbereich, indem an massgebenden Orten der damaligen Geschehnisse weitere Stelen – insgesamt im Dorf 32 – aufgestellt werden.

An allen Stelen werden die unterschiedlichsten Themen behandelt, über welche der Besucher sich dann mittels Materialien, Dokumente oder damaliger Alltagsgegenstände informieren kann. In der Ausstellung ist neu auch ein Holzmodell der damaligen Fabrik zu sehen. Mit allen abnehmbaren Stockwerken im Massstab 1:50 zeigt es die Arbeitsplätze jedes Einzelnen und verweist auf die Fluchtwege oder den Ort des Todes der Opfer.

Und es gibt noch mehr zu sehen. Josef C. Haefely hat zusammen mit seinem Neffen Simeon Haefely und weiteren Fachleuten einen Dok-Film zu den Ereignissen hergestellt. Ausgehend von historischem Fotomaterial, damaligen Dokumenten und älteren Tonbandaufnahmen mit Zeitzeugen oder Nachkommen von Opfern wurde das Skript verfasst. Einige wichtige Sequenzen der Ereignisse sind mit Laiendarstellern nachgespielt worden.

Haefely ist wichtig, dass die tragischen Ereignisse mit Respekt und der nötigen Zurückhaltung filmisch aufgearbeitet wurden. Film ist jedoch das Medium, wie die Tragödie einem heutigen Interessierten plausibel nahegebracht werden kann. Der Film mit einer Länge von gut 20 Minuten wird im Museum in Endlos-Schleife in einem Atelierraum zu sehen sein. Ein knapp über 5-minütiger Trailer davon ist bereits auf der Museums-Homepage abrufbar.