Eine leicht wehende Schweizer Fahne war schon von Weitem sichtbar. Gedämpft drangen leise Glockenklänge von den entfernt weidenden Kühen an die Ohren. Ansonsten lag eine tiefe Ruhe über den Roggenmatten. Kein Laut vermochte aus dem hektischen Mittelland auf den Berg zu dringen, denn eine tief liegende Nebeldecke verhinderte jegliche Störung des Bergfriedens.

Fast war man der Meinung, dass vermutlich vergessen wurde, das bereits aufgeschichtete 1.-Augustfeuer anzuzünden – so herbstlich wirkte die Morgenstimmung auf die vielen, aus allen Richtungen kommenden Wanderer. Sie hatten alle nur ein Ziel – die diesjährige Roggenchilbi – die seit vielen Jahren von den Mümliswiler «Guldenthaler Jodlern» durchgeführt wird. «Schuld» daran, dass ein auswärtiger Verein die Bergchilbi in Oensingen durchführt, sind Rita und Werner Koch, die jahrelang auf dem Roggen wirtschafteten und Werner eben Mitglied der Guldenthaler war.

Gottesdienst als Magnet

Für viele Besucher war der ökumenische Berggottesdienst das eigentliche Ziel an diesem Sonntagmorgen. Die reformierte Pfarrerin Yvonne Gütiger aus Oensingen und der katholische Diakon Markus Heil, der auch Seelsorger für das Guldental ist, feierten zusammen mit den zahllosen Gästen eine eindrückliche Messe unter freiem Himmel. Umrahmt wurde der Gottesdienst von den Guldenthaler Jodlern selbst. Sie sangen die meisten Lieder aus der Jodler Messe von Jost Marti. «Dir Herr wei mer singe, dir Herr gilt das Lied…», diese eindringliche Melodie mit den berührenden Worten eröffnete die Feier – und der Jodel hallte weit über die Matten ins Tal hinab.

Sowohl Yvonne Gütiger, wie auch Markus Heil fanden eindrückliche Worte in ihren Predigten. «Das Lob der Schöpfung soll uns nicht nur in Gemütlichkeit versetzen», mahnte Markus Heil. Sein zentrales Thema waren die Vögel und die Sorge um die Natur. Besonders der Milan hatte es ihm angetan, der so scheinbar leicht und unbesorgt am Himmel seine Kreise zieht. «Zugvögel kennen keine Grenzen – wir Menschen aber schon», führte Heil weiter aus.

Und so gehörten doch alle Menschen auf dieser Welt zusammen - und er sprach damit die unsäglichen Flüchtlingsströme aus den aktuellen Krisengebieten an, die wir nur allzugerne verdrängen möchten.

Rinder und Kühe wiederum nahm Yvonne Gütiger in ihre Predigt auf. «Kühe waren oft Opfertiere– entgegen der kultisch, seit jeher als unrein geltenden Schweine». Und ist es nicht auch heute noch so, fragte Gütiger in die Runde. Menschen, die alles geduldig und ohne aufzumucken ertragen, sind oftmals die «modernen» Opfertiere, während die «Schweine» unter uns meistens ungeschoren davon kämen. Die markige Wortwahl brachte die Gläubigen zum Lachen.

Naturthemen aufgegriffen

Das passende Jodellied «Summerzyt» griff die Themen Natur, Tiere und Heimat auf und die Guldenthaler Jodler bewiesen mit dem Vortrag, dass sie die Note 1 am diesjährigen Eidgenössischen mehr als verdient haben. Nach der Messe sprangen die Jodlerinnen und Jodler schnell in ihre Arbeitskleider, denn es galt, die unzähligen hungrigen Gäste zu bewirten, hatte sich in der Zwischenzeit doch auch das Festzelt bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Jodlerklub «Bärgbrünneli» aus Liesberg unter Andreas Stalder sorgte am Nachmittag für Unterhaltung – eine nicht ganz einfache Aufgabe angesichts der fröhlichen Ausgelassenheit der Gäste. Da hatten es die «Baselbieter Fluhtrychler» mit ihren mächtigen Treicheln schon einfacher, sich Gehör zu verschaffen. Speziell an den Trychlern war, dass auch zwei Frauen die schweren Schellen schwangen.

«Wir sind rundum zufrieden mit dem Festverlauf», freute sich Präsident Andreas Ackermann, auch wenn der Samstagabend – wie das Wetter– eher durchzogen war. Und so passte zu dieser Aussage und zum Abschluss der Chilbi nichts besser, als das Gesamtchorlied «E gschänkte Tag» von Adolf Stähli, das die Guldentaler und Liesberger gemeinsam mit sonst noch anwesenden «zivilen» Jodlern sangen.