Schädling
Es wütet der Buchsbaumzünsler: Oberbuchsiten bangt um seine Wappenpflanze

In der Berggäuer Gemeinde Oberbuchsiten wütet der Buchsbaumzünsler in den Buchsbeständen im Wald.

Erwin von Arb
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So sieht es bei einem Befall durch den Buchsbaumzünsler aus.

So sieht es bei einem Befall durch den Buchsbaumzünsler aus.

Erwin von Arb

Vor rund 1000 Jahren haben die Römer den Buchs als Zierpflanze nach Oberbuchsiten gebracht. Heute bedeckt dieser Strauch, der dem Dorf Namen und Wappen gegeben hat, eine Fläche von rund 100 Hektaren. Daran gütlich tut sich seit einigen Wochen der Buchsbaumzünsler, ein aus Ostasien eingeschleppter Schädling.

Die gefrässigen Raupen haben inzwischen bis zu 80 Prozent der Bestände auf Gemeindegebiet von Oberbuchsiten kahl gefressen, schätzt der ehemalige Förster Ernst Brun. Wo der Buchsbaumzünsler aktiv war, erkennt man an den braun verfärbten Buchsbaumbüschen, von denen es auf Bruns Schafweide in der Wolfgrube nahe dem Wald etliche gibt.

Die grossen Buchsbüsche bei der am Waldrand liegenden Schafweide von Ernst Brun wurden vom Buchsbaumzünsler fast vollständig kahl gefressen.

Die grossen Buchsbüsche bei der am Waldrand liegenden Schafweide von Ernst Brun wurden vom Buchsbaumzünsler fast vollständig kahl gefressen.

Erwin von Arb

Dass mit einer Invasion des Schädlings zu rechnen sei, habe sich abgezeichnet, so der 68-jährige. Im Juni seien Tausende von Faltern um das am Waldrand stehende Haus geflogen und hätten sich am Tag auf sämtlichen Bäumen und Sträuchern niedergelassen. «Die waren überall, an der Fassade und am Insektenvorhang, berichtet Bruns Ehefrau Annemarie.

Raupen hängen an den Bäumen

In den 45 Jahren, in welchen er in Oberbuchsiten Förster gewesen sei, habe er so etwas noch nie erlebt. Was dieser Schädling innerhalb von drei Wochen angerichtet habe, sei unglaublich. «Das hätte ich nicht für möglich gehalten», bemerkt der seit 2015 pensionierte Förster. Dass sich inzwischen die zweite Generation des Buchsbaumzünslers im Oberbuchsiter Wald weiter durch die Buchsbestände frisst, hat Annamarie Brun bei Joggen mit Kolleginnen auf unangenehme Weise erfahren. Wieder zu Hause angekommen, hätten überall an ihr diese grünen Raupen geklebt. Diese hängen derzeit in jenen Waldstücken, wo es noch Buchs gibt, zu Tausenden an ihren selbst gesponnenen Fäden von den Bäumen und werden so für Passanten leicht zum unfreiwilligen Mitbringsel. «Das ist einfach nur eklig», sagt Annemarie Brun.

Ihr Mann befürchtet, dass der Buchsbaumzünsler nicht eher aufhört, bis auch die letzten Buchssträucher kahl gefressen sind. Insektizide, wie etwa in Privatgärten, dürften im Wald nämlich keine eingesetzt werden, wie der Mann weiss. Das Ganze mache ihn betroffen, auch wenn der geschützte Buchs für einen Förster eine eher unliebsame Pflanze sei. Sie gehöre aber zu Oberbuchsiten. «Die perfekte Lösung wäre, wenn der Buchsbaumzünsler einen natürlichen Feind hätte», glaubt Brun.

Die gefrässige Raupe des Schädlings bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Der aus Ostasien stammende Buchsbaumzünsler wurde 2007 erstmals im Raum Basel festgestellt. Seither dehnt sich das Populationsgebiet jährlich kreisförmig um 5 Kilometer aus. Die Raupen fressen nach den Blättern auch die Rinde der Buchsäste. Danach stirbt darüber alles pflanzliche Leben ab. Je nach Witterung kann der Frassschaden bis in den November hinein andauern. Die Raupen der letzten Eiablage des Jahres überwintern in Kokons zwischen Blättern und Ritzen in der Nähe der Pflanzen. Ab März/April taucht der Buchsbaumzünsler wieder auf. (eva)

Die gefrässige Raupe des Schädlings bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Der aus Ostasien stammende Buchsbaumzünsler wurde 2007 erstmals im Raum Basel festgestellt. Seither dehnt sich das Populationsgebiet jährlich kreisförmig um 5 Kilometer aus. Die Raupen fressen nach den Blättern auch die Rinde der Buchsäste. Danach stirbt darüber alles pflanzliche Leben ab. Je nach Witterung kann der Frassschaden bis in den November hinein andauern. Die Raupen der letzten Eiablage des Jahres überwintern in Kokons zwischen Blättern und Ritzen in der Nähe der Pflanzen. Ab März/April taucht der Buchsbaumzünsler wieder auf. (eva)

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Keine natürlichen Feinde

Damit ist Moment nicht zu rechnen, wie Philipp Gut, Leiter der Fachstelle Spezialkulturen vom Bildungszentrum Wallierhof, auf Anfrage erklärt. Potenzielle Fressfeinde tun sich gemäss Gut schwer an den Raupen, weil diese das im Buchs enthaltene Gift im eigenen Körper speichern. So bleibe nichts anders übrig, als abzuwarten, wir es mit dem vom Buchsbaumzünsler beschädigten Pflanzen weiter gehe.

Dass die Büsche gänzlich absterben, glaubt Gut allerdings nicht. Vor allem bei älteren Pflanzen habe sich gezeigt, dass die nach etwa zwei bis drei Jahren wieder ausschlagen. Entscheidend sei der Grad der Schädigung der Pflanzen. Wenn vom Buchsbaumzünsler nur die Blätter abgefressen würden, seien die Chancen besser, dass der Buchs wieder ausschlage. Allerdings treffe dies vor allem für Buchs innerhalb des Siedlungsgebietes von Dörfern zu. Inwiefern sich diese Erkenntnisse auf im Wald wachsenden Buchs übertragen lasse, sei nicht klar. «Im Kanton Solothurn sind wir zum ersten Mal mit einem Buchsbaumzünslerbefall in einem Wald konfrontiert», so Gut.

In Riehen wächst Buchs wieder

Erfahrungen dieser Art gesammelt hat hingegen die Gemeinde Riehen, ein Vorort von Basel. Dort fiel vor rund fünf Jahren Buchs in einem 40 Aren grossen Waldstück dem Schädling zum Opfer, wie der dort zuständige Förster Andreas Wyss erklärt. Ein Teil davon hat inzwischen wieder ausgeschlagen, andere nicht, berichtet Wyss.

Diese Nachricht wird vom Oberbuchsiter Gemeindepräsident Daniel Lederer mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen. Auch bei einem kompletten Verschwinden der Buchsbestände wäre eine Umbenennung des Gemeindenamens und ein anderes Wappen kein Thema gewesen, sagt er darauf angesprochen. «Der Buchs gehört zu uns», betont Lederer. Allerdings mache es in traurig, tatenlos zusehen zu müssen, wie der Buchsbaumzünsler im Wald wüte. «Ich hoffe, das ganze Trauerspiel hat bald ein Ende», meint Lederer.

Auch Egerkingen betroffen

Vom Buchsbaumzünsler ebenso stark betroffen ist übrigens auch die Gemeinde Egerkingen, wo es vom Steinbruch Vorberg bis über die Jakobsleiter hinaus grosse Bestände gibt. «Das ist mit einen Grund, weshalb wir die Bevölkerung aufgefordert haben, am 1. August auf Feuerwerk zu verzichten», sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Ein Funke genüge, um die dürren Büsche in Brand zu setzen.

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