Verkehrsanbindung Thal

Es wird heiss diskutiert über das Entlastungsprojekt in der Balsthaler Klus

Das Nadelöhr von Balsthal aus gesehen. Bringt ein Tunnel durch den Berg die Lösung?

Das Nadelöhr von Balsthal aus gesehen. Bringt ein Tunnel durch den Berg die Lösung?

Die Verkehrsanbindung Thal wird heiss diskutiert. Die Politik will aufs Tempo drücken – die Gegner werden aber hartnäckig bleiben.

Der Kanton drückt aufs Tempo. Jahrzehntelang diskutierte man eine Umfahrungsstrasse ohne Erfolg. Nun will der Kanton das Grossprojekt noch in diesem Jahrzehnt realisieren – trotz Widerstand und Beschwerden. Letzte Woche präsentierte er den notwendigen Kredit über 74 Millionen Franken. Nicht bloss der Kanton macht in Sachen Verkehrsanbindung Thal ernst. Auch die örtlichen Behörden erhöhen den Druck und wollen die neue Strasse mit aller Vehemenz durchbringen.

Kurt Bloch, Mümliswiler Gemeindepräsident und Präsident der Gemeindepräsidentenkonferenz Thal erklärt: «Die Verkehrsanbindung hat für das Thal erste Priorität. Einerseits wird dadurch die nicht mehr zumutbare Verkehrssituation in der Klus behoben und andererseits eröffnen sich dadurch neue Entwicklungsmöglichkeiten.» Die Thaler Gemeindepräsidien hätten das Projekt von Beginn an unterstützt. Dessen Wichtigkeit und Notwendigkeit werde dadurch unterstrichen, dass sich die Gemeinden – unter Berücksichtigung der regionalen Bedeutung – freiwillig an den Kosten beteiligen und somit die Standortgemeinde Balsthal um 2 Mio. Franken entlasten. «Die Thaler Gemeindepräsidien danken der Regierung, dass das Geschäft nun in Kürze vom Kantonsrat beraten werden kann. Sie zählen auf die Unterstützung durch das Kantonsparlament», so Bloch.

Unterstützung gibt es auch «vor dem Berg»

In der lokalen Politik ist das Projekt breit abgestützt, so zählt etwa auch der Gemeindepräsident der Nachbargemeinde Oensingen zum Unterstützungskomitee der Entlastungsachse. Die nun vorliegende Variante sei über Jahrzehnte hin gereift und «fachlich unbestritten», sagt Fabian Gloor. «Fürs Thal ist die Verkehrsanbindung ein zwingendes Element, um die Verkehrssituation zu entlasten und auch wir in Oensingen erhoffen uns davon weniger Rückstau.» Selbst der ehemalige Balsthaler Gemeindepräsident Roland Stampfli schaltete sich mit einem Leserbrief in die Debatte ein. Obwohl er mittlerweile im Freiamt wohnt, habe er noch einen guten Draht nach Balsthal. Endlich gebe es eine sinnvolle Lösung, findet Stampfli, der das vorherige Umfahrungsprojekt begleitet hatte.

Der Naturpark Thal, welcher als Institution viele Fäden in den Händen hält, äusserte sich bisher nicht zum Verkehrsprojekt. Mit diversen Mobilitäts-Massnahmen versuchte der Naturpark jedoch der Verkehrsproblematik entgegenzuwirken. Ein bekanntes Beispiel ist die Mitfahrplattform Hitchhike. Wie steht er nun zur Verkehrsanbindung, wo der Kredit bekannt ist und das Projekt konkreter wird? Aedermannsdorfs Gemeindepräsident Bruno Born steht dem Naturpark Thal als Präsident vor und sagt auf Anfrage klar und deutlich: «Der Vorstand ist nahezu einhellig für die Umfahrung.» Dies erklärt sich alleine durch die Tatsache, dass die Gemeindepräsidenten in diesem Gremium die Mehrheit bilden – und sie geschlossen hinter dem Projekt stehen. «Es wird zum Teil gesagt, die Strasse passe nicht zum Naturpark. Doch da habe ich eine ganz andere Meinung. Aufgabe des Naturparks ist es eben auch, die Region wirtschaftlich zu fördern.» Um sich weiterzuentwickeln brauche das Thal diese Strasse, sagt Born.

Zu den Befürwortern der neuen Strasse zählt auch die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB). «Wenn das Stauproblem weiter zunimmt, wird der ÖV unzuverlässiger», sagt Markus Schindelholz. Für die Postautos aus dem Dünnerntal werde es zusehends schwieriger, die Anschlüsse in der Morgenspitze zu gewährleisten.

Werden die Gegner allein gelassen?

Für Fabian Müller ist die Position der OeBB nicht nachvollziehbar. «Es ist lächerlich, dass sich der öffentliche Verkehr für den Ausbau einer Strasse ausspricht», sagt er und weist darauf hin, dass im Verwaltungsrat der OeBB vornehmlich Befürworter der Entlastungsstrasse Einsitz nehmen.

Fabian Müller ist zugleich Kopf der Bürgerbewegung «Läbigi Klus» sowie des VCS. Und er ist ein Gegner der ersten Stunde. Wie erklärt er sich den Rückhalt der Umfahrung bei den Behörden? Er wisse nicht, weshalb es einen solchen Drang gebe. Für ihn sei dies mit Blick auf die zukünftige Verkehrsentwicklung unerklärlich, sagt Müller. «In den verkehrsreichen Abendstunden dauert die Fahrt von Oensingen nach Balsthal gemäss Regierungsrats-Botschaft vier Minuten länger – für dies sollen wir jetzt 74 Mio. Franken bezahlen.» An einer Wiederbelebung der Klus zweifelt Müller – Konzepte dazu gebe es bisher keine.

Mehrere Exponenten – etwa aus dem Gewerbe – wollen sich zum politisch heissen Thema nicht äussern. So etwa Fürobebeck-Inhaber Alex Häner, der mit seinem Geschäft an der heute bisweilen überlasteten Achse erfolgreich ist und selbst in der Klus wohnhaft ist. «Ich habe Kunden von links und rechts», sagt er. Andere sorgen sich um ihre Existenz. «Ich könnte den Laden zumachen, wenn die Verkehrsanbindung kommt», sagt Marius Steck, der mit seiner Brockenstube vom Durchgangsverkehr und ein Stück weit vom Stau lebt. Er sei nicht prinzipiell gegen das Projekt, aber sehr skeptisch. Das Guntenfluhquartier erhalte mit dem neuen Projekt die Strasse vor die Nase gesetzt - ein Quartier werde geteilt.

Zurück zu den Anfängen des Projekts?

Auch im hinteren Thal gibt es kritische Beobachter. Thomas Mägli, ehemaliger Kantonsrat aus Welschenrohr und bis heute in diversen Gremien aktiv, sagt, es sei unbestritten, dass es eine Lösung für den Kluser Stau geben muss. Ob diese aber wirklich so aussehen soll, wie sie jetzt vorliegt, da habe er seine Zweifel. «Ich finde, dieses Projekt bietet keine wirklich neue Verkehrslösung», sagt er.

Der Kreisel in der Thalbrücke existiert weiter, wenn auch etwas versetzt. «Also etwas viel Aufwand für wenig Ertrag. Ich würde eine Tunnellösung Richtung Thal bis zur ehemaligen Firma Gehrig favorisieren.» Dann würde sich der Verkehr auch tatsächlich Richtung Balsthal/Mümliswil und ins Thal teilen, ist Mägli überzeugt. Er denke da an die Lösung wie diejenige von Aarburg. Nur eine Untertunnelung bringe der Bevölkerung Ruhe vom Verkehr. «Das ist klar auch teuer. Doch wenn ich daran denke, was uns Thalern und den Schwarzbuben damals versprochen wurde, als es um die Umfahrungen von Solothurn und Olten ging...» Er werde auf jeden Fall bei einer allfälligen Volksabstimmung nicht Nein einlegen, sagt Mägli noch, denn eine Änderung braucht es.

Meistgesehen

Artboard 1