Casa Fidelio Niederbuchsiten

Es war ein Ort der Ruhe: Die Gründe für «das Ende der einzigen Lehmkuppel in der Schweiz»

Die Casa Fidelio ist eine in der Schweiz einmalige therapeutische Einrichtung für Männer mit Suchtproblemen.

Die Casa Fidelio ist eine in der Schweiz einmalige therapeutische Einrichtung für Männer mit Suchtproblemen.

Die typische Lehmkuppel des Casa Fidelio in Niederbuchsiten wurde entfernt – der neue Leiter erklärt warum.

Die Aufregung in den sozialen Medien ist gross: «Das Ende der einzigen Lehmkuppel in der Schweiz. Der Ort der Kraft weicht», schreibt der ehemalige Leiter der Casa Fidelio Niederbuchsiten und Initiant des grössten Lehmbaus der Schweiz, Felix Jeanmaire auf Facebook. Und er erhält viel Zustimmung. Von «verstehe ich nicht» bis «eine Schande», heisst es da.

Zur Erinnerung: Die Lehmkuppel des Casa Fidelio wurde 2001 erbaut, hatte eine Höhe von sieben Metern und einen Durchmesser von zehn Metern. «Es war ein Ort der Kraft», betont Jeanmaire auf Nachfrage. Er sei zwar seit vier Jahren pensioniert, habe aber schon seine Mühe mit dem Entscheid der jetzigen Casa-Fidelio-Leitung, die Lehmkuppel abzutragen. Er betont einen besonderen Aspekt des Baus. «In diesem Raum gab es eine Nachschall-Wirkung von drei Sekunden. Es ist genau die Zeit, die das Hirn benötigt, um eine gute Kommunikation herzustellen.» Und auch gerade im Mittelland, ein «Durchzugsort», wo Autobahn, begradigte Flüsse als Energiekiller vorhanden seien, sei dieser Lehmbau ein Ort der Ruhe, ein Raum des Energieaufbaus, gewesen.

Der Lehmbau wurde nur noch wenig genutzt

Der neue Leiter des Casa Fidelio, Hans Ulrich Nydegger, erklärt: «Seit etwa vier Jahren machten wir uns Gedanken darüber, was mit der Kuppel geschehen soll, da sie immer weniger genutzt wurde. Pro Jahr vielleicht noch drei- bis viermal.» Es sei viel Raum, den man anderweitig verwenden könne. «Es wird jetzt ein Therapieraum eingerichtet, in dem auch Konzerte oder Theater stattfinden können.» Und dann werden Räumlichkeiten für die Nachtwache eingerichtet, um den 24-Stundenbetrieb aufrechtzuerhalten. «Wir achten sehr darauf, dass wir den hochqualitativen Baustoff Lehm für die neuen Einbauten wiederverwenden», sagt Nydegger. Dies sei der Nachhaltigkeit geschuldet. «Gut zwei Drittel des Baustoffes werden unsere Bewohner selbst wieder zum Neubau verwenden.» Im Übrigen sei der Abriss-Entscheid ein Führungsbeschluss gewesen, vor allem auch ein ökonomischer Entscheid, bemerkt Nydegger noch.

So wurde die Lehmkuppel aufgebaut.

So wurde die Lehmkuppel aufgebaut.

Die «Suchtlandschaft» verändert sich

Seit Beginn dieses Jahres liegt die Geschäftsführung des Hauses bei einem internen Lenkungskreis unter der Leitung von Hans-Ulrich Nydegger. Die Casa Fidelio, ist eine einmalige therapeutische Einrichtung in der Schweiz, die sich um suchtkranke Männer und deren Rückkehr in die Gesellschaft kümmert. Der Berner selbst arbeitet seit zwei Jahren dort. Sein Vorgänger als Leiter war Fabian Müller. «Momentan betreuen wir 18 Männer. Platz hätten wir für bis zu 21 Männer», erklärt Nydegger. «Unsere Klientel hat sich seit Bestehen der Casa Fidelio vor 25 Jahren verändert», schildert er. «Die Suchtlandschaft ist einem steten Wandel unterworfen: Doppel- und Mehrfachdiagnosen, Migrationshintergründe sowie Straf- und zivilrechtliche Massnahmen sind heutzutage an der Tagesordnung.» Um diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden, wird die Therapie heute jedem Bewohner angepasst und damit wird sie individueller. «Der Bewohner besucht entsprechende Module, die seinem aktuellen Stadium der Therapie entsprechen. Ganz nach dem Motto: Therapie für den Bewohner, statt Bewohner für die Therapie. Auf diesem Weg sind noch einige Hürden zu nehmen. Wichtig ist uns, dass die Hierarchien flach sind und wir agil reagieren können.»

Am Grundkonzept der Casa Fidelio, nur Männer arbeiten für Männer, wolle man festhalten. «Es ist auch die Möglichkeit zur Abgrenzung von Konkurrenz anderer therapeutischen Einrichtungen», so der Leiter. Und: «Unsere Bewohner schätzen sehr, dass bei uns das ‹Konkurrenzdenken als Mann› kein Thema ist. Dennoch werden Beziehungsfragen zu Frauen bei uns angesprochen.»

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