Gastronomie
«Es geht uns nicht gut»: Die Restaurants im Thal und im Gäu leiden unter den Coronamassnahmen

Abgesagte Weihnachtsessen, die Beschränkung auf vier Personen pro Tisch und das verunmöglichte Vereinsleben machen den Restaurants im Thal und im Gäu zu schaffen. Vier Gastronomen aus der Region erzählen nun, wie sehr die Situation sie belastet.

Gülpinar Günes
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«Es geht uns nicht gut»: Die Restaurants im Thal und im Gäu leiden unter den Coronamassnahmen (06.12.2020)
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Nach einem guten Sommer hagelten im Oensinger Rössli nur noch Absagen rein.
In der Eintracht in Kestenholz hofft man, dass die Öffnungszeiten nicht noch mehr gekürzt werden.
Der Berggasthof Güggel in Mümliswil erlebt trotz Corona seinen besten November.

«Es geht uns nicht gut»: Die Restaurants im Thal und im Gäu leiden unter den Coronamassnahmen (06.12.2020)

Bruno Kissling

Gastronomiebetriebe schauen einer düsteren Weihnachtszeit entgegen. Seitdem der Bund Ende Oktober die Coronamassnahmen für die Gastronomie verschärft hat, hagelt es bei den Betrieben Absagen. Viele Betriebe in den Bezirken Thal und Gäu müssen mit nur einem Drittel ihres normalen Umsatzes über die Runden kommen. Wir haben vier von ihnen gefragt, wie sehr sie von den Massnahmen betroffen sind.

«Es geht uns nicht gut, wie vielen anderen Betrieben auch», sagt Christoph Jeker, Präsident der Gastro Thal-Gäu und Wirt des Landgasthofs Ochsen in Mümliswil. An sehr guten Tagen verkaufe er nur noch so viele Menus, wie an einem durchschnittlichen Tag vor der Pandemie. Weihnachtsessen seien alle abgesagt worden, ebenso Bankette. Die Beschränkung auf vier Personen pro Tisch verunmögliche das. «Diese Beschränkung macht uns vieles kaputt», sagt Jeker.

Auch die Wildsaison, die jedes Jahr viele Gäste in sein Lokal lockt. Vor allem aber vermisse er seine Stammkunden: die Vereine. Auch sie treffen sich wegen der Massnahmen kaum oder gar nicht mehr und kommen folglich nicht mehr in den Gasthof. Das werde insbesondere im Januar ein Thema: Normalerweise seien die Wochenenden dann mit Generalversammlungen ausgebucht. Im Moment könne kein Verein sagen, ob sie die Versammlung durchführt.

«Im Prinzip könnten wir das Restaurant schliessen»

Als Gegenmassnahme bietet der Gasthof seit dem letzten Lockdown einen Take-away-Service an. «Das wird von unseren Gästen sehr geschätzt und auch rege genutzt», sagt Jeker. Auch der Mahlzeitendienst an Seniorinnen und Senioren, der seit einigen Jahren angeboten wird, konnte etwas ausgebaut werden. Dennoch mache er derzeit nur rund einen Drittel des üblichen Umsatzes.

«An manchen Nachmittagen geht kaum etwas in der Gaststube, trotzdem ist das Personal anwesend – im Prinzip könnten wir das Restaurant schliessen», sagt er. Solange aber noch Kurzarbeit möglich ist, sei es sinnvoll weiterzumachen. Warum aber die Einschränkungen für die Gastronomie so strikt sind, verstehe er nicht. «Die Hygienekonzepte wurden alle abgenommen und funktionieren einwandfrei. Bei den Gästen zu Hause gibt es das nicht.» Auch im ÖV würden die Abstände kaum eingehalten.

Die 4er-Regel macht zu schaffen

Die Einschränkungen machen auch anderen Betrieben zu schaffen, besonders die 4er-Regel. «Wegen dieser Regel wurden viele Reservationen abgesagt», sagt auch Marco Meier, Wirt des Restaurant Eintracht in Kestenholz. Seit der Verschärfung der Massnahmen Ende Oktober habe er einen markanten Einbruch der Besucherzahlen erlebt, sein Umsatz sei um mehr als die Hälfte des Letztjährigen gefallen.

Zwar seien sie Wochenenden gut besucht, aber dafür die Woche hindurch nicht. «Meine Hauptkundschaft ist zwischen 50 und 80 Jahre alt. Die bleiben lieber zu Hause», sagt Meier. Es fehlen ihm auch die Reservationen während der Adventszeit. Die Sperrstunde ab 23 Uhr sei hingegen nicht so schlimm. «Solange sie nicht auf 21 Uhr gekürzt wird, wie in Bern», sagt er. Er hoffe aber, dass ab nächstem Frühjahr alles wieder gelockert wird und sich die Situation verbessere.

Corona während des Sommers kaum gespürt

Bessere Zeiten hat auch das Oensinger «Rössli» erlebt, das diesen Sommer neu eröffnet wurde. «Es hat alles sehr gut begonnen», sagt Wirtin Kerstin Noack. Man habe Corona während des Sommers kaum gespürt. «Aber die Verschärfungen waren ein Schlag ins Gesicht.» Es habe nur noch Absagen gehagelt, wie sie sagt. Ihre Mitarbeiter seien daher alle in Kurzarbeit, ihre Einsätze auf das Nötigste reduziert.

«Am Abend haben wir nur noch einen statt drei Köche in der Küche», sagt sie. Mit der Verschärfung der Massnahmen habe der Betrieb auch die Speisekarte reduziert und versuche mit Spezialangeboten und Take-away, mehr Gäste anzulocken. Ab dem 6. Dezember versucht es Noack auch mit ersten Öffnungszeiten an Sonntagen. Sie bleibt hoffnungsvoll: «Vielleicht kommen bis Weihnachten noch Reservationen rein.»

Schönes Wetter bringt viele Gäste

Hoch oben im Jura sind diese Probleme fast schon fremd. Denn oberhalb der Nebelgrenze ist das Wetter schön, Corona fast vergessen. «Wir hatten noch nie einen so guten November gehabt», sagt Isabelle Gygax, Wirtin des Berggasthofs Güggel in Mümliswil. Die Terrasse sei jeweils voll gewesen, erinnert sie sich. Die neue überdimensionale Holzbank im Naturpark Thal habe viele Gäste angezogen. «Die Leute kommen hier hoch, weil sie denken, dass es hier oben nicht so schlimm sei», sagt Gygax. «Ich musste sie daran erinnern, dass hier dieselben Regeln gelten wie unten.» Ein Zustand, von dem man im Tal nur träumen kann. Erst mit dem Hochnebel vergangene Woche sei etwas Ruhe in den Betrieb gekehrt.

Mehr als die Coronasituation beeinflusse da oben das Wetter den Betrieb. Sollte der Winter schönes Wetter bringen, vermutet Gygax auf guten Umsatz. Trotz Corona.