Härkingen

Erst sanieren, wenn ein Energie-Konzept vorliegt

Eine Massnahme zur Heiz-Reduktion besteht in der Dämmung von Dächern und Wänden. (Symbolbild)

Eine Massnahme zur Heiz-Reduktion besteht in der Dämmung von Dächern und Wänden. (Symbolbild)

An einer Informationsveranstaltung in Härkingen sprachen Energie-Experten über nachhaltige Methoden, um die Umweltbelastung zu senken.

«Energetische Sanierung – so geht’s». Zu Thema hatte die Einwohnergemeinde Härkingen am Donnerstag zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Rund 50 Personen liessen sich nicht von der Panik um das neue Corona-Virus anstecken und kamen ins Mehrzweckgebäude an der Fröschengasse, um Neues über das Energiesparen zu erfahren.

«Der Energieverbrauch unserer Wohnhäuser kann mit einfachen und gezielten Investitionen um rund 70 Prozent verringert werden», sagte Gemeindepräsident Daniel Nützi, von Amtes wegen auch Verwaltungsratspräsident des organisierenden Härkinger Energieversorgers HEH, in seiner Begrüssung. Jeder könne etwas dazu beitragen, dass der CO2-Ausstoss verringert werde.

«Mehr Wohnkomfort, geringere Kosten und ein Gewinn für die Umwelt.» So fasste Rudolf Lanz, selbstständiger Berater für Energiedienstleistungen, die einer energetischen Sanierung eines privaten Wohnhauses zusammen. Ein typisches Gebäude mit Baujahr 1973 verbrauche im Jahr etwa 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter und dieser Verbrauch könne mit gezielten Investitionen auf 7 Liter reduziert werden. «Aber wenn es überall gleichzeitig ein wenig hapert, dann weiss man nicht, wo man anfangen soll. Deshalb keine Sanierung ohne Konzept», empfahl der Experte.

Dann wurde Lanz konkret: 20 Prozent Energie könne man durch den Einbau von Thermosten einsparen. Einfache Isolationen auf dem Estrich seien preiswert und effizient. «Die Fassade und das Dach zu dämmen, das ist eine grosse Investition, bringt dann aber auch die grösste Einsparung.» Der Energieberater zeigte weitere Optionen auf. «Wichtig ist, dass man mögliche Fördergelder im Voraus beantragt, im Nachhinein gibt es nichts mehr.»

Gebäude-Energieausweis als Voraussetzung

Der Kanton Solothurn übernehme die Kosten der ersten Energieberatung. Er empfahl, sich an die Energiefachstelle des Kantons zu wenden. «Ein GEAK Plus ist ein absolutes Muss», schloss Rudolf Lanz seinen Vortrag. Dabei handelt es sich um einen Gebäudeenergieausweis des Kantons, in welchem drei Sanierungsvarianten vorgeschlagen und mögliche Förderbeiträge aufgezeigt werden.

«Soll man mit der Heizungssanierung warten, bis die Feuerungskontrolle es vorschreibt?», begann Beat Brunner, Projektleiter bei BKW AEK Contracting, für die er Fernwärmeverbünde realisiert, seinen Vortrag mit einer rhetorischen Frage. «Nein», war die zu erwartende Antwort. Kosten für die Investition und den jährlichen Brennstoffverbrauch müsse man den Fördergeldern und den Einsparungen gegenüberstellen – und auch die Umweltfreundlichkeit solle einem Hausbesitzer etwas wert sein. Wärmepumpen bezeichnete Brunner wegen der sehr grossen Investition als nicht immer geeignet. Eine Pelletheizung sei wegen des nachwachsenden Rohstoffs CO2-neutral, aber die Investitionen und vor allem die Wartungskosten seien ebenfalls relativ hoch. «Die Vorteil der Fernwärme sind die Versorgungssicherheit und die Umweltfreundlichkeit, vor allem wenn Abwärme aus einem Betrieb zum Heizen genutzt werden kann.»

Eine Unterstützung durch Solarenergie sei fast immer interessant, meinte Brunner. Aus dem Plenum kamen vor allem Fragen zu den elektrischen Heizungen auf, die laut Gesetz bis 2030 ersetzt werden müssen. In Härkinger Publikum war man sich ziemlich einig, dass dieses Gesetz unvernünftig sei, weil diese elektrischen Heizungen sehr preiswert und zuverlässig arbeiten. «Der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe ist aber viermal höher», erklärte der Experte, zeigte aber Verständnis für den Ärger, wenn durch ein neues Gesetz plötzlich hohe Investitionen auf Privatleute zukommen.

Elektromobilität für alle: Recycling bald gelöst

Zur Elektromobilität referierte Silvan Büchli: «In Zukunft wird man kaum mehr darum herumkommen», sagte der Experte vom ISP Energy Center. Die Preise der Batterien und der Autos sinken und die Preisparität mit den Benzinern werde zwischen 2022 und 2024 erreicht, meinte Büchli. Zudem werde die Reichweite immer grösser und die CO2-Bilanz beim Bau der Autos besser. «Wer eine eigene Fotovoltaikanlage auf dem Dach hat, verschiebt die Bilanz extrem zu Gunsten des elektrisch betriebenen Autos.»

Das Recycling der Batterien sei noch ein grosses Problem, sagte Silvan Büchli. «Weil es sich wirtschaftlich nicht rentiert. Aber das wird sich ändern, wenn in 10 bis 15 Jahren sehr viele Batterien an ihr Lebensende kommen. Sobald die vielen Rohstoffe wie seltene Erden und Lithium aus den ausgemusterten Autos wiederverwertet werden können, müssen sie nicht mehr in umweltschädlichen Bergbau gewonnen werden.

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