Laupersdorf
Erobert den Markt: Die Meisterfilter AG hat es dem Feinstaub gezeigt

Innert weniger Jahre hat sich die Meisterfilter AG in Laupersdorf eine führende Marktstellung im Bereich Filteranlagen für Holzfeuerungen erarbeitet. Bereits über 550 eigens entwickelte Elektro-Filteranlagen zur Reduktion von Feinstaub-Emissionen wurden gebaut und installiert.

franz schaible
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Jörg und Helga Meister im eigenen Unternehmen vor einer Elektro-Feinstaubfilteranlage, Marke Eigenbau. hans ulrich mülchi

Jörg und Helga Meister im eigenen Unternehmen vor einer Elektro-Feinstaubfilteranlage, Marke Eigenbau. hans ulrich mülchi

HANS ULRICH MUELCHI

Da hat die Jury des renommierten De-Vigier-Förderpreises eine gute Wahl getroffen. 2008 zeichnete sie die G & M E-Filter GmbH in Matzendorf mit dem mit 100 000 Franken dotierten Preis aus. Jörg Meister und sein damaliger Geschäftspartner entwickelten eine marktreife Elektro-Feinstaubfilteranlage für Holzheizungen.

Sie ermöglicht die Reduktion der Feinstaub-Emissionen um 90 Prozent. Heute, sechs Jahre später, heisst das Unternehmen Meisterfilter AG, ist 2012 aus Platzgründen in einen Neubau in Laupersdorf gezügelt und beschäftigt 15 Angestellte. Jörg Meister muss vom Erfolg überzeugt sein, hat er doch rund vier Millionen Franken in den Neubau inklusive Land investiert.

Der Tüftler im Thal, Der für bessere Luft sorgt

«Ich bin ein Tüftler», sagt der 49-jährige Jörg Meister selbstbewusst. Das zeigt der Weg von der Idee bis zur marktreifen Entwicklung des Elektro-Feinstaubfilters exemplarisch auf. Der gelernte Landwirt und Schlosser arbeitete während 20 Jahren als Heizungsmonteur in der Holzfeuerungsbranche.

Dabei wurde er konfrontiert mit den Feinstaubemissionen, und schon bald tüftelte er nebenbei am Prototyp eines Elektro-Feinstaubfilters. Die erste Anlage kam 2006 in einer grossen Holzfeuerung des Wärmeverbundes Laupersdorf zum Einsatz. «Die Messwerte, nun auch im Praxiseinsatz, waren so gut, dass die Idee weiterverfolgt wurde», erinnert sich Meister.

Dazu reduzierte er sein Anstellungspensum kontinuierlich und Anfang 2008 machte er sich selbstständig, gründete zusammen mit seinem damaligen Geschäftspartner die G & M E-Filter GmbH, die heutige Meisterfilter AG. Dabei handelt es sich um einen typischen Familienbetrieb. Denn für die Administration ist seine Ehefrau Helga Meister zuständig und eine Tochter ist ebenfalls im Unternehmen tätig.

Der Vater von vier Kindern ist seiner familiären Herkunft als Bauernsohn immer noch eng verbunden. Bewirtschaftet er doch nebenberuflich zehn Hektaren Grasland. «Das ist sozusagen mein Ausgleich zum fordernden Geschäftsalltag», sagt Meister lachend. (FS)

«Der De-Vigier-Preis war für unsere Entwicklung sehr entscheidend», blickt der 49-jährige Unternehmer zurück. Und zwar weniger wegen des Preisgeldes als vielmehr wegen der unbezahlbaren Werbung. «Kurz nach der Preisverleihung erhielten wir Anfragen von Personen aus der ganzen Welt, die sich für unsere Technologie interessierten.» Das Familienunternehmen, welches von Jürg Meister und seiner Ehefrau Helga Meister geführt wird, hat inzwischen über 550 Elektrofilteranlagen entwickelt, gefertigt, montiert und in Betrieb genommen.

Die Nachfrage nach den Elektrofiltern bleibe hoch. «So konnten wir allein im letzten Jahr rund 120 Anlagen verkaufen», berichtet Meister. Und die Auftragslage im laufenden Jahr sei «sehr gut». Meister hofft, mindestens gleich viele Anlagen wie im Vorjahr ausliefern zu können.

Das Potenzial bleibt für Meister aus zwei Gründen hoch. Einerseits sind Holzfeuerungen weiterhin im Trend. Holz sei ein CO2-neutraler, in der Schweiz und in ganz Europa nachwachsender Energie-Rohstoff. Andererseits verlangen massiv verschärfte Grenzwerte in der Luftreinhalteverordnung nach Lösungen, um die Emissionen zu reduzieren. So gilt in der Schweiz seit 2008 für Holzfeuerungen mit einer Leistung von über 500 Kilowatt ein Feinstaub-Grenzwert von 20 Milligramm pro Kubikmeter Luft ab Kamin (zuvor 150).

Die Übergangsfrist beträgt zehn Jahre. «Deshalb wird im Bereich Nachrüstungen der Bedarf nach Reinigungssystemen in den kommenden Jahren deutlich steigen», ist Meister überzeugt. Sind doch in der Schweiz rund 6000 bis 7000 solche Holzfeuerungen in Betrieb. Zudem gelten auch in Deutschland und in Italien ab 2015 neue, strengere Grenzwerte. «Mit unseren Elektrofiltern werden die neuen Normen problemlos eingehalten», sagt Meister.

Der Elektrofilter kommt zwischen Heizkessel und Kamin zu stehen und ist mit beiden direkt verbunden. Asche und Feinstaub, die beim Verbrennungsvorgang anfallen, werden in den Rohren des Filters elektrostatisch aufgeladen und an den Wänden der Rohre gebunden. Die mechanische Reinigung mittels motorgetriebenen Rohrbürsten – sie erfolgt alle vier Stunden und dauert zwei Minuten – befördert die Asche mit den Schadstoffen in einen Aschencontainer.

Das schmutzige Rohgas, das aus dem Heizkessel in die Filteranlage strömt, wird so zu Reingas, welches zu 90 Prozent feinstaubfrei den Kamin verlässt. Die Asche im Container muss der Heizungsbetreiber als Sondermüll entsorgen. Die Filteranlagen sind je nach Leistung mit den Grundmassen 2 mal 3,7 Meter bis zu 3,2 Meter hoch. Sie kommen in erster Linie in grösseren Heizfeuerungen zum Einsatz. Kunden sind denn auch Grossschreinereien, Gemeinden, die Wärmeverbünde betreiben oder grosse Schulhäuser mit Holz beheizen.

Für Kleinfeuerungen in Einfamilienhäusern sei die Nachfrage gering, weil es (noch) keine Grenzwertvorschriften gebe, erläutert Meister. Trotzdem habe man einen entsprechenden Mini-Elektrofilter entwickelt und führe ihn im Angebot. Hauptmarkt sei mit Abstand die Schweiz. Aber mehrere Anlagen aus Laupersdorf stünden auch in Deutschland, Frankreich, Italien, Holland und Österreich im Einsatz. «Erst vor wenigen Wochen konnten wir eine erste Feinstaub-Elektrofilteranlage in Japan montieren», sagt Meister nicht ohne Stolz. Das Interesse dort sei gross. Im Visier hat das Familienunternehmen nun Skandinavien, wo Holz als Energie stark genutzt werde.

Auf dem Rundgang durch die Werkhalle betont Meister, dass die Fertigungstiefe sehr hoch sei. So betreibt die Firma eine eigene Schweisserei und die Montage erfolge zu 100 Prozent intern. Und wenn Teile eingekauft werden, dann bei Firmen in der Region. «Das Label ‹Swiss Made› ist ein sehr wichtiges Verkaufsargument», sagt er. In diesem Kontext sei auch die enge Zusammenarbeit mit der Firma Schmid AG im thurgauischen Eschlikon – einem der grössten Holzenergiespezialisten – zu sehen.

Die Mehrzahl der verkauften Feinstaubfilteranlagen werden in Schmid-Holzfeuerungen eingebaut und dann beim Kunden montiert. Meister: «Die Zusammenarbeit ist eine Win-win-Situation. Die Firma Schmid kann Feuerungsanlagen inklusive Meister-Feinstaubfilter komplett als hochwertiges Schweizer Produkt anbieten.»