Die rechtsgültige Ortsplanung der Gemeinde Hägendorf stammt von 2003. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision hat sich die Projektgruppe Räumliches Leitbild Hägendorf mit der Entwicklung der Gemeinde befasst, Zukunftsvisionen für die nächsten 20 Jahre entwickelt und das Ganze als Leitsätze in einen Räumlichen Leitbild zusammengefasst.

An der Informationsveranstaltung vom Dienstag stellten die Behördenverantwortlichen und die Vertreter des zuständigen Planungsbüros BSB + Partner (Oensingen) der Bevölkerung den Leitbildentwurf vor.

Projektgruppenvertreter Heiner Roschi informierte die rund 40 Anwesenden über die wichtigsten Eckpfeiler. So soll beispielsweise die Ausnützungsziffer in der Gemeinde abgeschafft und dafür «auf dem gleichen Grundstück mehr Fläche bebaut werden». Dafür ist eine Erweiterung des Siedlungsgebiets vorgesehen. «Im Moment ist es schwierig, das Baugebiet zu erweitern.»

Als «grossen Punkt» bezeichnete Roschi die Projekterweiterung «ERO plus». «Wir haben ein Interesse an ihrer Realisierung, doch wir machen uns keine grossen Hoffnungen, das diesbezüglich bis 2020 etwas passiert.»

Kommission und Raum für Jugend

BSB-Planer Tobias Stüdi präsentierte den Anwesenden den Leitbildentwurf. Die Behördenverantwortlichen stellen sich die Gemeinde Hägendorf im Dorfkern entlang der ursprünglichen Hauptachse in Nord-Süd-Ausrichtung als «Lebensmittel- punkt seiner Einwohnerinnen und Einwohner» vor, als «attraktiven Wohnort mit einem reichhaltigen Dorfleben», als «lebendiges Dorf mit abwechslungsreicher Naherholung und gleichzeitig ein dynamischer, wertschöpfungsstarker Arbeitsort».

Durch ein noch zu prüfendes Temporegime und weitere verkehrsberuhigende Massnahmen soll die Hauptstrasse «wieder zu einer Lebensader mit Aufenthaltsqualität» werden. Zudem will man Raumgefüge, Platzgestaltung und Sichtbeziehungen rund um die Kirche im Oberdorf bewahren und mit Fuss- und Radwegen die Schulwegsicherheit erhöhen.

Durch eine Flexibilisierung der Baubestimmungen will man die Wohngebiete an der Hanglage «fit» für generationenübergreifendes Wohnen machen. Angestrebt wird ein kontinuierliches Wachstum von jährlich 40 bis 45 Personen, das in erster Linie innerhalb der heutigen Bauzone platziert werden soll. Geplant ist zudem, im Rahmen der nächsten Ortsplanungsrevision eine Gestaltungsplanpflicht für empfindliche und exponierte Gebiete zu prüfen. Auch im Bereich Jugend ist Einiges geplant: So soll in naher Zukunft eine Jugendkommission gegründet und ein Jugendraum-Projekt lanciert werden. Ebenfalls will man Standorte für neue Spielplätze oder Parkanlagen beziehungsweise deren eventuelle Umgestaltung oder Umnutzung prüfen.

Im Bereich «Wirtschaft und Standort» soll in Hägendorf in den kommenden 20 Jahren die Steuerpolitik im Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen der Wirtschaft und denjenigen der öffentlichen Hand stehen. Dafür sollen «ein attraktiver Steuerfuss» und «eine in der Regel ausgeglichene Rechnung» sorgen. Bezüglich Verkehr wollen die Gemeindeverantwortlichen künftig darauf achten, dass «die hervorragende Erreichbarkeit von Hägendorf erhalten bleibt». Als langfristige Massnahmen haben sie sich deshalb «den Erhalt der bestehenden Buslinie Allerheiligenberg» vorgenommen. Mittelfristig soll die «kombinierte Mobilität durch ein attraktives Angebot an Parkplätzen für Autos und Abstellplätzen für Fahrräder gefördert» werden. Bereits kurzfristig soll eine «Überprüfung der Schulwegsicherheit und gegebenenfalls die Umsetzung von Massnahmen» stattfinden.

Die Behördenverantwortlichen wollen sich im Weiteren für die «Förderung der regionalen Zusammenarbeit zur Realisierung der Umfahrung ERO Plus» einsetzen. Während man kurzfristig das Temporegime im Siedlungsgebiet überprüfen und den Verkehr im Bereich der Schulhäuser beruhigen will, soll zur Entlastung des Gebiets Rolli als mittelfristige Massnahme das Projekt Halbrütiacker realisiert werden.

Auch im Bereich «Umwelt und Energie» will man kurzfristige Massnahmen realisieren. Dazu gehören die Überarbeitung und Umsetzung einer Abfallstrategie sowie eines Annahmestellenkonzepts. Im Raum stünde hierbei eine Erweiterung der Annahmestellen für Altglas, Aluminium und dergleichen.

Mitwirkung bis Ende März

Nach Vorstellung des Leitbildentwurfs diskutierten die Hägendörferinnen und Hägendörfer mit den Behördenvertretern und den Planern des Büros BSB darüber. Wichtigste Anliegen waren die Lösung des Parkierproblems um den Bahnhof herum, die Weiterführung der ERO nach Hägendorf mit Verlauf der Dünnern entlang und ein erhöhter Lärmschutz in den Quartieren um die Bahnlinie herum. Ebenfalls erwähnt wurde eine Zusammenfassung der Baukonferenzen vom November 2013. Sie enthält Bauvorschriften, die sonst in keinem Regelwerk festgehalten sind. Aus der Bevölkerung kam nun der Wunsch, diese Vorschriften in das Zonenreglement aufzunehmen.

Nach Angaben von Tobias Stüdi ist der Richtplan zur Ortsplanungsrevision im Moment zur Prüfung beim Kanton. Das räumliche Leitbild soll nun vom Kanton geprüft und der Hägendörfer Bevölkerung im nächsten Herbst an einer Gemeindeversammlung zur Genehmigung vorgelegt werden. Bis Ende März hat sie aber noch die Gelegenheit, dazu schriftlich Stellung zu nehmen. Leitbild und ein Fragebogen dazu sind im Internet unter www.haegendorf.ch aufgeschaltet.