Härkingen
Erkrankte Lehrerin, aber kein Ersatz? Schulleitung setzt im Unterricht auf Laien

Für eine erkrankte Lehrerin springen an der Primarschule in Härkingen zwei Mitglieder der Fachkommission Schule ein. Drei Wochen lang werden die beiden Kommisionsmitglieder den Lehrkräften als Aufsicht zur Seite stehen.

Erwin von Arb
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Die Primarschule in Härkingen musste für drei Wochen eine Übergangslösung auf die Beine stellen, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die Primarschule in Härkingen musste für drei Wochen eine Übergangslösung auf die Beine stellen, um den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

HR.Aeschbacher

Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen. Diesen Leitsatz machte sich die Primarschule Härkingen zu eigen, als Mitte März eine Lehrkraft krankheitshalber ausfiel. Schulleiter Remo Eckert informierte die Eltern umgehend darüber, dass kurzfristig kein Ersatz für diese Lehrperson gefunden werden könne.

Deshalb habe man sich für eine interne Übergangslösung entschieden. Diese sieht vor, dass André Grolimund und Yvette Portmann die Lehrerschaft während dreier Wochen jeweils am Dienstag- und Donnerstag unterstützen, um die im Schulbetrieb entstandene Lücke bis zum Beginn der Frühlingsferien zu stopfen. Für die Zeit danach bis zu den Sommerferien konnte eine ausgebildete Stellvertretung gefunden werden.

Nicht als Lehrer im Einsatz

Das Spezielle an dieser Lösung: André Grolimund ist Gemeinderat und dort zuständig für die Fachkommission Schule und Jugend. Ebenfalls Einsitz in dieser Kommission hat Yvette Portmann. Ihm sei bewusst, dass er und Yvette Portmann keine ausgebildeten Lehrer seien, bemerkt Grolimund. «Wir machen auch nur das, was wir wirklich können, geben also nicht Unterricht, sondern assistieren primär den Lehrkräften und betreuen die Kinder.»

Von Vorteil sei dabei sicher, dass er und Yvette Portmann über gewisse Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verfügten. Grolimund erwähnt insbesondere den Ferienpass oder «schweiz.bewegt» sowie seine ehemalige Tätigkeit in Juniorenbereich beim FC Härkingen.

Und was sagt das Volksschulamt als kantonale Aufsichtsbehörde zu einer solch unkonventionellen Problemlösung. Es sei nichts dagegen einzuwenden, einen personellen Engpass auf diese Weise kurzfristig zu überbrücken, erklärt Daniel Eggimann auf Anfrage. Solche Fälle kämen sehr selten vor und wenn, dann liege es in der Kompetenz der Schulleitung, adäquate Lösungen zu suchen.

Er wisse von einem Fall, bei dem ein Werklehrer ausgefallen sei. Eingesprungen sei dann der Schulhausabwart, der als gelernter Schreiner diese Lücke bestens habe ausfüllen können. Das Volksschulamt sei erst dann zuständig, wenn eine solche Stellvertretung von nicht ausgebildeten Lehrkräften über längere Zeit andauere. Das sei aber in Härkingen nicht der Fall. «Wir haben Kenntnis von der Situation und sind der Auffassung, dass die Schulleitung eine gute Lösung gefunden hat.»

Alle Möglichkeiten ausgeschöpft

Kurzfristig sei keine andere Lösung möglich gewesen, sagt Schulleiter Remo Eckert. «Wir haben schon Wochen vor der nicht ganz unerwartet eingetroffenen Krankmeldung dieser Lehrperson nach einer Stellvertretung Ausschau gehalten.» Dabei seien nicht nur konventionelle Wege beschritten worden.

Das Stelleninserat habe man auch allen pädagogischen Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten der erweiterten Region zukommen lassen. Auch die RAV in der Region sowie zahlreiche pensionierte Lehrer seien kontaktiert worden. Allerdings ohne Erfolg, wie Eckert erwähnt.

Statt auf oft nicht grundlos arbeitslose Lehrkräfte oder Studierende ohne Erfahrung mit Kindern zurückzugreifen, habe er als Schulleiter in Absprache mit der Gemeinde dieser Lösung den Vorzug gegeben, so Eckert. Dafür gesprochen habe, dass Grolimund und Portmann in Vereinen und im Dorf über langjährige Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit verfügten.

Trotzdem sei darauf geachtet worden, dass die zwei Mitglieder der Fachkommision Schule ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden. Die Honorierung erfolgt in Anlehnung an die Lohnklassenabstufung bei Lehrkräften auf der tiefst möglichen Stufe 9. Dies würde bei einem 100-Prozent-Pensum inklusive 13. Gehalt einem Jahreslohn von rund 52 000 Franken entsprechen.

An zwei halben Tagen im Einsatz

Lücken gefüllt werden müssen im Schulbetrieb jeweils am Dienstag- und Donnerstag. Am Dienstag steht für die gemischte 4. und 5. Klasse das Fach Werken auf dem Programm. Hier wird den Lehrkräften André Grolimund als Assistent zur Seite gestellt. Jeweils am Donnerstagmorgen erledigen die Schüler der 5. Klasse unter Grolimunds Aufsicht Arbeiten in Deutsch und Mathematik, während die 4. Klasse hauptsächlich im Fremdsprachenunterricht weilt. Vorbereitet wird dieser Unterrichtsstoff jeweils von einer Lehrkraft. Ebenfalls am Donnerstag wird der Turnunterricht von Grolimund geleitet.

Yvette Portmann wird jeweils am Dienstagnachmittag im Unterricht als Assistentin der verantwortlichen Förderlehrperson eingesetzt. Portmann überwacht am Donnerstag zudem den ebenfalls von einer Lehrperson vorbereiteten Sachunterricht oder gibt Turnunterricht.
Erfolgreich angelaufen

Letzte Woche wurde das erwähnte Programm mit den beiden «Aushilfen» erstmals erfolgreich absolviert. «Wir hatten bisher keine negativen Rückmeldungen zur Tätigkeit der beiden», sagt Eckert. Deshalb sei er auch optimistisch, dass mit dieser etwas ungewöhnlichen Lösung der Schulbetrieb bis zum Beginn der Frühlingsferien in zwei Wochen überbrückt werden könne.
Erfreut auf die ersten Erfahrungen reagierte Gemeindepräsiden Daniel Nützi. Der Gemeinderat sei in jeder Phase informiert gewesen und stehe hinter dem Entscheid der Schulleitung.