Amtsgericht
Erbstreit in der Familie: Auch eine Menge Schwarzgeld kam zum Vorschein

Um das Erbe ihrer ältesten Tochter sicherzustellen, muss eine 88-jährige Frau aus dem Gäu 108'000 Franken auf ein Bankkonto einzahlen. Dies, nachdem sie das Haus, in dem sie als Nutzniesserin lebt, einer jüngeren Tochter weit unter Preis verkauft hatte.

Erwin von Arb
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Das Amtsgericht folgte dem Antrag der Klägerin zur Sicherstellung ihres Erbanteils in der Höhe von 108'000 Franken.

Das Amtsgericht folgte dem Antrag der Klägerin zur Sicherstellung ihres Erbanteils in der Höhe von 108'000 Franken.

KEYSTONE/GABRIELE PUTZU

Mit einem Erbstreit befassen musste sich diese Woche das Amtsgericht Thal-Gäu unter dem Vorsitz von Präsident Guido Walser. Als Klägerin trat bei diesem Zivilprozess Nora K * auf, die älteste von drei Schwestern.

Die 60-jährige Frau fühlt sich von ihren 57 und 55 Jahre alten Schwestern sowie von ihrer 88 Jahre alten Mutter hintergangen oder getäuscht in Bezug auf die Erbteilung. Diese wurde bereits vor 10 Jahren nach den Tod ihres Vaters vorgenommen. Der Erblasser hatte seiner hinterbliebenen Frau in seinem Testament das Haus samt Barvermögen im Betrag von 61'520 Franken zur lebenslangen Nutzniessung überlassen. Aufgrund dieser Situation habe seine Mandantin damals im Erbteilvertrag auf die Sicherstellung ihres Erbes verzichtet, wie der Anwalt der Klägerin vor Gericht ausführte.

Kleines Vermögen entdeckt

Misstrauisch sei seine Klientin erst in jüngster Vergangenheit geworden. Sie habe in Erfahrung bringen können, dass eine ihrer Schwestern die elterliche Liegenschaft erworben hatte. Erfahren habe sie zudem, dass die andere Schwester auf ihre Erbansprüche nach dem Tod der Mutter verzichte, so der Anwalt. Aufgrund dieser für sie neuen Erkenntnisse habe seine Mandantin die Bank der Familie kontaktiert. «Ich hätte mir gewünscht», dass mein Misstrauen unbegründet ist und keine nennenswerten Vermögenswerte mehr vorhanden sind», führte Nora K. dazu aus.

Das Gegenteil sei aber eingetreten: Zum Vorschein gekommen sei ein kleines Vermögen in der Höhe von 283 000 Franken, von dem sie nichts gewusst habe, wie Nora K. beteuerte. Der Anwalt der beklagten Mutter erklärte, dass es sich bei diesem Betrag um Schwarzgeld vom vor 25 Jahren verstorbenen Sohn handle. Der Vater habe dieses Geld in seiner Obhut gehabt. Davon hätten sämtliche Familienmitglieder gewusst, auch Nora K., so der Parteivertreter. Allerdings habe niemand gewusst, um wie viel Schwarzgeld es sich gehandelt habe.

Mit Darlehen der Mutter finanziert

Ebenfalls offengelegt wurde bei den Nachforschungen der im Kanton Luzern wohnhaften Klägerin, dass die im Gäu lebende Mutter das Haus einer ihrer Tochter zu einem Betrag von 120'000 Franken überlassen hatte. Der Anwalt von Nora K. betonte, dass dieser Verkauf massiv unter dem Verkehrswert erfolgt sei. Haus und Umschwung hätten offiziell einen Verkehrswert von 340'000 Franken. Dazu komme, so der Anwalt weiter, dass die Mutter den Kauf des Hauses an ihre Tochter mit der Gewährung eines Darlehens in der Höhe von 120 000 Franken auch gleich finanziert habe. Mit diesem so abgewickelten Verkauf der Liegenschaft sei das Vermögen der Mutter wesentlich geschmälert worden.

Mit Blick auf diese Vorgänge gewinne man den Eindruck, so der Anwalt von Nora K., dass die eine Tochter das Haus zu einem sehr günstigen Kaufpreis erwerben konnte, während die andere wohl das erwähnte Schwarzgeld bekommen sollte. Im Namen seiner Mandantin und Miteigentümerin des besagten Hauses stellte der Anwalt den Antrag zur Sicherstellung ihres Erbanteils in der Höhe von 108 000 Franken. Dieser Betrag sei bereits einmal bei einer Schlichtungsverhandlung von der Mutter als Nutzniesserin des Hauses und von den zwei Schwestern anerkannt worden. Ein Nachweis, dass die Rechte seiner Mandantin gefährdet seien, müsse nicht erbracht werden, weil es sich bei dieser Geldforderung um eine verbrauchbare Sache handle.

Der Anwalt der Mutter bestritt sämtliche Vorwürfe und verlangte eine Abweisung der geforderten Sicherstellung in der erwähnten Höhe. Eine solche sei auch nicht nötig, zumal die Mutter über ein beachtliches Barvermögen verfügte.

Gericht gibt Klägerin recht

Das Amtsgericht folgte nach der Beratung des Falls dem Antrag der Klägerin zur Sicherstellung ihres Erbanteils in der Höhe von 108'000 Franken. Von Gesetzeswegen ist der Eigentümer dazu befugt, vom Nutzniesser eine Sicherheit schon vor der Übergabe zu verlangen, wenn Geld Gegenstand der Nutzniessung bildet. Die 88-jährige Mutter wurde vom Gericht angewiesen, ein Konto mit Kollektivunterschrift von ihr und Nora K. einzurichten und auf dieses die erwähnten 108'000 Franken einzubezahlen.

Name von der Redaktion geändert

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