Mümliswil-Ramiswil
Er wird am «Eidgenössischen» über Sieg und Niederlage entscheiden

Am Eidgenössischen Schwingfest in Estavayer wird Manuel Thomann als Kampfrichter im Sägemehl stehen. Der 35-Jährige empfindet es als grosse Ehre und bezeichnet es als absoluten Höhepunkt, an diesem Anlass mitwirken zu können.

Monika Kammermann
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Manuel Thomann trägt schon mal seine Uniform für seinen Einsatz am Eidgenössischen Schwing-und Älplerfest probe.

Manuel Thomann trägt schon mal seine Uniform für seinen Einsatz am Eidgenössischen Schwing-und Älplerfest probe.

Bruno Kissling

«Ich war sehr glücklich, aber auch etwas überrascht», war Manuel Thomann, als er erfuhr, dass er am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Estavayer dabei sein wird. Er empfindet es als grosse Ehre und bezeichnet es als absoluten Höhepunkt, an diesem Anlass mitwirken zu können.

Wer als Richter gehen darf, entscheide die technische Kampfrichterkommission des nordwestschweizerischen Verbandes, der aus den Kantonen Solothurn, Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt besteht.

Der Entscheid kam deshalb so überraschend für den 35-Jährigen, da er erst seit 2012 als Richter fungiert. Normalerweise wähle man Erfahrenere. Doch mit dem Schwingervirus hat er sich bereits 1993 angesteckt, als in Mümliswil das nordwestschweizerische Schwingfest stattfand. Kurz darauf traf man Teenager Manuel Thomann, der in Ramiswil aufgewachsen ist, im Schwingklub in Mümliswil an.

Abschied auf Raten

«Als Jungschwinger war ich relativ erfolgreich, holte ich doch während dieser Zeit 26 Zweige», blickt der zweifache Familienvater zurück. Seine Karriere als aktiver Schwinger sei hingegen weniger siegreich gewesen: «Chancen hätte ich einige gehabt. Doch ich konnte sie nicht umsetzen.» Im Jahr 2010 ist der richtige Zeitpunkt für ihn gekommen, mit dem Schwingen aufzuhören.

Die Schwinger-Arena in Estavayer steht, die Sägemehlringe sind aufgeschüttet: Am Wochenende kann das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in der Romandie über die Bühne gehen.
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Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.
Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.
Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.
Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.
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Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.
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Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.
Impressionen von den Vorbereitungen zum Eidgenössischen in Estavayer.

Die Schwinger-Arena in Estavayer steht, die Sägemehlringe sind aufgeschüttet: Am Wochenende kann das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in der Romandie über die Bühne gehen.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Doch Thomann wusste schon vorher, dass er diesem Sport nicht endgültig den Rücken kehren und als Kampfrichter wieder im Sägemehl stehen wird; hier ist ihm nun bereits der grosse Coup gelungen.

Die Kampfrichterausbildung besteht aus einem mehrstündigen Kurs, der einmal jährlich wiederholt werden muss. «Ich sehe es als Vorteil, dass ich selber mal Schwinger war», findet Thomann. Denn dadurch kenne er die einzelnen Schwungarten und deren Abläufe sehr genau.

Rau, aber dennoch friedlich

Obwohl er nicht mehr aktiv schwingt, ist sein Wettkampfgeist noch da und das scheint für ihn die grösste Motivation zu sein. «Es ist vor allem spannend, wenn viel auf dem Spiel steht», strahlt der gelernte Maurer. Was ihn am Schwingen noch heute fasziniert, sind die Tradition und der Zweikampf – Mann gegen Mann.

Obwohl Schwingen, wie Thomann es beschreibt ein «ruucher Sport» ist, geht es sehr friedlich und respektvoll zu. «Kameradschaft wird hier grossgeschrieben», schwärmt er. Das zeigt sich dadurch, dass man sich vor dem Kampf die Hände reicht und danach der Sieger dem Verlierer den Rücken putzt. Dies dürfte auch einer der Gründe sein, dass der Schwingsport immer bekannter und beliebter wird.

Vorbereiten im Vorfeld werde er sich nicht besonders. Am Freitagnachmittag findet die Kampfrichtersitzung statt. Thomann vermutet, dass er spätestens dann die Anspannung verspüren wird.

Gürtel enger schnallen

Die Kämpfe werden von insgesamt drei Richtern begleitet: Zwei befinden sich am Tisch neben dem Sägemehl, der Dritte steht im Ring. Dieser leitet den Wettkampf und entscheidet über Sieg oder Niederlage. Die Schwinger zu ermahnen, die Hose enger zu schnallen, gehört ebenso dazu. Die Maximalnote von zehn Punkten erhält man nur, wenn dem Schwinger ein Plattwurf gelingt.

Das heisst der Unterlegene fällt ohne Unterbruch mit beiden Schultern beziehungsweise Rücken ins Sägemehl. Kommt er erst auf der Seite zu liegen oder es muss «nachgedrückt» werden, gibt es Abzug. Das ist Sache der Richter: Jener im Ring macht den Vorschlag, zu dritt wird über die Schlussnote entschieden.

Am Samstag wird am ESAF die ersten vier Gänge stattfinden. Danach müssen die Schwinger eine bestimmte Mindestpunktzahl aufweisen, damit sie am Sonntag starten dürfen. Nach dem sechsten Gang werden ebenfalls nur jene Schwinger weiterkommen, welche genügend Punkte haben. Insgesamt werden maximal acht Gänge geschwungen, die beiden Punkthöchsten nach dem siebten Gang treten im sogenannten Schlussgang gegeneinander an.