Balsthal

Er lotet die Wandelbarkeit der Malerei aus

Adrien Jutard in der Galerie Rössli Balsthal.

Adrien Jutard in der Galerie Rössli Balsthal.

In der Galerie Rössli sind neue Arbeiten des gebürtigen französischen Künstlers Adrien Jutard zu sehen.

Es hat sich etwas getan im Schaffen von Adrien Jutard seit 2012. Damals stellte der 1979 in Bourbon L’Archambault (F) geborene und seit einigen Jahren in Dornach lebende Künstler erstmals in der Galerie Rössli aus. Und doch ist er sich treu geblieben.

Adrien Jutard – er besuchte die Kunstschule in Strassburg und die Malschule Assenza in Münchenstein – ist und bleibt trotz aller freiheitlicher Begrifflichkeit seiner Inhalte eigentlich ein klassischer Maler. Ein Maler, der seiner eigenen Ästhetik und seinen bildnerischen Absichten konsequent folgt. Nicht der inhaltliche Gegenstand ist wichtig, sondern der malerische Moment, die Geste, die Farben, die prozesshafte Auseinandersetzung mit den Materialien, die zum inhaltlichen Geschehen als inspirierende Assoziationsfelder beitragen. Die Grenzen von bewusster Bildgestaltung und dem Zufälligen sind dabei fliessend.

Schon im ersten Raum lotet Adrien Jutard in klassischer Manier und farblicher Reduktion auf ausschliesslich dunkle und helle, graue Nuancierungen die Wandelbarkeit der Malerei allein mit dem Hell-Dunkel-Kontrast aus. Diese halb steinern, halb körperlich wirkenden Ur-Artefakte in Ölfarbe auf lackierten Aluminiumplatten offenbaren auf unprätentiöse Weise die wechselreiche plastische Variabilität einer einzigen Form – den «Limus paradisi» –, als raffiniert modellierte Variationen eines Themas: 40 Tage lang entstand jeden Tag ein Bild, einem Tagebuch gleich. Vor allem aber, vertieft man sich ein wenig in das künstlerische Schaffen Adrien Jutards, so öffnen sich die Arbeiten einer universellen nonkonformen Betrachtung.

Insbesondere bei den Arbeiten im zweiten Raum bleibt es den Betrachtenden frei, sich auf die malerische Komposition heterogener Formen zu konzentrieren oder im vermeintlich nonfigurativen, eigene Geschichten zu lesen: kraftvolle, vielschichtige und vielgestaltige, farb- wie lackglänzende Arbeiten oder zeichenhafte Mutmassungen. In Mischtechnik und verschiedenen Prozessschritten, mit Pigmenten in Lösungsmitteln, Lacken in diversen Entwicklungsphasen, schichtet Adrien Jutard teils frühere Inhalte und aktualisierte malerische Eingriffe, transformiert figurativ Mögliches und informelle Zeichen zu bewegten Spannungsfeldern unterschiedlicher Oberflächen und formaler Farbbewegungen, denen eine gewisse malerische Eigendynamik nicht abzusprechen ist.

Die Arbeiten im Kellergewölbe vereinen zeichnerische und malerische Gesten, lassen in den Schwarz-Weiss-Graukontrasten, die lichten gelben Lacktafeln vorgebaut sind, Tektonisches entdecken, eine mystische naturhafte Kulisse oder einfach vielfältig verwobene und komponierte Phänomene. Letztendlich wirkt über allem stets die freie künstlerische Vision, mit Farbe und Malerei das Wesenhafte verschiedener Sichtweisen darzustellen.

Die Ausstellung dauert bis zum 7. Juli. Öffnungszeiten: Do/Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1