Oensingen
Er lebt mit 27 bereits von der Politik

Dem Oensinger Betriebswirtschafter Fabian Gloor (CVP) käme im Kantonsrat die Finanzkommission gelegen.

Isabel Hempen
Merken
Drucken
Teilen
Fabian Gloor investiert sein Herzblut ins Dorf und die Region.

Fabian Gloor investiert sein Herzblut ins Dorf und die Region.

Bruno Kissling

Wo Fabian Gloor draufsteht, steckt Oensingen drin. Der 27-Jährige ist vor einer Woche mit einem Spitzenresultat von 72,2 Prozent Wähleranteil zum Gemeindepräsidenten von Oensingen gewählt worden. Auch seinen Einzug in den Kantonsrat verdankt er nicht zuletzt den guten Werten in Oensingen. Was Wunder, schlägt er als Gesprächsort den Sitzungssaal des Oensinger Gemeinderats vor. Oensingen: Ohne geht es bei Gloor nicht.

Die Gemeinde im Gäu ist Gloors Heimat und sein Lebensmittelpunkt. Er schätzt das ländliche Leben, denn Engagement und Initiative würden im Dorf grossgeschrieben. Hier kennt er die Leute und sie kennen ihn. Ihre Wertschätzung haben sie ihm eben in Form der beiden neuen Mandate ausgedrückt. Denn ungeachtet seiner jungen Jahre überzeugt Gloor die Wähler offensichtlich. Sein Einsatz: für Oensingen und die Region. Sein Auftreten im weissen Hemd, anthrazitfarbenen Anzug, ein Pin des Oensinger Wappens am Revers: professionell. Seine Ausdrucksweise: ebenso. «Herr Gloor, jetzt lassen Sie den politischen Jargon doch mal», bittet man ihn. Er fällt kurz aus der Rolle, lacht ein jugendlich frisches Lachen. Er ist Vollblutpolitiker, aber am Boden geblieben: seriös, aber nicht unnahbar.

Fabian Gloor

Alter: 27
Aufgewachsen: in Oensingen in einem parteipolitisch neutralen Haushalt
Zivilstand: ledig, in einer Beziehung
Beruf: Betriebsökonom, Geschäftsführer CVP Basel-Stadt
Politische Tätigkeiten: Gemeinderat Oensingen, Präsident CVP Thal-Gäu, Vorstand CVP Solothurn
Ehrenamtliche Tätigkeiten: Mitinitiant KulturGäu, Freunde Schloss Neu-Bechburg, Rotaract Solothurn, Revisor bei zahlreichen Vereinen
Hobbys: Unihockey, Squash, Wandern, Lesen, Reisen

Gloor nennt sich selbst ein Animal politique: Seit 2011 sitzt er für die CVP im Oensinger Gemeinderat, seit 2016 ist er beruflich als Geschäftsführer der CVP Basel-Stadt tätig. Neu kommen seine Ämter als Gemeindepräsident und im Kantonsrat hinzu. Und doch sagt er: «Ich könnte mir vorstellen, auch einmal etwas ganz anderes zu machen.» Zumindest strebe er nicht an, die nächsten dreissig Jahre Gemeindepräsident zu bleiben. Hier und jetzt aber macht er Politik. Er wähnt sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Parteipolitisch sei er neutral aufgewachsen, erzählt Gloor. Er habe sich aber immer für Politik interessiert. Der studierte Betriebsökonom arbeitete über zehn Jahre im Bankwesen. «Ich wollte dann andere Bereiche sehen, Politik von innen», erklärt er. Ehrgeiz, Neugier und Durchsetzungsvermögen seien ihm behilflich gewesen dabei. Er glaubt, dass das politische Geschehen nicht isoliert betrachtet werden dürfe. «Man muss das grosse Ganze im Auge behalten.»

An der CVP hätten in die Persönlichkeiten überzeugt, sagt Gloor. Und deren Wertekanon: Verantwortung, Solidarität, die Schwächeren der Gesellschaft mittragen. Der christliche Glaube selbst habe für ihn keinen überragenden Stellenwert. «Es gibt Leute, die sind religiöser als ich», gibt er lächelnd zu. Er propagiert eine «Politik der Vernunft», die sich um die Sache dreht. Er habe Freude am Gestalten. «Das macht es erst interessant», weiss er.

Im Gemeinderat hatte er sechs Jahre lang das Ressort Finanzen unter sich. Zusammen mit dem Gemeinderat habe er diese stabilisieren und die Finanzplanung professionalisieren können. Ausserdem habe er sich im Ressort Kultur stark engagiert, etwa das Projekt KulturGäu mitinitiiert und das neue Reglement, welches die Jugendarbeit in den Vereinen stärker fördert, massgeblich mitgeprägt.

Im Kantonsrat würde Gloor ebenso die Finanzkommission wählen. Er könne sich aber durchaus auch eine andere Aufgabe vorstellen, sagt er. Auch auf kantonaler Ebene wolle er die Interessen von Oensingen und der Amtei vertreten. So müsse etwa die Entlastungsstrasse für Oensingen realisiert werden, die schon lange im Gespräch sei. Ausserdem sollten Unternehmen und Arbeitsplätze angezogen werden, um weiterhin eine attraktive Wirtschaftsregion zu bleiben.

Das Gemeindepräsidium, das er demnächst antreten wird, nennt Gloor «lebensverändernd». Seine Stelle bei der CVP Basel-Stadt hat er entsprechend gekündet. Das vergangene halbe Jahr war für Gloor intensiv, und er weiss: Auch die kommenden Jahre werden arbeitsreich. Er nimmt sich deshalb kleine Auszeiten: beim Znacht mit der Freundin, beim Unihockey, oder am Wochenende, wo er das Handy auch mal ignoriert.