Vor fünfzig Jahren, am 1. Oktober war es, als Franz Kissling seinen Dienst als Sakristan in der katholischen Kirche in Oensingen antrat. «Es war wie ein Wink des Himmels», sagt der gebürtige Rickenbacher, dass er dieses Amt übernahm.

Denn viele Begebenheiten führten auf diesen Weg. Zum Beispiel setzte der damalige Oensinger Pfarrer Urs Huber ziemlich viele Hebel in Bewegung, um den jungen, handwerklich geschickten Berufsmann nach Oensingen zu holen.

«Der Pfarrer war uns sogar bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung behilflich», erinnert sich Franz Kissling (79) gerne zurück. Damals war es nicht einfach, Mietwohnungen zu finden, gut bezahlte Stellen waren ebenso rar.

Jahre in Madagaskar

Die Sakristanstelle in Oensingen bedeutete für den damals 25-Jährigen ein Nach-Hause-Kommen und ein etwas ruhigeres Leben führen. Er war nämlich knapp fünf Jahre zuvor, jung verheiratet nach Madagaskar gereist – drei Wochen Schiffsreise damals – um in der Stadt Ankazoabo als Laienhelfer einer Missionsgesellschaft eine Kirche zu bauen.

«Einer meiner Brüder ist noch heute als Missionar in Madagaskar tätig. Der jüngere Bruder kam als Maurer gleich auch mit und ich als gelernter Elektromonteur war damals der Schreiner».

Ehefrau Leonie, die er zuvor während eines kurzen Spitalaufenthaltes im Bürgerspital Solothurn kennen gelernt hatte, arbeitete als Schwesternhelferin in einer kleinen Ambulanzstation mit. Fliessendes Wasser, Strom – das alles bauten sie als Laienhelfer der Missionare auf.

«Bausteine holten unsere Helfer auf den Feldern. Es war alles sehr primitiv, aber es funktionierte trotzdem», erinnert sich Kissling gerne.

Nach knapp fünf Jahren, beschloss dann aber die inzwischen vier-, bald fünfköpfige Familie in die Schweiz zurückzukehren, Und seither ist nicht nur Franz Kissling, sondern auch seine Frau Leonie der Katholischen Kirchgemeinde Oensingen treu.

«Es muss einem etwas bedeuten»

«Sakristan wird man, weil einem die Religion und der Herrgott etwas bedeuten», sagt das Ehepaar übereinstimmend. Doch sei es – früher besonders – schon streng gewesen, beispielsweise an einem Sonntag für drei Messen parat zu sein.

«Wir sind eben noch sehr katholisch erzogen worden. Im Glauben finden wir auch Hilfe und Kraft», sagt das die beiden.

Bisher hat das Ehepaar unter fünf Pfarrherren, respektive Gemeindeleitern seinen Dienst absolviert. Leonie hat lange Jahre bei der Krankenkommnunion mitgeholfen. Nun hat sie sich entschlossen, etwas kürzerzutreten. Doch Franz ist immer noch voller Elan in und rund um die Kirche engagiert.

«Sakristan-Sein ist mehr, als Kerzen anzuzünden», meint er zu einem gängigen Vorurteil. Er ist auch zuständig für, den Blumenschmuck in der Kirche, dass Wein und Kerzen besorgt werden, dass die Glocken zur richtigen Zeit läuten, dass bei Hochzeiten, Beerdigungen oder Taufen alles am richtigen Ort ist.

Engagiert in allen Gremien

Franz Kissling ist zudem seit 44 Jahren Sänger im Oensinger Kirchenchor, seit 1971 im Pfarreirat tätig und gründete vor 22 Jahren die Liturgiegruppe. Engagiert hat er sich auch jahrelang im Schweizerischen Sakristan-Verband und auch im kantonalen Gremium.

Die Gemeinde Oensingen, die ja stets an Bewohnern zunimmt, kann keinen grossen Zuwachs in den katholischen Gottesdiensten verzeichnen. Etwas, was Pfarreirat Kissling auch beschäftigt. «Wir müssen uns in Zukunft auf die Bildung eines Pastoralraumes einstellen», sagt er.

«Heute kann ich glücklicherweise auf zwei Hilfssakristane zählen, die mich bei Ferien oder an freien Tagen zuverlässig unterstützen», sagt Kissling zufrieden. «Denn das ist eine der wichtigsten Eigenschaft, die ein Sakristan oder Sigristmitbringen muss: Zuverlässigkeit.»