Seit Anfang August steht Oensingen unter neuer Führung. Dies in der Person von Fabian Gloor, dem mit 28 Jahren jüngsten Gemeindepräsident in der Geschichte der Gemeinde. Grund genug nachzufragen, wie er die ersten 100 Tage im Amt erlebt hat. «Ich hatte mit der damals laufenden SRF-Sendung ‹Im Schatten der Burg – Leben vor 500 Jahren› beim Schloss Neu-Bechburg einen Traumstart, Oensingen konnte sich von seiner besten Seite zeigen», bemerkt Gloor. Nach seinem Amtsantritt habe er versucht, sich rasch einen Überblick zu verschaffen. Dies auch in enger Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger Markus Flury, der ihn bei Fragen tatkräftig unterstützt habe. Zu seinen ersten Tätigkeiten habe unter anderem auch ein Besuch bei den Angestellten der Gemeinde gehört, um diese kennenzulernen und ihnen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

Gut angelaufen sei die Zusammenarbeit mit dem neuen Gemeinderat, findet Gloor. «Meine Ratskolleginnen und -kollegen leisten gute Arbeit und nehmen sie sehr ernst.» Auf die Frage nach seiner bisher grössten Herausforderung als Gemeindepräsident erwähnt Gloor die Summe der aktuellen Projekte. «Man bekommt den Eindruck, als würden wöchentlich neue dazu kommen, mit denen sich die Gemeinde neben ihren eigenen Projekten wie etwa dem Schulhausneubau oder den Strassenbauten befassen muss», so Gloor.

So viele Termine wie möglich

Wie viele Stunden er pro Woche auf der Gemeindeverwaltung verbringe, habe er sich bewusst nicht beschäftigt, sagt Gloor. Kumuliert auf einen Monat werde das 70-Prozent-Pensum für das Gemeindepräsidium sicher überschritten. Dessen sei er sich vor seinem Amtsantritt bewusst gewesen. Derzeit beginnt Gloor seinen Arbeitstag um 7 Uhr morgens mit der Sichtung der E-Mails und der Erledigung des Schriftverkehrs, bevor die ersten Sitzungen anstehen, gefolgt von oft bis in Abendstunden dauernde Tätigkeiten. «Ich versuche möglichst viele Termine mit ortsansässigen Unternehmen, Organisationen, Verbänden, kantonalen Stellen oder Regierungsräten wahrzunehmen.» Diese Kontakte seien wichtig und könnten hilfreich sein, um bei künftigen Projekten die Position der Gemeinde einzubringen oder diese wenn nötig in die richtigen Bahnen zu lenken.

Eine wichtige Stütze bei seiner Tätigkeit als Gemeindepräsident ist für Fabian Gloor die Gemeindeverwaltung, die ebenfalls seit 100 Tagen unter neuer Leitung steht. Die Zusammenarbeit mit Silvia Jäger als neue Leiterin Verwaltung sei hervorragend, bemerkt Gloor. Sie habe es mit ihrer kompetenten Arbeit geschafft, seine anfängliche Unsicherheit wegen der gleichzeitigen Neubesetzung der zwei Schlüsselstellen Gemeindepräsidium und Leitung Verwaltung zu zerstreuen. Inzwischen seien sie zu einem guten Team zusammengewachsen, das sich gegenseitig ergänze.

Walliser Dialekt kein Problem

Das sieht auch die 40-jährige Leiterin Verwaltung so. Sie habe sich seit dem Antritt der Stelle am 1. August in Oensingen gut eingelebt, obwohl dies für sie auch grosse Veränderungen zur Folge gehabt habe. «Für mich war alles neu – der Dialekt, die Region und auch das Computerprogramm», sagt die gebürtige Walliserin. Bei der Kommunikation gegen aussen oder mit den rund 50 ihr unterstellten Gemeindeangestellten habe sie mit ihrem ausgeprägten Walliserdeutsch nur selten Probleme. Keine Schwierigkeiten bereitet Jäger das jugendliche Alter ihres Vorgesetzten Fabian Gloor. Der Umgang mit ihm sei professionell und von Vertrauen geprägt. Ihrer weiteren Zukunft sieht Jäger guten Mutes entgegen. Sie sei sich bewusst, dass sie noch eine gewisse Zeit brauche, um das für diese Stelle wichtige Netzwerk zu schaffen und um ihr Wissen zu erweitern. Unterstützt wird sie dabei von Fabian Gloor, der dank seiner vorgängigen Tätigkeit als Gemeinderat schon über Erfahrung in Gemeindegeschäften verfügt.

Die von ihm für die ersten 100 Tage gesteckten Ziele seien erreicht worden, sagt Gloor. Nun gehe es darum, die Gemeinde in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Vordringlich sei eine Verbesserung der Verkehrssituation im Dorf, welche durch den stetig zunehmenden Verkehr für die Bevölkerung immer mehr zur Belastung werde. Hoffnungen setzt Gloor dabei besonders auf die in Zusammenarbeit mit dem Kanton angedachten Entlastungsmassnahmen, die parallel zum Ausbau der Autobahn A1 auf sechs Spuren realisiert werden sollen. Eine erste kleine Entlastung erwartet Gloor auch vom jüngst vorgestellten Projekt Verkehrsanbindung Thal. Als weitere Ziele erwähnt Gloor die Stabilisierung des Finanzhaushaltes, um einer allfälligen Steuererhöhung entgegenzuwirken, sowie die Sicherstellung von Oensingen als hochwertigen Schulstandort. Nicht zuoberst steht für ihn das weitere Wachstum der aktuell 6418 Personen zählenden Bevölkerung. Und wenn, dann werde ein qualitativ hohes Wachstum angestrebt. Erstrebenswert sei eher, die Identität der Gemeinde zu stärken, damit sich die Leute vermehrt für das Dorf interessierten und untereinander eine Verbundenheit verspürten.

«Arbeit macht mir Spass»

Gloor hat noch keinen Moment bereut, Gemeindepräsident von Oensingen zu sein, wie er versichert. Er sei sich bewusst, dass er in vier Jahren daran gemessen werde, was er als Gemeindeoberhaupt geleistet habe. Er werde sein Bestes geben, verspricht Gloor. «Die Arbeit macht mir Spass und ich freue mich auf die kommenden Herausforderungen», meint er voller Tatendrang.