René Bobst

Er ist die Lokomotive der Oensinger Judokas

René Bobst steht im Dojo in Oensingen pro Woche während neun Stunden als Trainer auf der Matte.

René Bobst steht im Dojo in Oensingen pro Woche während neun Stunden als Trainer auf der Matte.

René Bobst war 1994 ein Gründungsmitglied des Judo-Kwais Oensingen und 16 Jahre lang Präsident des Klubs.

16 Jahre lang war René Bobst Präsident des Judo-Kwais Oensingen (JKO). Bis vor zwei Wochen, als der bald 50-Jährige an der Generalversammlung zurücktrat. Bobsts Nachfolger heisst Roger Bloch. Dessen erste Amtshandlung: Er machte seinen Vorgänger zum Ehrenmitlied des Klubs. «René Bobst hat in über zwanzig Jahren nie gezögert, die Interessen des Vereins zu vertreten und sich für den Judosport einzusetzen», dies die Worte des neuen Präsidenten.

«Der Judo-Kwai Oensingen verdankt René die Existenz, weshalb der Titel Ehrenmitglied mehr als angebracht ist.» Trotz seiner Demission wird René Bobst den Oensinger Judokas natürlich erhalten bleiben. Schliesslich bezeichnet er sich selbst als die «Lokomotive des Klubs». Bobst bleibt technischer Leiter beim JKO und will sich in den nächsten Jahren noch intensiver «um die ambitionierten Spitzensportler kümmern und den Leistungssport fördern».

Vom Schulhausplatz ins Dojo

Bobst ist mittlerweile schon fast vierzig Jahre im Judosport aktiv. Im Alter von elf Jahren besuchte er 1977 erstmals ein Training. Wieso Judo? «Ich war nicht gerade der grösste Apparat und wurde deshalb auf dem Schulhausplatz auch mal etwas geplagt», begründet er. Schliesslich waren es seine Eltern, die ihm rieten: «So, jetzt gehst du ins Judo.» Bis er vom Kampfsport gepackt wurde, dauerte es aber eine Weile. Erst nach zwei Jahren habe es ihn so richtig reingezogen: «Plötzlich machte es Klick und das Wettkampffieber hatte mich gepackt. Ab diesem Moment gab ich Vollgas, wollte so viel erreichen wie möglich.»

Seine Aktivkarriere nahm aber schon früh ein jähes Ende. Bobst war kaum älter als zwanzig, als er sein Knie demolierte. «Natürlich nicht beim Judo, sondern beim Skifahren», betont er mit viel Galgenhumor. «Nach dem Unfall musste ich ein halbes Jahr pausieren. Die Ärzte sagten sogar, ich würde nie mehr kämpfen können.» So weit ist es trotz mittlerweile drei weiteren Operationen am gleichen Knie zum Glück nicht gekommen. Trotzdem musste Bobst früh umdenken: «Ich habe mich als Folge halt vermehrt auf die Aufgaben als Funktionär und Trainer fokussiert.»

Der Reisser René Bobst

Der Judo-Kwai Oensingen wurde 1994 ins Leben gerufen. Bobst war nicht nur eines der fünf Gründungsmitglieder, sondern der Hauptinitiator. «Ich war halt der Reisser, der alles angeteigt hat. Aber ich hatte natürlich immer sehr gute Helfer um mich herum.» Er erinnert sich noch gute an die Gründungsversammlung, welche in Härkingen im Restaurant «Zur Spanischen» über die Bühne ging. Der erste Präsident des JKO war Bobsts ehemaliger Trainer und Förderer, René Allemann. 1999 kam es dann zur Stabübergabe, das Präsidentenamt wechselte vom Trainer zum Schüler.

«Die Mitgliederzahlen stiegen schnell an», sagt Bobst zur Entwicklung des Klubs. «Wir kamen sehr rasch auf 70, 80 Mitglieder. Diese Zahl konnten wir bis heute halten.» Das Einzugsgebiet sei gross, so Bobst. «Im Moment kommen die meisten Schüler aus Niederbipp, gefolgt von den Oensingern.» Das aktuell grösste Aushängeschild des JKO ist Gisela Löffel. «Sie hat an Schweizer Meisterschaften bereits neun Medaillen geholt und ist damit sicher unser bestes Ross im Stall», scherzt Bobst. 

Es lief aber nicht immer rosig für den Verein. 2010 musste der Judo-Kwai sein Dojo, wie die Kampfstätte der Judokas genannt wird, in der Kreisschule Bechburg in Oensingen verlassen. Die Suche nach einem geeigneten Lokal gestaltete sich sehr schwierig. «Es gab zu diesem Zeitpunkt Überlegungen, den Verein aufzugeben», blickt Bobst zurück. Quasi in letzter Sekunde erhielt er vom Oensinger Gemeindepräsidenten den Tipp, dass die Halle an der Lehngasse 51 frei sei. Damit war das Überleben gesichert.

«Wenn ich es aufgrund des Lohns machen würde, müsste ich schon lange aufhören», stellt René Bobst die Freude am Judosport klar in den Vordergrund. Sein Aufwand habe sich in den letzten Jahren zwar etwas verringert, der Oensinger steht aber immer noch zweimal pro Woche auf der Matte.

Am Dienstagabend während vier Stunden, am Donnerstag sogar deren fünf, denn Bobst trainiert sämtliche Athleten des Klubs, von den ganz Kleinen bis zu den Aktiven. Zusätzlich gehen im Jahr fast zwanzig Wochenenden für die Wettkämpfe drauf. An diesem Wochenende ist Bobst zum Beispiel am Schülerturnier in Niederbipp (siehe Kasten) im Einsatz. «Das ist alles Fronarbeit», lacht Bobst, «aber die Schüler geben mir mit ihren Leistungen viel zurück. Ich freue mich, wenn die jungen Sportler etwas erreichen.» Das ist in seinen Augen Lohn genug, auch in den kommenden Jahren viel Zeit in seinen Judo-Kwai Oensingen zu investieren.

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