Direkt neben der A1 wächst er, der Knoblauch von Landwirt Pirmin Bobst aus Oensingen. Er ist der einzige Bauer in der Region, der die aromatischen und scharfen Heilpflanzen grossflächig anbaut. Dabei möge er Knoblauch selber gar nicht, wie er lachend zugibt.

2013 begann er mit dem Anbau der Pflanzen. Damals noch auf einer Fläche von zwei Aren. Mittlerweile wächst der Oensinger Knoblauch auf einer Fläche von einer Hektare. «Heutzutage hat man nur noch mit Nischenprodukten eine Chance auf dem Markt», sagt er. Schweizer Knoblauch ist in der Tat in der Minderheit auf dem Markt: Gemäss den Statistiken des Bundesamtes für Landwirtschaft wird der Knoblauch hauptsächlich aus Spanien, Frankreich sowie aus Asien, beispielsweise aus China, importiert. Die Anbaufläche von Knoblauch in der Schweiz beträgt heute insgesamt nur knapp 50 Hektaren. Vor allem im Berner Seeland und in der Bodenseeregion ist der Knoblauchanbau seit einigen Jahren am Wachsen. Dass sich dennoch nur wenige Schweizer Bauern an die exotische Pflanze wagen, hat durchaus seinen Grund, wie Pirmin Bobst weiss.

«Es braucht einfach das spezifische Wissen dazu», sagt er. Wissen, das er sich beispielsweise aus dem Internet geholt hat. «Danach habe ich probiert, probiert, probiert. Man lernt jedes Jahr etwas Neues dazu.» Etwa über den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat und die Ernte. Der Knoblauch müsse ein halbes Jahr im Boden bleiben, nachdem er im Herbst gesteckt wurde, weiss er heute. «Man sagt, dass die beste Erntezeit gemeinsam mit der Gerste im Sommer ist.» Dieses Jahr ist sein Knoblauch jedoch etwas früh dran. Lässt man ihn zu lange im Boden, so platze er auf.

Starker Wasserverlust führt zu weniger Einnahmen

Geerntet und gerüstet wird die Pflanze von Hand, wie praktisch alles beim Knoblauchanbau. Anders als beispielsweise beim Zwiebelanbau sei nichts mechanisiert. Und das wirkt sich auf den Preis aus. «Die Lohnkosten beim Knoblauch sind extrem hoch und das ist der Fluch am Ganzen», sagt der Landwirt. Sechs bis sieben Aushilfen seien während der Ernte täglich zu 100 Prozent im Einsatz. Der geerntete und gerüstete Knoblauch wird in einer Lagerhalle bei einem Grad Celsius gehalten, bis das letzte Stück zum Marktpreis verkauft ist. Während der Lagerung verliere der Knoblauch aber bis zu einem Drittel seiner Feuchtigkeit. Bobst erklärt die Problematik, die damit einhergeht, anhand eines Rechenbeispiels: «Angenommen wir rüsten gleich nach der Ernte 24 Kisten Knoblauch à 20 Stück. Das sind rund 55 bis 60 Kilogramm», sagt er und fährt fort. «Um im August noch auf die 60 Kilogramm zu kommen, brauche ich bereits etwa 38 Kisten. Also rund ein Drittel mehr als nach der Ernte.» Der Preis und die Arbeit bleiben dabei dieselben. Das Ziel sei es deshalb, den frischen Knoblauch so schnell wie möglich weiterzuverkaufen. Eine Möglichkeit ihn zu trocknen, habe er momentan nicht.

Die passende Nische in der Region gefunden

«Es ist sehr schwierig, in den Markt zu kommen. Ich bin mit meinem Knoblauch in der Region alleine», sagt Pirmin Bobst. Einerseits sei es schwierig, gegen die tiefen Preise der Importeure zu bestehen. Auch geschmacklich unterscheide sich der Schweizer Knoblauch zum Beispiel von denjenigem aus Spanien. Aus klimatischen Gründen erreiche die heimische Pflanze nicht dieselbe Schärfe. Zudem, fährt Bobst fort, werden die Märkte im Seeland sowie in der Westschweiz bereits von den Knoblauchbauern aus der jeweiligen Region beliefert.
Trotz allen Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen, scheint der Landwirt, seine Nische gefunden zu haben: Die erste diesjährige Ernte ist bereits heute im Hofladen Bösiger in Niederbipp, beim Gemüsebauern Grob auf dem Oltner Wochenmarkt, bei «Spar» in Kestenholz sowie auf dem Langenthaler Wochenmarkt und natürlich auf dem Hof von Bobst in Oensingen erhältlich. Er sei ausserdem im Gespräch mit einem grossen Detailhändler in Basel. Wie es nächstes Jahr weitergeht, das hänge vom diesjährigen Absatz ab. Sein Saatgut aus Frankreich habe er bereits bestellt. «Ich nehme es von Jahr zu Jahr. Je nachdem, wie es läuft, kann ich meinen Anbau immer noch anpassen.»