Amtsgericht
Er hat seine Spielsucht mit geklauten Handys finanziert

Ein 26-jähriger Mann fasste wegen Diebstählen im Paketzentrum der Post 18 Monate bedingt. Seine Spielsucht hatte er mit geklauten Handys finanziert.

Erwin von Arb
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Im Paketzentrum der Post in Härkingen werden täglich bis zu 450 000 Pakete verarbeitet und weiter transportiert. Bruno Kissling

Im Paketzentrum der Post in Härkingen werden täglich bis zu 450 000 Pakete verarbeitet und weiter transportiert. Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

Wegen gewerbsmässigen Diebstahls stand Kadim B.* am Mittwoch vor Amtsgerichtspräsident Guido Walser. Dem mit Bluejeans und einer blauen Windjacke zur Verhandlung erschienenen jungen Mann mit türkischen Wurzeln wurde vorgeworfen, zwischen September 2012 und Januar 2015 im Paketzentrum der Schweizerischen Post in Härkingen 48 Mobilfunktelefone gestohlen zu haben, um diese danach zu Geld zu machen.

Um an die Geräte zu kommen, öffnete der Mann verschlossene Sendungen, die von der Post an Drittpersonen hätten geliefert werden sollen. Bei den entwendeten Smartphones handelte es um solche der Marke Samsung und um iPhones im Gesamtwert vom rund 35 000 Franken.

Diese gestohlenen Geräte übergab Kadim B. in der Folge vier ihm bekannten Männern, welche die Smartphones für ihn verkauften. Aufgeflogen war die ganze Sache im März 2015 und mündete schliesslich in der Festnahme von Kadim B. und dessen Überführung in Untersuchungshaft. Bei einer parallel dazu durchgeführten Hausdurchsuchung des im Raum Solothurn wohnhaften Mannes wurden 1500 Franken Bargeld konfisziert.

Monatlich 750 Franken «verdient»

Kadim B. habe mit den Verkäufen einen unrechtmässig erzielten Vermögensvorteil in der Höhe von mehr 21 000 Franken erzielt, hält die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift fest. Damit habe er sein monatliches Einkommen um rund 750 Franken aufbessern können. Somit habe er diese deliktische Tätigkeit von der Art her wie einen Beruf ausgeübt und damit gewerbemässig gehandelt, so die Staatsanwaltschaft.

Die Diebstähle habe Kadim B. auch deshalb begangen, weil er mit dem Erlös aus dem Verkauf der Beute seine Besuche in Spielcasinos finanzieren oder andere Auslagen für Glücksspiele bestreiten wollte. Dies bestätigte der Mann auf Nachfrage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser.

«Ich habe als Lehrling bei einem Casinobesuch einen grösseren Betrag gewonnen und wollte diesen Erfolg natürlich wiederholen. Das hat leider nicht geklappt und ich wurde stattdessen spielsüchtig», führte Kadim B. dazu vor Gericht aus. Inzwischen habe er diese Sucht im Griff, besuche aber immer noch gelegentlich Spielcasinos. «Ich setze mir aber selbst ein Limit», so der junge Mann.

Kooperationsbereitschaft belohnt

Davon und dass der Angeklagte künftig auch nicht mehr als Dieb in Erscheinung tritt, ist offenbar Staatsanwalt Marc Finger überzeugt. Er beantragte deshalb beim Gericht für diesen Fall die Anwendung eines verkürzten Verfahrens. Ein solches kann durchgeführt werden, wenn die Anklagepunkte nicht bestritten werden und auch das Gericht seine Einwilligung dazu gibt. Mitentscheidend sei auch die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten bei den Ermittlungen gewesen, wie Staatsanwalt Finger erwähnte.

So habe dieser mit seinen Aussagen wesentlich dazu beigetragen, dass die erwähnten Mittelsmänner dingfest gemacht und der Justiz zugeführt werden konnten. Die separat geführten Verfahren gegen die vier Männer seien praktisch abgeschlossen. Für Kadim B. forderte Finger eine im Vorfeld mit der Gegenpartei ausgehandelte Freiheitsstrafe von acht Monaten unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Verteidiger Roland Winiger, Olten, begrüsste die Anwendung des verkürzten Verfahrens und bezeichnete das Strafmass als angemessen.

Schaden schon fast zurückbezahlt

Diesen Ausführungen schloss sich Amtsgerichtspräsident Guido Walser an. Für den Angeklagten spreche ferner, dass er wieder einer festen Arbeit nachgehe und auch den Eindruck erwecke, seine Lehren aus der Sache gezogen zu haben. Walser erwähnte auch die von Kadim B. geleisteten Rückzahlungen an die Post, welche vom Angeklagten eine Schadenbegleichung von 12 000 gefordert hatte.

Davon habe er bereits 8000 Franken bezahlt und die von einem Elektronikfachmarkt geforderte Summe von 1000 Franken sei beglichen, erklärte dieser dem Vorsitzenden. «Ich weiss, dass ich Mist gebaut habe», sagte Kadim B. bei seinem Schlusswort und versprach, sein Leben neu starten zu wollen.

*Name von der Redaktion geändert.

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