Egerkingen
Endlich wird der Dorfkern aufgewertet

In Egerkingen läuft bald der erste Teil der Umgestaltung im Zuge der Sanierung Martinstrasse an.

Philipp Felber
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Die Situation zwischen der Nünlist AG und den gegenüberliegenden Gebäuden Martinstrasse 7 und 9: In der Mitte des Bildes die Öffnung zum Bach hin, mit «P» ist ein Poller bezeichnet, «A» bezeichnet die Kandelaber.

Die Situation zwischen der Nünlist AG und den gegenüberliegenden Gebäuden Martinstrasse 7 und 9: In der Mitte des Bildes die Öffnung zum Bach hin, mit «P» ist ein Poller bezeichnet, «A» bezeichnet die Kandelaber.

Illustration: ZVG

Nun gehts los mit der Sanierung der Martinstrasse in Egerkingen. Und zwar zuerst einmal mit dem Teil östlich des Dorfbaches. Das vornehmliche Ziel der ganzen Sanierung: eine Aufwertung der Martinstrasse und damit verbunden auch des Dorfkerns. Das Projekt besteht dann auch aus mehreren Teilen, mit denen die gewünschte Attraktivitätssteigerung geschafft werden soll.

Bach wird zugänglich

Die Sanierung des Dorfbachs in Zusammenhang mit der Kanalisationssanierung stand am Anfang der Bemühungen zu einer neuen Lösung für den Bachverlauf durch das Dorfzentrum (siehe Kontext). Seit 2015 beschäftigt sich die Werk1 Architekten und Planer AG mit der Martinstrasse und ist nun für den gestalterischen Teil der Sanierung zuständig. «Wir wollten die historisch gewachsene Situation nicht allzu gross verändern», sagt Thomas Schwab von Werk1. Darum werden nun die angedachten Öffnungen zum Bach hin nur an einer Stelle realisiert.

Dies geschah auch in Absprache mit der Denkmalpflege wie Schwab weiter erklärt. Das neue gestalterische Element, das es ermöglicht, über Stufen direkt zum Wasser zu gelangen, wird sieben Meter breit werden. Der Standort dieser Stufen sei nicht zufällig an dieser Stelle. Vor allem die Tatsache, dass auf der anderen Bachseite keine grossflächige Fassade die Szenerie einengt, sei ausschlaggebend gewesen. So sei es auch am Abend möglich bei Sonnenschein auf den Treppenstufen zu verweilen.

Ein Element, das bei der letzten Gemeindeversammlung noch zu Diskussionen führte, war die Versetzung des bestehenden Brunnens. Dieser wird nun nördlich der Kleinfeldstrasse zu liegen kommen, gleich neben dem alten Standort. Am alten Standort wird der Bach ausgedolt (siehe Illustration). Damit die historisch gewachsene Situation im Dorfkern deutlicher herausgehoben wird, ist ein Naturstein als neuer Abschluss auf der bestehenden Bachmauer vorgesehen. Dieser soll überall zirka 20 Zentimeter aus dem Boden ragen. Für diese neue Mauerkrone wird ein Kalkstein verwendet. «Dafür haben wir mit einem Steinmetz Rücksprache gehalten», sagt Schwab. Am liebsten wollten die Werk1 Architekten eigentlich einen Kalkstein aus der Region für den Kragen benutzen.

Aufgrund der Tatsache, dass vor allem durch den Winterdienst diese Kalksteine sehr schnell brüchig würden, mussten andere Varianten geprüft werden. Die Lösung: ein Stein aus Mittelfranken, der Dietfurter Dolomit. Dieser ist zwar ebenso ein Kalkstein, aber er ist dichter und dadurch frost- und tausalzbeständig. Ein zentrales Element der Neugestaltung sind die neuen Bäume entlang der Strasse. Die alten Bergahorne werden an den ursprünglichen Standorten durch Spitzahorne ersetzt. Diesen wird nun auch etwas mehr Platz gewährt. Die Baumscheibe wird 3 mal 1,60 Meter betragen, um dem Wurzelwerk etwas mehr Raum zu ermöglichen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Bäume schnell wieder ersetzt werden müssen.

Neues Verkehrsregime

Nicht nur die Gestaltung des Bachbettes ist Teil der Sanierung, sondern auch die Einführung eines neuen Verkehrsregimes. So wird eine Begegnungszone auf der Martinstrasse östlich des Bachbettes errichtet. Die Tempo-20-Zone wird auch auf der Kleinfeldstrasse und auf der Alten Poststrasse eingeführt. Von vier Seiten her wird die Begegnungszone mit Eingangstoren signalisiert.

Die Tempo-Massnahme wurde durch die Werk1 Architekten angedacht. «Das Temporegime ist entscheidend», erklärt Thomas Schwab. Denn damit werde eine gleichberechtigte Situation aller Verkehrsteilnehmer geschaffen und gleichzeitig die Vortrittsregelung klar geregelt. Was vor allem rund um das Schulhaus Kleinfeld eine deutliche Verbesserung der derzeitigen Verkehrssituation darstellt. Vor allem auch deshalb, weil das Verkehrsaufkommen aufgrund von Fahrten zum Abholen und Bringen von Schulkindern zum Teil sehr hoch ist. Ob allerdings dadurch die Fahrten, so die stille Hoffnung der Gemeinde, reduziert werden können, ist fraglich.

Um das wilde Parkieren auf der Ostseite des Baches zu verhindern, werden abnehmbare Poller zwischen den Bäumen installiert. Die Parkplatzsituation wird dadurch vor allem für Wochenendausflügler verschärft. Die zuerst vorgesehene Nutzung der Grünfläche beim Rauber-Platz als Parkplätze wird, wie bereits vermeldet, momentan nicht realisiert. Auch die Sanierung der westlichen Strassenseite wurde aufgeschoben. 2017 oder 2018 soll es soweit sein, zuständig ist dort allerdings der Kanton. In der gleichen Etappe soll dann auch die Neugestaltung des Martinsplatzes vor der katholischen Kirche über die Bühne gehen.

Die ganze Sanierung fällt insgesamt eher schlicht aus. So wird zum Beispiel kein spezieller Belag für die Kennzeichnung der Begegnungszone verwendet. Dies vornehmlich aus Kostengründen, der Projektierungskredit liegt denn auch bei eher bescheidenen 775 000 Franken.