Egerkingen
Endlich schiesst der Spargel aus dem Boden

Rund eine Woche verspätet hat auf dem Pfefferlihof in Egerkingen die Spargel-Ernte begonnen. Verzögert wurde diese durch den Kälteeinbruch Ende April. Nun ist der Boden warm und der Spargel schiesst förmlich aus dem Boden.

Erwin von Arb
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Die Spargelernte auf den Feldern des Pfefferlihofs in Egerkingen erfolgt jeweils in den frühen Morgenstunden.
11 Bilder
Bei der Spargelernte der Bauernfamilie Pfefferli in Egerkingen dabei
Die Länge muss stimmen.
Frisch geerntet, aber noch ungewaschen und unsortiert.
Der Zwölfpunkt-Spargelkäfer kann grossen Schaden bei der Ernte anrichten.
Auf dem Hof werden die frischen Spargeln sorgfältig gewaschen.
Simone Pfefferli beim Abpacken der 500 Gramm schweren Bündel
Nichts wird weggeworfen: Die Kühe freuen sich schon auf die nicht verwendeten Rüstabfälle.
Abgepackt nach Gewicht und Grösse.

Die Spargelernte auf den Feldern des Pfefferlihofs in Egerkingen erfolgt jeweils in den frühen Morgenstunden.

Bruno Kissling

Liebhaber von einheimischem Spargel mussten sich dieses Jahr länger als üblich gedulden, bis das edle Gemüse auf ihren Tellern landete. Grund dafür war der drei Tage dauernde Kälteeinbruch Ende April mit Frost bis ins Flachland. «Wir mussten unserer Werbetafel für Grünspargel an der Solothurnerstrasse wieder entfernen, sonst wären die Leute angerannt», meint der Egerkinger Landwirt Johann Pfefferli zum etwas durchzogenen Start in die Saison.

Sonne schadet dem Spargel

Das ist inzwischen im wahrsten Sinn des Wortes Schnee von gestern, denn seit Mitte letzter Woche heizt die Sonne die Böden mit Temperaturen von über 20 Grad so stark auf, dass der Spargel förmlich aus dem Boden schiesst. Der bisherige Saisonhöhepunkt wurde am letzten Sonntag erreicht, als etwa 70 Kilogramm grüner Spargel geerntet wurden.

Auf den 40 Aren umfassenden Spargelfeldern hilft jeweils die ganze Familie sowie eine Aushilfe mit. Die Arbeit beginnt bei Tagesanbruch und endet je nach Ertrag gegen 8 Uhr morgens. «Wenn der Spargel zuviel Sonneneinstrahlung abbekommt, wird er gummig», weiss Pfefferli aus Erfahrung.

9 Spargelbauern im Kanton Solothurn

In der Schweiz werden jährlich rund 11 300 Tonnen Spargel gegessen, etwa 737 Tonnen davon stammen aus heimischer Produktion. Obwohl sich dieses Frühlingsgemüse grosser Beliebtheit erfreut, beträgt der jährliche Pro-Kopf-Konsum von Spargel in der Schweiz lediglich 1,3 Kilogramm. 760 Gramm davon entfallen auf den grünen Spargel, 610 Gramm auf den weissen. Spargel wird in der Schweiz von etwa 180 Gemüseproduzenten angebaut. Die meisten befinden sich in der Ostschweiz, gefolgt vom Mittelland und der Westschweiz. Schweizweit beträgt die Spargelanbaufläche 211 Hektaren für Grün- und 160 Hektaren Bleichspargeln. Im Kanton Solothurn gibt es gemäss Lorenz Eugster vom kantonalen Amt für Landwirtschaft neun Landwirte, die auf insgesamt 780 Aren Spargel anpflanzen. 5 bis 50 Aren grosse Spargelkulturen gibt es in Egerkingen, Kestenholz, Neuendorf, Messen, Buchegg und Hochwald, 200 bis 300 Aren grosse in Bolken, Subingen, Winznau und Lostorf. Ein Wachstumstrend beim Spargelanbau ist nicht zu beobachten, wie Eugster erwähnt. Dieser bleibe vorderhand ein Nischengeschäft. (eva)

Am Montag standen neben zwei Aushilfen auch die Töchter Andrea und Barbara Pfefferli sowie Seniorbauer Johann Kaufmann ab 5.30 Uhr auf den Spargelfeldern im Einsatz. Ihr Vater lasse es sich auch im Alter von 85 Jahren nicht nehmen, vorne an der Front mitzuarbeiten, sagt Bäuerin Simone Pefferli. Die Töchter empfinden die Arbeit auf dem Feld ein wenig anstrengend, wie Andrea Pfefferli bemerkt. «Das drückt sich im Muskelkater aus», meint die 22-jährige Architekturstudentin.

Ihre 18-jährige Schwester Barbara nickt, ohne sich aber deswegen von der Arbeit abhalten zu lassen. Sie hätten bisher in der Küche beim Spargelrüsten mitgearbeitet und seien dieses Jahr das erste mal auf dem Feld, so die angehende Bäckerin-Konditorin.

Spargel wächst täglich 15 Zentimeter

Für die Weiterverarbeitung des Spargels zeichnet Bäuerin Simone Pfefferli verantwortlich. Sie tut dies seit 1997, also drei Jahre, nachdem auf den Feldern des Sonnenhofs der erste Spargel gesetzt wurde. Bevor es soweit ist, erinnern die rund ein Meter in die Höhe schiessenden Pflanzen eher an wuchernde Tannenbäumchen. Sie werden Ende November bodeneben abgeschnitten, wie die Bäuerin berichtet. Ab dem dritten Jahr kann während sechs bis acht Wochen Spargel geerntet werden. Der Zyklus, bis die Pflanze ersetzt werden muss, beträgt etwa acht Jahre.

Bei optimalen Bedingungen wächst Spargel täglich bis zu 15 Zentimeter. Diese Schnellwüchsigkeit macht den Anbau zu einem intensiven und aufwendigen Geschäft. So muss die schmackhafte Gemüsestange täglich geerntet, gewaschen, gerüstet und für den Verkauf abgepackt werden.

Die zu verarbeitende Menge hängt stark von den äussernen Bedienungen ab. Sind diese gut, können wie letzten Sonntag rund 70 Kliogramm geerntet werden. In den Verkauf gelangen davon etwa 50 Kilogramm, der Rest ist Rüstabfall. Dieser wird übrigens an die Kühe verfüttert. Wie gross die Ernte bis zum Saisonende Mitte Juni ausfallen wird, sei schwer abschätzbar, wie die 50-jährige Bäuerin erklärt. Je nach Witterung variiere der Ertrag zwischen 500 bis 800 Kilogramm Spargel.

Über den Absatz muss sich die Familie Pfefferli keine Sorgen machen. Ihr grüner Spargel ist in Restaurants und in Dorfläden in der Region ebenso begehrt wie bei der Privatkundschaft. «An Frische ist unser Spargel halt kaum zu überbieten», sagt die Bäuerin nicht ohne Stolz.