Wenn nach dem «Restaurant zur Spanischen» Ende Woche auch noch das «Lamm» zugeht, steht Härkingen ohne Dorfbeiz da. Eine Situation, für die nicht zuletzt die Vereine im Dorf eine Lösung finden müssen. Wo werden sie sich künftig eine Erfrischung genehmigen, wenn auch die letzte Wirtschaft im Dorf die Schotten dichtgemacht hat?

«Gute Frage, das wissen wir noch nicht», sagt etwa Matthias Heim, Präsident des FC Härkingen. Die verschiedenen Mannschaften seien abwechselnd im «Lamm» und in der «Spanischen» eingekehrt. «Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als ins Nachbardorf zu fahren». Zwar sei der FC im Besitz eines Klublokals. Dieses werde in Absprache mit der Gemeinde aber nur an Spieltagen geöffnet – wegen der Lärmbelastung für die Anwohner.

«Allerdings erlebten wir vor einigen Jahren schon einmal dieselbe Situation», erinnert sich Heim. Damals sei das «Lamm» vorübergehend geschlossen gewesen, während die «Spanische» am Trainingsabend Ruhetag hatte. Man sei auf den «Ochsen» in Neuendorf ausgewichen. «Wir werden uns schon wieder organisieren können», ist Heim überzeugt.

Bed & Breakfast ist keine Option

Nicole Gschwind indes, Präsidentin des TV Härkingen, meint zur Situation: «Schwierig.» Zwar habe es sich so ergeben, dass die eine Frauenriege sich am Montagabend nach dem Turnen auf einen Kaffee in Egerkingen treffe. Nach dem Mutter-Kind-Turnen am Mittwochmorgen seien die teilnehmenden Mütter und Väter mit ihren Kindern aber jeweils im Dorf etwas trinken gegangen.

Der Kaffee- und Sirupplausch müsse künftig wohl in ein Sitzungszimmer der Turnhalle verlegt werden. Welche Lösung die Männerriegen finden werden, die nach dem Turnen am Donnerstagabend abwechselnd das «Lamm» oder die «Spanische» aufsuchten, weiss sie nicht. Für Sitzungen, die jeweils in einer der Dorfbeizen abgehalten wurden, müsste zudem demnächst ein Sitzungszimmer in der Turnhalle oder bei der Gemeinde gefunden werden.

«Wir haben Glück, wir können in die ‹Alte Gärtnerei›», sagt hingegen Brigitte Moser, Präsidentin der Musikgesellschaft Härkingen. Das «Hotel Alte Gärtnerei» wird von Ernst Studer und seiner Frau als Bed & Breakfast betrieben. Man habe seit einem Jahr jeden Donnerstagabend nach der Probe zwischen dem «Lamm», der «Spanischen» und der «Alten Gärtnerei» abgewechselt.

Die rund zehn Personen meldeten sich zuvor bei Bed-&-Breakfast-Betreiber Ernst Studer an und blieben dort von etwa Viertel nach zehn bis halb zwölf abends. Würde diese Option wegfallen, würde es ebenfalls «schwierig», so Moser. Schliesslich wolle man nicht aus dem Dorf hinaus. Möglich wäre laut Moser, dass man sich bei einem der Musiker zu Hause auf einen Umtrunk treffe.

Ernst Studer, der in Härkingen mit seiner Frau das Bed & Breakfast «Hotel Alte Gärtnerei» mit neun Zimmern führt, meint zur Abmachung mit der Musikgesellschaft: «Das hat sich so ergeben». Er könne jedoch nicht jeden Abend im Bed & Breakfast verbringen. «Das wäre ein Aufwand, der sich nicht rechnet», sagt er.

Und fügt an: «Wir sind schlicht nicht eingerichtet für einen Restaurantbetrieb.» Seine Frau und er seien von morgens um sechs bis abends um acht im Betrieb anwesend. Der Umsatz sei zu gering, um abends noch jemanden anzustellen. Besuche weiterer Vereine kommen deshalb für ihn nicht infrage.

Zukünftig ins Nachbardorf

«Unglücklich» und einen «Verlust für das Dorf» nennt Gemeindepräsident Daniel Nützi den baldigen beizenlosen Zustand im Dorf. Für grössere Anlässe stehe zwar nach wie vor der Fröschensaal in der Mehrzweckhalle zur Verfügung, den man mittels Catering bespielen könne. «Aber um schnell eine Stange zu trinken, muss man zukünftig wohl ins Nachbardorf fahren», meint er bedauernd. Nach Neuendorf, Egerkingen, allenfalls Fulenbach, schiebt er nach. Das ganze Dorf hoffe, dass eine der Wirtschaften wieder öffne.

Ein Blick zurück: Vergangenes Jahr hatte Härkingen noch zwei Gasthäuser: das «Restaurant zur Spanischen», dessen Besitzer Marie-Therese und Paul Burkhardt das Wirten vergangenen Dezember nach 42 Jahren an den Nagel hängten. Und das «Lamm», dem die Pächter Stefanie Stalder und Abdul Hloul Ende Monat den Rücken kehren. Die Eigentümer beider Restaurants seien auf der Suche nach einem Nachfolger, so Gemeindepräsident Nützi.

Die beiden Parteien bestätigen dies: Marie-Therese und Paul Burkhardt «suchen einen Käufer – aber es ist noch alles in der Schwebe». Bereits seit zwei Jahren seien sie auf der Suche nach einem Nachfolger, dies jedoch nur im Bekanntenkreis. Ob die Liegenschaft als Gasthaus weitergeführt werde, wissen sie nicht – «wir müssen abwarten.» Auch Erich Hauri, Inhaber des «Lamms», sucht einen Pächter, möchte aber keine weiteren Details preisgeben.