«Total daneben», «Absoluter Blödsinn» und «als ob wir keine grösseren Probleme hätten». Die Mitglieder der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Oensingen wenn...» sind sich einig: Der Zibelimäret gehört auf die Hauptstrasse. Anfang dieser Woche gab diese Zeitung bekannt, dass das Organisationskomitee um Präsident Max Keller keine Bewilligung der Polizei für die erneute Durchführung der Veranstaltung auf der Kantonsstrasse erhalten hat. Die Reaktionen darauf liessen nicht lange auf sich warten, die Oensinger sind allesamt empört über den Bescheid.

«Es hat doch so oder so immer Stau auf der Hauptstrasse», schreibt eine Userin. «Dieser Grund ist eine faule Ausrede.» Ein anderer Benutzer ist derselben Meinung: «Wegen nur drei Tagen im Jahr gibt es ein solches Drama?», fragt er. Die Meinungen auf der Online-Plattform spiegeln vor allem eines: Verständnislosigkeit.

Emotionale Beziehung zum Markt

Einer der Gruppenmitglieder meldet sich mehr als nur ein Mal zu Wort: Pirmin Bobst. Der Oensinger Bauer ist, nebst Familie Tschumi, einer der letzten übrig gebliebenen Produzenten von Zwiebeln für die traditionellen Zwiebel-Zöpfe, die jeweils am Anlass Ende Oktober verkauft werden. «Ja, ich habe tatsächlich eine sehr starke Meinung zu diesem Entscheid», bestätigt Bobst. «Das liegt daran, dass ich mit dem Zibelimäret aufgewachsen bin. Schon als 4-jähriger Junge spazierte ich alleine da durch.»

Dem Oensinger bedeute die Tradition deshalb viel. «Ich war dort zu Hause. Für mich war der Zibelimäret immer wie Weihnachten.» So stark die Beziehung zum traditionellen Anlass für Bobst ist, so gross ist auch seine Empörung. «Oensingen frisst den Stau auch an allen anderen Tagen im Jahr, da kommt es doch auf diese drei Tage nicht drauf an.»

Zudem sei der Stau bis vor zwei Jahren, bis zur Eröffnung der dreispurigen Autobahn in Egerkingen, noch kein Thema gewesen. «Wir dürfen das nicht einfach so hinnehmen», ist sich Bobst sicher. «Da muss noch ein Gespräch stattfinden und eine Lösung gefunden werden.»

Der Oensinger ist zudem Mitglied des Vogelherd-Clubs, einem der Vereine mit einem Stand am Zibelimäret. Präsident Hans Schnider schliesst sich Bobsts Meinung an: «Ich glaube, niemand ist wirklich erfreut über diesen Bescheid.» Zwar verstehe er den Entscheid, bedaure aber, dass dieser aufgrund von gesellschaftlichen Werten getroffen werden musste. «In unserer schnelllebigen und komfortablen Zeit können wir anscheinend keine Einschränkungen mehr auf uns nehmen.» Die Schwierigkeit bestehe nun darin, dass die Veranstalter wieder bei null anfangen müssen. «Das Wie, Wo und Was muss jetzt zuerst wieder geklärt werden.»

Anlass lebt von Vereinen

Die Vereine haben glücklicherweise die Möglichkeit, den Stand auch anderswo als bisher aufzubauen, wenn dies auch sorgfältige Planung benötigt, stehen die meisten Stände doch seit 50 Jahren am selben Ort. Die umliegenden Lokale haben diese Möglichkeit jedoch nicht, sie können ihre Restaurants nicht einfach an den neuen Standort auf Nebenstrassen verlegen.

Unter anderem direkt davon betroffen ist der Gasthof Post. Für Wirt Oliver Zwahlen ist der Entscheid des Kantons aus beruflicher Sicht nicht weiter beunruhigend: «Klar haben wir dann weniger Gäste, aber wir haben auch weniger Aufwand», gibt der Oensinger zu bedenken. Aus persönlicher Sicht hingegen, bedauert er die Verlegung sehr: «Der Märet gehört den Vereinen, sie müssen die Konsequenzen tragen.»

Dieser Meinung ist auch Jürg Perren, Präsident des Gewerbeverbandes Oensingen. «Für uns wird es voraussichtlich keine grosse Änderung geben», erzählt Perren. «Ich hoffe einfach, die Vereine stecken den Kopf nicht in den Sand und können das Beste aus der Situation machen.» Perren sieht den Entscheid des Kantons ausserdem als Chance, den Zibelimäret aufzuwerten.

«Vielleicht wird das ja eine gute Sache», überlegt der Verbands-Präsident. Zudem sei der Mensch einfach so, dass er Veränderungen am Anfang zuerst mit Skepsis begegne. Erst danach könnten sich Veränderung auch als Chancen entpuppen.

Momentan heisst es für alle Beteiligten: abwarten. Denn am 20. Februar orientiert das Organisationskomitee um Präsident Max Keller die betroffenen Vereine, um zusammen für alle die beste Lösung zu finden. Bis dahin lässt sich das Echo der Volksseele jedoch in kurzen Worten zusammenfassen: Verständnislosigkeit, Skepsis, aber doch noch ein Funken Hoffnung.