Anstelle eines roten stehe im Garten von Agathe Moor in Zollbrück nun ein blauer Hydrant. «Das passt einfach besser zu meinen Fensterläden», sagt sie und nickt dankend zum Brunnenmeister Walter Wisler, der ihr den andersfarbigen Hydranten angeschafft hat. Nach einem Besuch beim Keramikmuseum in Matzendorf trifft der Vorstand des Gemeindeverbandes Wasserversorgung Zollbrück auf dem Berghof Montpelon zum Apéro ein. Zwischen Garten und Hof geniesst er in lockerer Atmosphäre das wechselhaft schöne Wetter in Gänsbrunnen. Bei einem Glas Bier und handgemachtem Erdbeersaft vom Hof der Familie Lanz geht das Gespräch weiter und erreicht bald die Unterschiede zwischen dem Emmental und dem Thal. «Es hat viel mehr Wald hier als im Emmental», doch die Art und Weise des Tourismus sei sehr ähnlich, bemerkt Daniel Zürcher, der sich dem Vorstand vor vier Jahren angeschlossen hat.

Futter fürs Hirn vor dem Abendessen

Der Vorstandspräsident Walter Rentsch und der Brunnenmeister zählen gemeinsam rund 65 Jahre Mitgliedschaft und sind zum letzten Mal an der «Wasserreise», wie sie den jährlichen Ausflug nennen, dabei. Den langjährigen Mitgliedern fehlt an jenem Tag im Naturpark etwas besonders: Der Organisator der Reise. «Hans Minder hätte alles besser erzählt», bedauern sie immer wieder. Der 62-jährige Betriebsökonom sei leidenschaftlicher Historiker und wisse immer etwas zu erzählen. Als Sekretär des Vorstandes organisiere er die jährlichen Ausflüge. Jedes Jahr gäbe es viel Interessantes zu sehen und zu lernen. «Er ist momentan in Deutschland», erklärt Walter Rentsch Minders Abwesenheit. Er nehme an einer Quizz-Veranstaltung teil. Kurz nach dieser Erläuterung erhält die Gruppe Grüsse aus Köln, die Hans Minder per SMS nach Gänsbrunnen geschickt hat.

Doch bis zum Abendessen muss sich die elfköpfige Gruppe noch etwas gedulden: Es erwartet sie eine Führung durch die Ruine Neu Falkenstein in Balsthal. Beim Aufstieg zur Burg herrscht Uneinigkeit. «Wie kommt man eigentlich da hoch?» Die einen gehen nach rechts, die anderen nach links. Es stellt sich schlussendlich heraus, dass beide Wege zum selben, unverfehlbaren Ziel an der Kuppe des Hügels führen. «Hans weiss sicher alles über die Burg», vermuten einige bei der Ansicht der über 800-jährigen Burgmauern. Anstelle von Hans Minder wartet allerdings der Führer Kurt Heutschi auf die heitere Gruppe. Der «waschechte Balsthaler», wie er sich vorstellt, ist leidenschaftlicher Sammler und präsentiert seine Sammelstücke im Balsthaler Museum. Während rund einer Stunde hält er die Aufmerksamkeit der Zollbrücker mit Geschichten rund um die Burg aufrecht. Besonders beeindruckt sind die «Touristen» jedoch von der Lage der Burg. «Von hier aus hat man die Burg sicher nicht einnehmen können», sagt Brunnenmeister Walter Wisler nach einem Blick auf den Nordhang. Fordernd ist auch die steile Treppe zum Turm, wo sich die Gruppe ihre letzten Eindrücke vom Naturpark mit einer «fantastischen Aussicht» ins Thal holt.