Das war ein Guss Öl zuviel ins Konfliktfeuer zwischen den Promotoren des Wisent-Projekts im Thal und der Landwirtschaft. Der Projektleiter Darius Weber bezeichnete in seinem Interview mit dieser Zeitung die hiesige Landwirtschaft als «extrem naturfeindlich».

Und provokativ gab er noch eins oben drauf: «Wahrscheinlich wäre es ökologischer, die Schweiz würde ihre Milchwirtschaft auslagern und Milch und Käse importieren statt massenweise Futtersoja aus Südamerika.»

«Es braucht Objektivität»

«Nach der Lektüre dieses Interviews war für mich sofort klar, dass Darius Weber für uns nicht mehr tragbar ist», erklärte der Präsident des Vereins Wisent Thal, CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, am Montag gegenüber dieser Zeitung. Und weiter: «Wir müssen allen Bedenkenträgern gegenüber dem Wisent-Projekt mit Objektivität begegnen.» Das sei gegenüber der Landwirtschaft nicht möglich, wenn der Projektleiter als «Bauernfeind» gelte.

Deshalb habe der Verein Wisent Thal die Mandatsverhältnisse mit dem Wildtierbiologen Darius Weber unverzüglich aufgelöst. Er wird sein Mandat als interimistischer Projektleiter abgeben und auch sein Mandat im Vorstand des Vereins Wisent Thal niederlegen. Weber wollte sich am Montag auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu dieser Angelegenheit äussern und verwies auf die Medienmitteilung des Vereins Wisent Thal.

Rücksicht auf Landwirtschaft

Im Communiqué stellt der Verein klar, «dass die nachhaltig produzierende Landwirtschaft eine wichtige Funktion für unser Land hat und deshalb nicht unter der Anwesenheit des Wisents leiden darf.» Das Projekt Wisent Thal schöpfe seine Daseinsberechtigung aus der Fragestellung, ob Land-, Forstwirtschaft und Jagd mit der Anwesenheit des Wisents vereinbar seien.

Nur wenn diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden könne, sei eine Auswilderung von Wisenten möglich. Das Projekt Wisent Thal sei ein wissenschaftliches Projekt im Dienste des Artenschutzes, welches keine politischen Stellungnahmen abgebe und selber auch keine politische Dimension aufweise, selbst wenn gelegentlich versucht werde, diese hinein zu interpretieren.

Wie geht es weiter?

Darius Weber wird im Vereinsvorstand ersetzt durch Stefan Schneider, Gemeindepräsident von Welschenrohr. Mit diesem personellen Wechsel will der Verein gemäss Medienmitteilung ein klares Bekenntnis zu seiner Stossrichtung abgeben: «Das Wisent-Projekt ist ein Projekt aus dem Thal für das Thal, unterstützt durch die Standortgemeinde Welschenrohr.»

Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren für die erste Phase des Projekts, in welchem auf Land von Landwirt Benjamin Brunner und der Bürgergemeinde Solothurn eine Wisentherde gehalten werden soll.

Parallel zum Genehmigungsverfahren laufen die Vorbereitungen für den Bau des Geheges sowie für die wissenschaftliche Begleitforschung und die touristischen Angebote rund um das Projekt. Für diese Arbeiten werden neben Landwirt Benjamin Brunner in den nächsten Wochen eine definitive Projektleitung und weitere Arbeitskräfte eingestellt, welche in der Nachfolge von Darius Weber das Projekt erarbeiten, stellt der Verein Wisent Thal in seinem Communiqué weiter fest. Und Stefan Müller unterstreicht gegenüber dieser Zeitung, dass der wissenschaftliche Know-how-Transfer gewährleistet bleibe durch Christian Stauffer (Gondiswil BE), Zoologe und Geschäftsführer des Netzwerks Schweizer Pärke, der ebenfalls dem Vereinsvorstand Wisent Thal angehöre.

Bald neue Projektleitung

Trotz der Trennung betont der Verein Wisent Thal die enormen Verdienste von Darius Weber. Er habe mit seinem Fachwissen das Projekt erst ermöglicht, die Beziehungen zu den Fachleuten hergestellt und das Design des Projekts in einem langen, intensiven Prozess entwickelt. Das Fachwissen von Darius Weber werde nun in den kommenden Wochen an eine neue Projektleitung übergehen.