Wer früher am Neujahrstag in Kestenholz draussen unterwegs war, hörte immer mal wieder die Klänge von Blasinstrumenten, Trommel und Pauke, welche durchs Dorf hallten. Seit über sieben Jahrzehnten spielten die Musikantinnen und Musikanten der Musikgesellschaft Eintracht Kestenholz in fast jeder Strasse des Dorfes ein Ständeli und Einzüger wünschten den Anwohnern «es guets Nöis». In diesem Jahr lauschte man vergeblich, der Verein hat den beliebten Brauch eingestellt (wir berichteten).

Reges Interesse bei Erstauslage

Doch komplett aufgehoben wurde die schöne Tradition nicht. Zwar nicht mehr im Winter mit Kappen, Handschuhen und Winterjacken, dafür in sommerlichem Outfit – sprich Sonnenbrille und kurzen Hosen, zogen die Musikantinnen und Musikanten letzte Woche durch alle Quartiere. An drei Abenden wurden jeweils an ebenso vielen Standorten halbstündige Konzerte mit modernen Rock- und Pop-Stücken gespielt. «Quartierkonzert» heisst das neue Format, das schon bei der ersten Durchführung auf reges Interesse stiess. Bei den angekündigten Standorten warteten schon einige der Anwohnenden am Strassenrand auf die «Freiluftkonzerte» und verdankten die gefälligen Stücke mit spontanem Applaus. Besonders die zahlreichen Kinder, liessen sich von den Rhythmen zu kleinen Tänzchen oder zum Hüpfen anstecken.

«Wer heute noch so etwas macht, verdient Anerkennung», sagte eine Kestenholzerin, welche das ganze Korps zu einem Apéro in ihren Garten einlud. Auch die fünf Einzüger, die einen freiwilligen Gönnerbeitrag einzogen, erfuhren überaus grosszügige Unterstützung und ein Wohlwollen gegenüber dem Dorfverein. «Zwar wird von einigen bedauert, dass Traditionen wie das Neujahrsblasen, die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und auch an der Serenade nicht mehr fortgeführt werden. Aber es macht Freude zu sehen, dass die Bevölkerung den Neuerungen wie der Einführung der Quartierkonzerte sehr positiv gegenüber steht», merkt Präsident Andy Winiger an. Die Unterstützung, welche der Verein immer wieder erfahre, sei grossartig und motiviere zusätzlich.

Bei einer Neuausrichtung im letzten Jahr wurden alle Vereins-Anlässe unter die Lupe genommen und evaluiert, was weitergeführt, aufgegeben oder verändert werden sollte. Das Fortbestehen des Vereins stand dabei an erster Stelle, insbesondere auch das übergeordnete Ziel, den Verein für Junge noch attraktiver zu machen, so der Präsident. Der Übertritt der Jungmusikantinnen und Jungmusikanten in den «grossen» Verein, stelle nach wie vor eine Knacknuss dar. Trotz intensiver Jugendförderung und einer topbesetzten und hoch motivierten Jugendmusik, der Young Concert Band.

Spielgemeinschaft lanciert

Als Glücksfalls erwies sich ein Treffen mit der MG Konkordia Oberbuchsiten, welche sich fast zur gleichen Zeit wie die «Eintracht» Kestenholz neu konstituierte. Die ersten Begegnungen waren herzlich und der Funke sprang definitiv bei der ersten gemeinsamen Probe. Seither haben sich die beiden nach wie vor eigenständigen Vereine zu einer Spielgemeinschaft zusammengeschlossen. Geprobt wird jeweils im Zweckbau in Kestenholz unter der Leitung von Thomas Maritz. Als nächstes Projekt werden die beiden Musikvereine am Regionalmusiktag in Mümliswil auftreten. Zusammen mit Natalie Lüscher, einer «dorfeigenen» Sängerin, werden sie Songs aus den 80er Jahren im Festzelt zum Besten geben.