Adventskalender
Einst schmachteten hier Gefangene - heute kocht die Polizei in der alten Zelle

In der Adventszeit öffnen wir jeden Tag eine interessante Tür im Kanton und schauen, was sich dahinter verbirgt. Heute werfen wir einen Blick ins ehemalige Bezirksgefängnis Balsthal. In nicht gerade gemütlichen Zellen sassen Delinquenten aller Art.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Das alte Bezirksgefängnis Balsthal
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Das alte Bezirksgefägnis in Balsthal.
Dahinter findet sich heute keine Zelle mehr, sondern die kleine Personalküche der Einsatzpolizei.

Das alte Bezirksgefängnis Balsthal

Fränzi Zwahlen-Saner

Die zwei grossen Gebäude beim Inseli, kurz vor der scharfen Rechtskurve vis-à-vis dem Hotel Kreuz in Balsthal, haben eine wechselvolle Geschichte. Das vordere Gebäude wurde früher als Amthaus genutzt.

Heute ist dort der Balsthaler Polizeiposten untergebracht. Das Gebäude dahinter, das nicht direkt von der Strasse her einsehbar ist, ist ein Haus, das Passanten – früher und heute – nicht ohne weiteres betreten können. Wir konnten uns umsehen in den Räumen, die bis 1995 als Bezirksgefängnis genutzt wurden.

Erbaut wurden beide Gebäude 1788 als «Strumpffabrik». 1799 wurde dann eine Baumwollweberei eingerichtet. Der hölzerne Anbau westlich des hinteren Gebäudes wurde später angebaut und als Salzhaus genutzt.

Deshalb ist die Strasse, die daneben hindurchführt, die «Salzhusgasse». 1829 wurden die beiden Gebäude dem Kanton Solothurn verkauft: Die Tuchfabrikation war unrentabel geworden und musste nach mehreren Besitzerwechseln Konkurs anmelden.

Schon ab 1820 wurde das vordere Gebäude als Amthaus genutzt. Im hinteren Gebäude richtete die Obrigkeit das Bezirksgefängnis ein. Im ersten Stock wurden Zellen eingebaut.

Die Fenster nord- und südseitig wurden deshalb teilweise zugemauert. Das Gefängnis bestand aus fünf normalen Zellen, einer Ausnüchterungszelle und einem Raum für Militärarrestanten.

Schwere Fälle kamen ins Schloss

Spannend ist, wo die Delinquenten vor diesem Gefängnis untergebracht wurden. Harmlosere Sünder kamen in einen engen Holzverschlag neben dem «Löwen», dort, wo später die Käserei betrieben wurde – heute eine Pizzeria. Schwerere Fälle wurden auf Schloss Neu-Falkenstein bis 1798 in hölzerne «Keffenen» gesteckt.

Im Gefängnis an der Salzhusgasse waren Untersuchungshäftlinge, Gefangene mit fürsorgerischem Freiheitsentzug, «normale» Häftlinge oder solche in Halbgefangenschaft untergebracht. Betrunkene verfrachtete man in die sogenannte Ausnüchterungszelle, die auch Vagabunden als Übernachtungsmöglichkeit gegen Entgelt geöffnet wurde.

Bis 1995 war dieses Gefängnis in Betrieb; 1978/79 wurde es umfassend renoviert. Die Zellen wurden saniert und modernisiert. Auch das Äussere des Gebäudes wurde renoviert und die zum Teil zugemauerten Fenster wieder in ihren ursprünglichen Zustand – aber mit Gitter – gesetzt. 1995 wurde das Bezirksgefängnis aufgehoben.

Einst Zelle, heute Personalküche

Ab 1998 wurde das Gebäude als Stützpunkt für die Einsatzpolizei umgenutzt, die zuvor in Oensingen untergebracht war. 23 Polizisten und Polizistinnen versehen nun ihren Dienst auf dem Stützpunkt Balsthal, wie Dienstchef Thomas Vitelli erklärt.

Die Hauptaufgabe der Einsatzpolizei ist die «Bewirtschaftung» der Brennpunkte im gesamten Kantonsgebiet, insbesondere im Drogen- und Glücksspielbereich. Die Einsatzpolizei unterstützt die Kriminal- und Regionenpolizei bei grösseren Aktionen und Razzien, Sportveranstaltungen und Spezialeinsätzen.

Weiter werden Interventionen durchgeführt, wo der normale Polizeieinsatz nicht ausreicht. Nach dem Einzug der Einsatzpolizei wurde das Gebäude neu den Bedürfnissen der Mitarbeiter angepasst.

Eines wurde jedoch erhalten und ist heute noch zu sehen – ob als nostalgische Reminiszenz oder als Abschreckung: eine alte hölzerne, zweifache Zellentür mit Essensdurchreiche. Die Zelle dahinter ist jedoch verschwunden. Dort befindet sich heute eine kleine Küche für die Mitarbeiter.

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