Einsprache
Wisentgegner ziehen vor Bundesgericht – Befürworter glauben weiter ans Projekt im Thal

Ob im hintern Thal dereinst eine Wisentherde unterwegs ist oder nicht liegt in der Beurteilung des höchsten Schweizer Gerichts. Die Interessengruppe «Wisentansiedlung Nein» geht vor Bundesgericht.

Fränzi Zwahlen
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Wisente würden die Scheu vor Menschen verlieren, wenn eine Zufütterung nötig sei.

Wisente würden die Scheu vor Menschen verlieren, wenn eine Zufütterung nötig sei.

Staffan Widstrand / Imago Press

Die Interessengruppe «Wisentansiedlung Nein» zieht das Urteil des Verwaltungsgerichtes Solothurn vom 16. März 2021 in Sachen «Projekt Wisent Thal» weiter ans Bundesgericht. «In der Interessengruppe beteiligen sich Bauern mit angrenzendem Land, Vertreter von Alpgenossenschaften und weitere Interessierte», erklärt deren Sprecher Edgar Kupper.

«Wir Gegner haben diese IG gegründet, weil die Gruppierung am Wachsen ist und um ansprechbar zu sein».

Man habe sich von Rechtsvertretern gut beraten lassen und erkannt, dass ein Weiterzug ans Bundesgericht durchaus seine Berechtigung habe, so Kupper. Die Kosten für den Gerichtsgang bezahle die IG aus privaten Mitteln. Seine Teilzeitmitarbeit beim Solothurner Bauernverband, wo er in der Verbandspolitik tätig ist, habe mit seinem Engagement nur am Rande etwas zu tun. «Ich agiere hier vorwiegend als Privatperson.»

Verletzung «nicht tolerierbar»

Die IG argumentiert in ihrem Weiterzug vorwiegend mit Landschaftsschutz und den strengen Zonenbestimmungen im Juraschutzzonen- und BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler): «Die Verletzung von Bundesrecht, namentlich des Raumplanungsgesetzes, des Waldgesetzes und des Natur- und Heimatschutzgesetzes, ist nicht tolerierbar», heisst es.

Der geplante Wisentpark sei nicht zonenkonform und die Ausnahmebewilligung für die Erstellung eines über vier Kilometer langen und sehr soliden Elektrozauns sei von den Vorinstanzen zu Unrecht erteilt worden. «Das geplante Bauprojekt liegt ausserhalb der Bauzone vorwiegend auf Waldgebiet, in der Juraschutzzone, welche vom Vorranggebiet Natur und Landschaft und vom BLN Gebiet Weissenstein überlagert wird. Bauvorhaben in diesen Zonen und insbesondere im Waldgebiet sind kaum bewilligungsfähig, wie schon viele Bürgerinnen und Bürger erfahren mussten.»

«Wissenschaftliches Experiment ist unnötig»

Weiter wird gesagt, dass die freie Zugänglichkeit des Waldes durch den langen und soliden Elektrozaun stark beschnitten werde. Damit sei die Sicherheit von Wanderern und angrenzenden Landbesitzern gefährdet und der Wildwechsel der einheimischen Arten unterbunden.

Die Wisent-Gegner sind der Meinung, dass die Vorinstanzen dem sogenannten wissenschaftlichen Experiment, ob der Wisent in der Juraregion tragbar ist, einen viel zu hohen Stellenwert beimessen und zu Unrecht grosszügige Ausnahmebewilligungen erteilt haben. Man wisse bereits, wie sich Wisente in freier Natur verhalten und welche Schäden die Tiere an Jungwuchs und Bestockung anrichten, «Das wissenschaftliche Projekt ist unnötig.»

«Es wurde vom Verwaltungsgericht zwar richtig festgestellt, dass der wohl solide, elektrische Zaun keine 100-prozentige Sicherheit bezüglich Ausbrechen der Wisente bieten kann. Im Gegenzug wurde die daraus entstehende Gefahr für die Gesellschaft und das Schadenpotenzial an Flur und Feld aber nicht gewürdigt und die Nachteile - die auch durch den erhofften Tourismus entstehen - für die Gesellschaft und die angrenzenden Grundstückbesitzer ebenfalls negiert und in keiner Weise ernst genommen.»

Tierwohl in diesem Gelände nicht gewährleistet

Das steile und nordexponierte Gelände mit einer langen, vegetationslosen und sonnenarmen Winterperiode eigne sich nicht für die Haltung von so grossen Säugetieren in Gefangenschaft, schreibt die IG weiter. «Um das Tierwohl zu gewährleisten wird eine Zufütterung unumgänglich sein. Dies bewirkt eine klare Verfälschung der sowieso sehr künstlichen Versuchsanlage und zudem verlieren die Tiere ein Teil ihrer natürlichen Scheu.»

Dies wiederum könne sich negativ auf die Sicherheit der Menschen auswirken, welche den freien Zugang zum Waldstück nutzen und dieses begehen.

Bruno Kissling

Dem Urteil des Verwaltungsgerichts sei klar zu entnehmen, dass dem Bauprojekt zwar nur für eine Dauer von fünf Jahren erteilt wird, eine Verlängerung aber durchaus beantragt werden kann. Es sei davon auszugehen, dass eine Verlängerung erwirkt werde, welche dann zwar anfechtbar sei, was aber wieder einige Zeit in Anspruch nehmen würde.

«Während dieser Zeit würde der Betrieb des Wisentparks aufgrund der aufschiebenden Wirkung einfach so weitergehen. Dies sowie die vom Projekt «Wisent Thal» angestrebte Auswilderung will die IG «Wisentansiedlung Nein» auf keinen Fall.

Befürworter glauben weiter ans Projekt

Stefan Müller-Altermatt, Präsident des Vereins Wisent Thal, sagt zum Weiterzug der Gegner: «Wir bedauern ihn natürlich, schauen dem Urteil des Bundesgerichts jedoch mit Gelassenheit entgegen. Wir dürfen angesichts des klaren Verdikts des Verwaltungsgerichts durchaus optimistisch sein.»

So oder so sei diese juristische Schiene nur die eine Schiene. «Klar ist, dass wir auch bei einem für uns positiven Urteil mit der Nachbarschaft auskommen müssen. Dieser Dialog wird in den nächsten Monaten wichtiger sein als die Gerichte», betont Müller-Altermatt.

Auch Edgar Kupper erwähnt die Gespräche, zu denen sich die Parteien vor kurzem getroffen haben; diese sollen voraussichtlich auch in Zukunft weitergehen. «Allerdings sind unsere Positionen sehr weit auseinander.

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