Balsthal

Einnahmen veruntreut? Restaurant-Besitzer klagen gegen Service-Angestellte

Der Angeklagten wurde vorgeworfen, einen Betrag von knapp 1000 Franken storniert zu haben, um das Geld in die eigene Tasche zu schleusen. Themenbild az

Der Angeklagten wurde vorgeworfen, einen Betrag von knapp 1000 Franken storniert zu haben, um das Geld in die eigene Tasche zu schleusen. Themenbild az

Eine Servicefachangestellte eines Thaler Restaurants musste sich wegen Veruntreuung vor Gericht verantworten.

Quasi in Luft aufgelöst hat sich am Mittwoch im Saal des Amtsgerichts Thal-Gäu der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft gegen eine 54-jährige Frau wegen Veruntreuung sowie unrechtmässigem Bezug von Arbeitslosengeld.

Beim verhandelten Fall ging es um die Angeklagte Rita B.*, die für die Besitzer eines Thaler Bergrestaurants als Gastgeberin tätig war. Zu Unstimmigkeiten zwischen den beiden Parteien kam es, als der Verdacht aufkam, Rita B. habe am 28. Juli 2013 einen Betrag von knapp 1000 Franken storniert, um diesen in die eigene Tasche zu stecken.

Umbuchung zu später Stunde

Vor Amtsgerichtspräsident Guido Walser stellte die in gepflegter Kleidung zur Verhandlung erschienene Frau diese Darstellung in Abrede. Bei der erwähnten Stornierung habe es sich um eine Umbuchung gehandelt, weil ein Gast statt mit Bargeld mit Kreditkarte bezahlen wollte. Solche Umbuchungen habe es täglich mehrfach gegeben, das sei ein völlig normaler Vorgang, meinte die selbstsicher wirkende Angeklagte.

Dass sie diese fragliche Umbuchung erst nach der Schliessung des Restaurants um 01.17 Uhr morgens vorgenommen habe, sei nicht aussergewöhnlich, so die 54-Jährige. Sie habe oft so spät die Tagesabrechnung gemacht. An diesem Tag sei ihr aufgefallen, dass die Umbuchung für den fraglichen Betrag noch nicht gemacht worden sei. Sie habe diese danach vorgenommen.

Die als Privatkläger auftretenden Besitzer des Restaurants sind der Auffassung, dass diese Umbuchung zu so später Stunde geschah, weil Rita B. dieses Geld für sich behalten wollte. Solche Stornierungen für die Bezahlung der Kostennote würden eigentlich in dem Moment vorgenommen, wenn der Gast mit Kreditkarte bezahlen wolle, meinte die als Auskunftsperson vernommene Vertreterin der Kläger.

Genauere Auskünfte zum Fall könne sie nicht machen, da dieser zu lange zurückliege, meint die Frau mit Verweis auf die eingereichten Akten. Darin ebenfalls enthalten ist der Vorwurf, Rita B. habe einen Gutschein ausgestellt, ohne diesen ordnungsgemäss einzutragen. Den dafür eingezogenen Betrag von 150 Franken soll sie ebenfalls für sich behalten haben.

Viele hatten Zugang zum Geld

Rita B. zeigte dem Gericht auf, dass nicht nur sie Zugang zu diesem von Gutscheinen stammenden Geld hatte, sondern sämtliche Mitarbeitende. «Ich habe meine Arbeit korrekt erledigt», beteuerte sie.

Die Vertreterin der Kläger verwies ihrerseits darauf, dass auf den ausgestellten Gutscheinen das Kürzel jener Person stehe, welche diese ausgestellt hätten. «Wir bemerken also erst beim Einlösen des Gutscheins, ob der Eintrag im dafür vorgesehenen Buch gemacht wurde», erwähnte die Frau.

Rita B. wurde weiter vorgeworfen, zuviel Arbeitslosengeld bezogen zu haben, weil sie einen Zwischenverdienst dem RAV nicht gemeldet habe. Dies geschah aber wegen einer zeitlichen Überschneidung von Lohnzahlung und Arbeitslosengeld nur verspätet, wie die Angeklagte dazu ausführte. Das RAV sei von ihr informiert worden und die Rückzahlung der zu viel bezogenen 1300 Franken im Anschluss erfolgt.

Verteidiger Arthur Häfliger betonte bei seinen Ausführungen, dass es bezüglich des Gutscheins keine Beweise gebe und bei der fragliche Umbuchung alles rechtens gewesen sei. Die Kläger wollten seine Mandantin mit diesen Vorwürfen lediglich diskreditieren, weil diese nach der ungerechtfertigten Kündigung gerichtlich gegen ihren Arbeitgeber vorgegangen sei und auch gewonnen habe. Häfliger plädierte für Freispruch in allen Punkten.

In der Buchhaltung ausgewiesen

Das Gericht folge diesem Antrag ohne Einschränkung. Den Freispruch wegen Veruntreuung begründete Walser mit dem Verweis, dass der angeblich fehlende Betrag von knapp 1000 Franken in der Buchhaltung korrekt ausgewiesen sei.

Bezüglich des Gutscheins gebe es zu viele Zweifel für einen Schuldspruch. Strafrechtlich nicht relevant sei der Vorwurf, Rita B. habe ihren Zwischenverdienst nicht gemeldet. «Sie ist ihrer Verpflichtung in zumutbaren Rahmen nachgekommen», so Walser.

* Name von der Redaktion geändert

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