Kestenholz
Einmal gab es fürs einstige Schmiedehaus sogar Pläne für ein Dorfmuseum

Der Rückbau des einsturzgefährdeten Hausteils an der Gäustrasse in Kestenholz wurde verzögert aufgenommen. Grund: Man wusste nicht, wer den Rückbau bezahlt. Vor Jahren gab es die Idee, darin ein Dorfzentrum einzurichten.

Alois Winiger
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Am Montagnachmittag wurden die Dachziegel vom einsturzgefährdeten Hausteil entfernt.

Am Montagnachmittag wurden die Dachziegel vom einsturzgefährdeten Hausteil entfernt.

Alois Winiger

Eigentlich hätte der einsturzgefährdete Teil des Hauses an der Gäustrasse neben der Kirche möglichst schnell beiseite geräumt sein sollen, am liebsten schon Ende letzter Woche. Wegen akuter Einsturzgefahr wurde die unmittelbar daran vorbeiführende Kantonsstrasse halbseitig gesperrt (wir berichteten). Die Rückbauarbeiten wurden aber erst am Montag aufgenommen, wie an Ort und Stelle zu sehen war.

Zuerst habe geklärt werden müssen, wer den Rückbau bezahlt, hiess es dort. Die grösste Gefahr sei aber bereits gebannt. Der Druck auf die Mauern wurde gemindert, indem die Ziegel vom Dach des betroffenen Teils entfernt wurden. Man gehe davon aus, dass die Arbeiten im Verlauf von morgen Mittwoch abgeschlossen sind.

Was ist geplant?

Gespannt ist man im Dorf darauf, was nun mit dem frei werdenden Raum geschieht, steht die Liegenschaft doch im Perimeter des Ortsbildschutzes. «So viel ich weiss, will die Bauherrschaft demnächst ein Projekt einreichen, Details sind mir aber bis jetzt nicht bekannt», sagt Gemeindepräsident Roger Wyss. Es gebe Ideen, dass der fragliche Teil der Scheune – er macht ein gutes Drittel der ganzen Liegenschaft aus – frei bleiben könnte. Wer bildet denn nun eigentlich die Bauherrschaft? Das Haus wechselte bekanntlich mehrfach den Besitzer. «Für die Gemeinde ist dies weniger von Belang, ebenso nicht, wer momentan das Haus besitzt oder er es besitzen wird», antwortet Wyss. Die Baukommission werde sich darauf konzentrieren, was für Vorschläge die Bauherrschaft unterbreiten wird und wie sich diese mit dem Ortsbild vertragen.

Eigentlich sei es ja schade, dass es mit dem Haus an dieser so zentralen Stelle im Dorf überhaupt so weit kommen konnte, fügt Roger Wyss bei. «Aber zu lange ging halt nichts.» Besonders bedauerlich sei, dass eine schöne Idee nicht realisiert werden konnte. «Vor einigen Jahren zeigte eine kulturinteressierte Person Interesse an diesem Haus und es gab Ideen dafür, zum Beispiel darin ein Dorfmuseum einzurichten.» Wyss selber befand die Idee als unterstützungswürdig und versuchte, bei der Umsetzung zu helfen. Schliesslich ist das Haus für Kestenholz ein besonders geschichtsträchtiges, steht es doch im Zusammenhang mit dem Bauerndichter Joseph Joachim (1834–1904). Dessen Grossvater betrieb darin eine Schmiede. «Doch das Vorhaben fand zu wenig Unterstützung, vorab in finanzieller Hinsicht», sagt Wyss.

Bleiben soll aber eine Erinnerung an die Familie des Joseph Joachim. Im Balken über dem Scheunentor ist noch heute eine Inschrift zu lesen, die auf das Geschlecht Holzherr hinweist, aus dem die Grossmutter des Dichters stammte.