Kolumne

Einen Lockdown gab es nicht

Wir hatten keinen Lockdown. (Symbolbild)

Wir hatten keinen Lockdown. (Symbolbild)

Auch ich beginne mit dem Wort und dem bestimmenden Thema dieses Jahres: Covid-19. Bitte entschuldigen Sie, liebe Leserinnen und Leser. Gerne hätte ich einen besseren Einstieg in meine Zeilen gewählt, aber seit Monaten bestimmt das Virus unseren Alltag, die Mehrheit unserer Medienberichte, unsere Stammtischgespräche – ob real oder über Skype – und unsere zerschlagenen Urlaubspläne.

Hätten wir noch vor einem Jahr prophezeit, dass eine Krankheit demnächst unsere Aufmerksamkeit komplett in Anspruch nehmen würde, hätten alle schallend gelacht. Unsere Landesregierung übernimmt kurzerhand die Leitung der Geschicke der Schweiz, und wir schauen, was da kommt. So viel zum dem, was überall erlebt und geschrieben wurde.

Was ich aber in der Zeit erlebt habe, ist vergleichbar mit einem Virus, es besitzt eine überaus grosse Energie und ist vielleicht wegweisend für unsere Zukunft. Durch meine Rolle sehe ich in viele Unternehmen hinein und stelle alles Mögliche fest, nur nicht die überall benannte Schockstarre. Die Unternehmen in unserem Bezirk begannen zu denken, zu handeln und sich auf die Zukunft auszurichten.

Die vorherrschenden Themen waren nicht «Kurzarbeit» oder «zweiter Lockdown» sondern: neue Kommunikationswege zu unseren Kunden, mehr Wertschöpfungskette in der eigenen Produktion, Intensivierung des Dialogs zu den Kunden. Also das pure Gegenteil zur Schockstarre und zum bekannten schweizerischen «abwarten und schauen was da kommt». Insbesondere unsere KMUs der Region haben die Hemdsärmel nach hinten gekrempelt, die Augen nach vorne gerichtet und sind in Aktion getreten. Und das quer durch die Branchen – von Druckindustrie bis zu Dienstleistung. Erlebt habe ich diese Tendenz in einer so kurzen Zeit noch nie in meinen über dreissig Jahren als Berater noch nie.

Wir kennen alle das Gleichnis «wenn ich gesund bin, habe ich viele Probleme, als ich krank wurde, hatte ich nur noch eines, nämlich gesund zu werden». Und genau diese Fokussierung erlebe ich in diesen letzten Monaten. Ich bin überzeugt, dass sehr viele Unternehmen gestärkt und mit ihren Gedanken fokussiert in die Zukunft schreiten werden. Egal was da noch kommt. Umso wichtiger ist dabei unser aller Bewusstsein, wohin wir uns wirtschaftlich orientieren. Muss mein Produkt online aus China kommen, oder gibt es das gleiche manuell von Mitmenschen meiner Gemeinde aus Oensingen hergestellt? Jeder Haushalt kann beginnen, so zu denken, jedes Unternehmen sollte sich Überlegungen wie diese als Entscheidungsgrundlage zu Herzen nehmen.

Und nun noch zum Titel meiner Kolumne: Wir hatten keinen Lockdown. Viele von uns konnten arbeiten, wenn auch in modifizierter Weise, konnten mit unseren Hunden Gassi gehen, unseren Körper mit Fitnessübungen stählen. Wir hatten einen Shutdown – mit Freiheiten und Freizeit wie sie die meisten von uns noch nie erlebt haben. Die Menschen in unseren Nachbarländern verbrachten Wochen quasi eingesperrt zu Hause. Nehmen wir doch dieses spezielle Jahr als Anlass für mehr Gemeinschaft und wirtschaftliche Verbundenheit zu unserem Umfeld. Dann hat das ganze sogar etwas gebracht.

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