Amtsgericht Thal-Gäu

Eine Woche U-Haft wegen Erpressung: Mazedonier sass zu Unrecht im Gefängnis

Der in der Erotikszene bekannte Klub an der Solothunerstrasse in Klus-Balsthal hat schon einige Besitzerwechsel hinter sich.

Der in der Erotikszene bekannte Klub an der Solothunerstrasse in Klus-Balsthal hat schon einige Besitzerwechsel hinter sich.

Dem 40-jährigen Mazedonier Arda P. wurde vorgeworfen, ohne Gewerbepatent einen Sex-Klub in Balsthal geführt zu haben. Und weil er den Besitzer des fraglichen Klubs erpresst haben soll, steckte die Polizei ihn in Untersuchungshaft — zu Unrecht wie sich herausgestellt hat.

Mit einem etwas mysteriösen – weil in Bezug auf das Motiv nicht nachvollziehbaren – Fall hatte sich am Montag Amtsgerichtpräsident Guido Walser zu befassen. Dabei ging um eine Kontaktbar an der Solothurnerstrasse in Klus-Balsthal, deren erotische Dienstleistungen im Internet angepriesen werden.

Vor Gericht stand der 40 Jahre alte Mazedonier Arda P.*. Dem im Thal wohnhaften Lageristen wurde vorgeworfen, vom 11. bis 15. Dezember 2015 ohne Gewerbepatent besagten Club geführt und während dieser Zeit drei Ausländerinnen ohne Bewilligung beschäftigt zu haben. Auf Walsers Nachfrage beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Er habe vielmehr den damaligen Geschäftsinhaber Peter B.* während dessen Abwesenheit vertreten.

Chef verschwand spurlos

Näher kennen gelernt habe er diesen, weil er für den Club eine Homepage erstellt habe. «Peter B. hat mir angeboten, bei ihm an Stelle der zwei serbischstämmigen Security zu arbeiten», berichtete Arda P. Die zwei Männer hätten allerdings für ihren Abgang eine Zahlung von 30'000 Franken verlangt. Geschäftsinhaber Peter B. habe wenig später das Haus verlassen und ihn gebeten nach den Rechten zu schauen.

Zu Gesicht bekam Arda P. seinen Chef aber nicht mehr. Dafür marschierte am 15. Dezember die Polizei im Club auf und steckte Arda P. sieben Tage in Untersuchungshaft. Der Mazedonier traute seinen Ohren nicht, als er bei der Einvernahme durch die Polizei erfuhr, dass er versucht haben soll, von seinem Chef 30'000 Franken zu erpressen.

Verteidiger Christoph Schönberg führte vor Gericht aus, wie es dazu kommen konnte. So haben offenbar Leute vom Club-Besitzer das Gerücht von der Erpressungen in Umlauf gebracht. Anschliessend soll Arda P. in einen Raum gelockt worden sein, wo er auf jenen Mann traf, der dieses Gerücht verbreitet hatte. In der von einer Kamera gefilmten Szene soll zu sehen sein, wie Arda P. den Mann nicht gerade zimperlich zu Rede stellte. Gestützt darauf und die Information von Peter B. von der angeblichen Erpressung observierte die Polizei gemäss Schönberg seinen Mandanten und überwachte auch dessen SMS-Verkehr.

Schönberg attestierte der Polizei in diesen Zusammenhang schlecht und zum Nachteil seines Mandanten ermittelt zu haben. So sei aus den unzähligen an Club-Inhaber Peter B. geschickten SMS klar hervorgegangen, dass sein Mandant sehnlichst auf die Rückkehr seines Chefs gewartet habe. Dieser habe allerdings erst Tage später und nur kurz per SMS gemeldet, dass er wegen eines Lungenleidens in einer Privatklinik liege.

Ob dies der Wahrheit entsprochen habe, könne nicht mehr überprüft werden, zumal sich Peter B. mit seinem serbischen Freund nach Serbien verabschiedet habe, wie Schönberg bemerkte. Tatsache sei hingegen, dass Arda P. sieben Tage unschuldig in Untersuchungshaft gesessen habe. Trotzdem habe die Staatsanwaltschaft seinem Mandanten einen Strafbefehl wegen mehrfacher Beschäftigung von Ausländerinnen sowie Patentanmassung geschickt.

Polizei informierte unvollständig

Der Staatsanwaltschaft könne kein Vorwurf gemacht werden, so Schönberg. Die Polizei habe es unterlassen, sie vom besagten SMS-Verkehr zu unterrichten. «Hätte dieser vorgelegen, wäre sofort klar gewesen, dass mein Mandant dem Club-Betreiber nur einen Freundschaftsdienst erweisen wollte». Warum Peter B. für die Falschaussage nicht belangt worden sei, bleibe für ihn rätselhaft. Gegenüber den Ermittlungsbehörden hatte der aus dem Kanton Bern stammende Club-Betreiber stets betont, Arda P. nicht gebeten zu haben, in seinem Geschäft zum Rechten zu schauen.

Der von der Staatsanwaltschaft ausser Acht gelassene SMS-Verkehr gab denn auch den Ausschlag für den Freispruch von Arda P. in allen Anklagepunkten. Amtsgerichtspräsiden Guido Walser sah es als erwiesen an, dass der seit 1991 in der Schweiz lebende und verheiratete Mazedonier nur aushilfsweise den Club fünf Tage geführt habe. Deshalb könne er auch nicht für die Beschäftigung von Ausländerinnen ohne Bewilligung zur Verantwortung gezogen werden.

* Namen von der Redaktion geändert

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Autor

Erwin von Arb

Erwin von Arb

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