Oensingen
Eine wahre «Oensinger Institution» wird für sein Schaffen geehrt

Der ehemalige Lehrer Heinz Studer wurde postum für sein Schaffen von der Gemeinde geehrt. Studer prägte das öffentliche Leben in Oensingen über Jahrzehnte hinaus bedeutend mit.

Urs Amacher
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zvg

In den letzten 50 Jahren prägte Heinz Studer durch sein vielseitiges Engagement das öffentliche Leben im Dorf am Fusse der Bechburg. Er war eine wahre «Institution». Die Ehrung im Rahmen der offiziellen Verabschiedung und Vereidigung von Oensinger Behördenmitgliedern vor kurzem konnte er allerdings nicht mehr entgegennehmen: Er starb am 12. Juli 2017.

Geboren wurde Heinz Studer am 13. Mai 1932 in Kestenholz. Sein Vater arbeitete als Schriftsetzer, unter anderem beim Walter Verlag in Olten und bei der Firma von Roll. Seine Mutter wirkte in den Kriegsjahren als Köchin im Restaurant «Waldheim». Nach der Bezirksschule wechselte Heinz Studer ans Lehrerseminar in Solothurn. Seine erste Stelle trat er in Büsserach an, bevor er im Herbst 1953 als Primarlehrer nach Oensingen gewählt wurde.

Chorleiter und Sänger

Ende der 1950-er Jahre suchte die Schule Oensingen ein Ferienhaus für Sommerlager in den Alpen. In Bellwald konnte eine Baubaracke gemietet werden, die 1978 von einem Neubau ersetzt wurde. Zusammen mit Bruno Rudolf fungierte Heinz Studer lange Jahre als Lagerleiter im Walliser Bergdorf.

Während seiner Lehrertätigkeit in Büsserach lernte Studer im Kirchenchor Helen Meyer aus Reinach kennen. Die beiden heirateten 1957; im gleichen Jahr kam Sohn Mark zur Welt, 1959 Christof und 1967 die Tochter Kathrin. Die Musik begleitete den Junglehrer durch das ganze Leben. Er übernahm die Leitung der Kirchenchöre in der Pfarrei St. Georg in Oensingen und im Mümliswil. Mit seinen Schülerinnen und Schülern wurde Studer überdies an Auftritte engagiert, etwa an die Entlassung der Wehrmänner aus der Dienstpflicht oder 1967 an die offizielle Eröffnungsfeier der Nationalstrasse N 1.

Auch als Sänger war er aktiv, etwa im Lehrergesangsverein Olten bis zu dessen Auflösung 2008 als Tenor und 1982–1983 als Vereinspräsident ad interim. Ausser Singen und Werken unterrichtete Lehrer Studer auch Gärtnern. Er legte deshalb selbst in der Freizeit gerne Hand an. So baute er die Umfassungsmauer seines am Hang gelegenen Hauses am Burgweg aus grossen Steinquadern selber. Auf der Bechburg legte er einen Kräutergarten an und pflanzte Kopfweiden, aus deren Ruten er Weidenkörbe flocht.

1000-Jahrfeier und Zibelimäret

Heinz Studer fungierte 1968 als OK-Präsident des Jubiläums zur Ersterwähnung von «Oingesingin» (Oensingen). Dabei zogen sich die Festivitäten über das ganze Jahr hin. Eine Attraktion unter vielen war die Wiederbelebung des Zibelimäret. Wegen des grossen Erfolgs half Heinz Studer mit, den Zibelimäret jeweils am letzten Oktoberwochenende zu einer Institution werden zu lassen.

Als unter der Tenne der «Krone» ein altes Gewölbe zum Vorschein kam, gründete Heinz Studer zusammen mit Kollegen und Kunstschaffenden das Kronenkellerkomitee, um diesen Keller als Raum für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Aus diesem Komitee wurde auch die Redaktion eines neuen Dorfblattes, «dr Önziger», geboren, dessen erste Nummer im Juni 1979 erschien.

Schlosswart Studer

Im Jahre 1975 wurde der Besitz des Schlosses Neu-Bechburg in eine neugegründete Stiftung überführt. Auch hier war Heinz Studer eine treibende Kraft. Ab 1982 wirkte er zudem als Schlosswart, zuerst nebenamtlich und nach der Pensionierung als Lehrer vollamtlich bis zum Jahr 2003. Danach war er weiterhin in der Seniorengruppe aktiv, die das Schlosswäldli im Schuss hält.

An der Jahresversammlung der Freunde der Bechburg wurde Heinz Studer 2012 zusammen mit Kustos Bruno Rudolf für seine grossen Leistungen geehrt. Den für 2017 vorgesehenen Dank der Einwohnergemeinde persönlich entgegenzunehmen, war ihm leider nicht mehr vergönnt.