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«Eine unverdauliche Pille»: Das Egerkinger Komitee mobilisiert und verärgert die Gemeindepräsidentin

Die Exponenten des Egerkinger Komitees fordern die Gemeindepräsidentin auch mit dem «Verhüllungsverbot» wieder heraus.

Die Exponenten des Egerkinger Komitees fordern die Gemeindepräsidentin auch mit dem «Verhüllungsverbot» wieder heraus.

Dass das Egerkinger Komitee den Ortsnamen braucht, stört die Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi.

Vor fast genau zehn Jahren wurde die Minarett-Verbotsinitiative vom Schweizervolk angenommen. Und drei Jahre früher noch wurde das Egerkinger Komitee aus der Taufe gehoben. Jene Gruppierung um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann, welche das Volksbegehren lanciert hatte.

Damals wie heute gilt: Die Gemeinde schreibt sich nicht auf die Fahne, Gründungsort jenes Komitees zu sein, das national (und zum Teil international) immer wieder mit dem Ortsnamen in Erscheinung tritt. Im Gegenteil: Vor vier Jahren distanzierte sich der Gemeinderat in aller Form vom rechtsbürgerlichen Komitee und verlangte von diesem, den Namen der 3500-Seelen-Gemeinde nicht mehr zu führen. Von einer «Verunglimpfung» gar war die Rede. Dies mit Blick auf die Reputation der Jurasüdfuss-Gemeinde.

Passiert ist seither nichts. Damals wie heute ist der Verzicht auf die Erwähnung des Gründungsorts kein Thema. Denn die Abstimmung über das Verhüllungsverbot im öffentlichen Raum, das ebenfalls auf dem Mist des Egerkinger Komitees gewachsen ist, naht mit grossen Schritten. Dies, nachdem der Ständerat in der vergangenen Woche dem indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates zugestimmt hat. Das bedeutet auch, dass das Komitee in den kommenden Monaten noch vermehrt in Erscheinung treten wird. Wobmann sagt: «Wir stellen uns auf einen Abstimmungskampf ein, den wir leidenschaftlich führen werden.»

«Eine unverdauliche, ungeniessbare Pille»

Gar nicht zur Freude von Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi: «Egerkingen hat nichts am Hut mit dem gleichnamigen Komitee, das einzig und allein so heisst, weil das Komitee in einem Konferenzhotel in Egerkingen gegründet worden ist.» Als Gemeindepräsidentin ärgere und schäme sie sich, «denn Egerkingen wird dabei in Verbindung mit einer fremdenfeindlichen Gesinnung gebracht, die für unser Dorf als Sitzgemeinde von international tätigen Firmen mit Kunden aus aller Welt schädlich ist», sagt Bartholdi. Leider könne sich die Gemeinde nicht dagegen wehren – so wie auch Luxemburg nichts gegen den Verkauf von «Luxemburgerli» einwenden könne. Wobei der Vergleich hinke, wie Bartholdi scharfzüngig meint: «Ist das eine ein Genuss, ist das andere eine unverdauliche, gallenartige und ungeniessbare Pille.»

Nicht äussern mag sich die FDP-Frau zu den Angriffen des Egerkinger Komitees auf Freisinnige, die nach dessen Ansicht «radikale Islamisten» schützen, weil sie in der Herbstsession einen einschlägigen SVP-Vorstoss abgelehnt haben. «Auf diese Provokation möchte ich nicht weiter eingehen», sagt die Gemeindepräsidentin, gewitzigt aus früheren Erfahrungen. «Damit erhält das Komitee nur noch mehr Aufmerksamkeit.»

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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