Verkehrsknotenpunkt
Eine Übersicht der laufenden Verkehrsprojekte in Oensingen und wie sie zusammenhängen

Oensingen ist Knotenpunkt für mehrere Verkehrsprojekte von kantonaler und nationaler Bedeutung, allen voran die Entlastungsstrasse in die Industrie der Gemeinde.

Gülpinar Günes
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In den nächsten Jahren werden sowohl die A1 als auch die Autobahnausfahrt in Oensingen anders aussehen. (Archivbild)

In den nächsten Jahren werden sowohl die A1 als auch die Autobahnausfahrt in Oensingen anders aussehen. (Archivbild)

Simon Dietiker

Das Gäu wachst: Mit seiner zentralen Lage und der Nähe zur Hauptachse der Schweizer Autobahn, der A1, zieht das Gebiet viele Unternehmen an. Eine Entwicklung mit Vor- und Nachteilen für die Gemeinden rund um den Hotspot. Der Normalbürger spürt davon vor allem eines: den zunehmenden Strassenverkehr. Laut dem Bundesamt für Statistik sind 2019 rund 12000 Stunden Stau auf der A1 gemessen worden, 6 Prozent mehr als noch im Jahr davor.

Das führt zu Fluchtverkehr über die Hauptstrassen der Gemeinden, Verkehrsüberlastung, Schwerverkehr, Lärmemissionen, kurz zum Verlust der Lebensqualität in den Dorfzentren. Seit mehreren Jahren laufen schweizweite und kantonale Projekte, den Verkehr wieder flüssiger zu machen und aus den Zentren zu lenken, insbesondere am Knotenpunkt Oensingen. Dort finden mehrere Projekte zusammen und sind mittlerweile so weit ausgereift, dass die neuen Verkehrsführungen noch in diesem Jahrzehnt eröffnet werden sollen, wie der Gemeindepräsident Fabian Gloor sagt.

Das Vorprojekt für die Entlastungsstrasse wurde in der Zwischenzeit Teil des kantonalen Richtplans: Für die Entlastungsstrasse wird der Verkehr auf der Oltenstrasse in Richtung Oensingen auf der Höhe des Oensinger Schützenhauses über einen Kreisel gegen Süden abgelenkt. Unter der Bahnlinie hindurch und über einen weiteren Kreisel an der Kreuzung der Kestenholz- und Jurastrasse gelangt der Verkehr schliesslich zur südlichen Autobahneinfahrt, zur Industrie oder in Richtung Niederbipp. An dieser Stelle wird ein Kreisel mit einem Durchmesser von rund 70 Metern entstehen, der die Zufahrt zur Autobahn und in die Industrie regelt.

Gleichzeitig wird das Bundesamt für Strassen (ASTRA) im Rahmen des 6-Spur-Ausbaus der A1 die Autobahnausfahrt Süd verbreitern, übersichtlicher machen und mit Ampeln regeln. Die Gemeinde reichte Ende letztes Jahr das Projekt zur Langsamverkehrsanbindung in diesem Bereich beim Regierungsrat zur Genehmigung ein. «Die Projekte sind alle aufeinander abgestimmt, sodass kein LKW mehr durch das Dorf fahren muss», sagt Fabian Gloor, der bei einem Gespräch mit dieser Zeitung den Stand der Projekte erläutert.

Sogar der Bund begrüsst das Projekt

Wie Gloor weiter ausführt, hat mittlerweile auch das Bundesamt für Raumplanung (ARE) des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) seinen Segen für die Entlastungsstrasse ausgesprochen und erachte das Vorhaben als sinnvoll. «Das ist eine wichtige Bestätigung unserer Überlegungen und der Notwendigkeit dieser Massnahmen», so Gloor.

Derweil kümmert sich eine Arbeitsgruppe mit über 20 Personen aus Oensingen um die «Lebensader» der Gemeinde, die Hauptstrasse, die nach den Projekten an Lebensqualität und Sicherheit gewinnen soll. Die Gruppe beschäftigt sich mit Möglichkeiten, die Hauptstrasse aufzuwerten und neue Lebensräume zu schaffen. So könnte in naher Zukunft beispielsweise der «Zibelimäret» wieder an seinem traditionellen Standort durchgeführt werden.

Die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppe werde die Gemeinde im Verlauf des nächsten Halbjahres veröffentlichen können. Bis die Ideen realisiert werden können, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. Aber: «Zwei Drittel des Weges haben wir bereits hinter uns gelegt», sagt Gloor auch in Zusammenhang mit dem Ausbau der A1. Dieses Jahr muss der Kanton in Zusammenarbeit mit der Gemeinde ein Ausführungsprojekt für die Entlastungsstrasse erarbeiten.

Politische Lösung gesucht

Sechspurausbau A1 Der Ausbau der A1 im Abschnitt zwischen Härkingen und Luterbach schreitet ebenfalls voran. Letztes Jahr haben sich Vertreter der betroffenen Gemeinden, des Kantons, des Bundes sowie des Bauernverbands und der Naturverbände zu einem «Runden Tisch» getroffen und Vorschläge erarbeitet, den Ausbau umweltverträglicher und lärmarmer zu machen. Sie fordern Lärmschutzmassnahmen auf der ganzen Länge, wie Untertunnelung, Einhausung und Lärmschutzwände.

Mit einem offenen Brief an den Bundesrat und an den Regierungsrat des Kantons Solothurns Ende vergangener Woche verlieh die Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu dieser Forderung Nachdruck. Um die Frage auf politischer Ebene zu lösen, verzichten die Gemeinden auch darauf, die Abweisung ihrer Einsprachen zu denselben Belangen im Projekt ans Bundesverwaltungsgericht zu ziehen. Das Projekt ist mittlerweile kurz vor der Ausführung und soll voraussichtlich 2024 starten. (gue)


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