Kerzenziehen
«Eine Tonne Wachs pro Saison»

Der Niedergösger Peter Wyser zieht seit 40 Jahren Kerzen, entwickelte eigens Wachsschmelzgeräte und vermietet diese in der ganzen Region

Rahel Bühler
Merken
Drucken
Teilen
Peter Wyser zeigt die Wachsplatten aus einem Gemisch aus Stearin und Paraffin. Eine Platte ist fünf Kilogramm schwer.

Peter Wyser zeigt die Wachsplatten aus einem Gemisch aus Stearin und Paraffin. Eine Platte ist fünf Kilogramm schwer.

HR.Aeschbacher

Kerzenziehen in der Adventszeit? Ja. Nur für Kinder? Bei weitem nicht – wie der Niedergösger Mechaniker Peter Wyser, der mittlerweile pensioniert ist, beweist. Seit 40 Jahren betreibt er das Kerzenziehen als Hobby. «Angefangen hat es, als eine Gruppe junger Eltern in Niedergösgen einen Anlass für die Kinder organisieren wollte und dafür Kerzenziehen auswählte», erklärt er. Das Kerzenziehen war zu dieser Zeit in der Region noch nicht bekannt. Die Idee kam vom Zürcher Kerzenziehen am Bürkliplatz, welches heute noch durchgeführt wird. Aus dieser Gruppe entstand daraufhin der Verein «Mitenand», der heutige Elternverein Niedergösgen. Zu Beginn verwendete der Verein die herkömmliche Variante mit heissem Wasser. Dabei wird ein Docht in ein Wachsschmelzgefäss getunkt, welches in einem Wasserbad steht. Peter Wyser als gelernter Mechaniker war mit dieser Methode allerdings nicht zufrieden und begann zu experimentieren. Er wollte breitere und längere Gefässe entwickeln, damit grössere Kerzen gezogen werden können. Ein wichtiger Punkt schien im ausserdem, dass kein heisses Wasser verwendet wird, an dem sich die Benutzer verbrennen können.

Zuerst versuchte es Wyser mit Kochplatten, die unter die Gefässe, die das flüssige Wachs enthielten, gestellt wurden. Doch auch dies erzielte nicht das gewünschte Ergebnis. Nach ungefähr zehn Jahren konnte die Experimentierphase abgeschlossen werden: Ein rohrartiges Wachsschmelzgefäss aus Aluminium im Inneren und Plastik im Aussenbereich war das Produkt. Erwärmt wird es mit einer einfachen elektrischen Steuerung, die ein befreundeter Elektriker entwickelt hat. Es gibt – nicht wie beim herkömmlichen Kerzenziehen – pro Farbe einen Topf. In ein solches Gefäss passen 15 Kilogramm Wachs, welches darin bei einer Temperatur von 76 Grad Celsius optimal schmilzt. Dadurch dass kein heisses Wasser zum Schmelzen des Wachses benötigt wird, ist die Verletzungsgefahr für die Benutzer sehr gering.

Kleinere Nachfrage

Während einigen Jahren führte Peter Wyser mit dem Verein «Mitenand» selber Kerzenziehen durch und erstellte die Wachsschmelzgefässe ausschliesslich für den Verein. Heute gehören die Gefässe ihm und er vermietet an sie verschiedene Schulen oder Vereine aus der Region. Die Schule Kappel, das Jubla Kestenholz oder das Robi Olten führten erst vor kurzen Kerzenziehen mit seinen Schmelzgefässen durch. Er hat 22 Gefässe, die hauptsächlich von Anfang November bis Mitte Dezember im Einsatz stehen. Gelagert werden sie bei einem Kollegen. Das Wachs ist bei Wyser zu Hause in der Garage untergebracht.

Das Geschäft laufe gut, in dieser Saison habe er etwa eine Tonne Wachs gebraucht. Dennoch stellt der ehemalige Physik-Laborant der Kanti Olten fest: «Vor 15 Jahren war die Nachfrage grösser. Heute kann man an so vielen Orten Kerzen ziehen.»

«Ein Hobby – kein Geschäft»

Neben geeigneten Geräten braucht es zum Kerzenziehen vor allem eines: Wachs. Verwendet wird entweder Bienenwachs oder eine Mischung aus Stearin und Paraffin. Die Mischung lässt sich nach Belieben einfärben. Die Schulen oder Vereine, die Wysers Schmelzgeräte mieten, können bei ihm auch Wachs kaufen. Peter Wyser bezieht das Wachs von einer Kerzenfabrik in Einsiedeln SZ. Die Wachsplatten sind fünf Kilogramm schwer. «So lassen sie sich gut verkleinern», erklärt der pensionierte Mechaniker.

Fast als eigene kleine Wissenschaft kommt es einem vor, wenn Peter Wyser über die verschiedenen Dochtarten und deren Verwendung referiert: «Je dicker die Kerze desto dicker muss der Docht sein.» Acht verschiedene Dochtarten stehen bei den Anlässen, die Wysers Gefässe verwenden, zur Verfügung. Unterschieden wird zudem zwischen Runddocht und Flachdocht, deren Anwendungsgebiete unterschiedlich sind.

Nach über 40 Jahren als Kerzenzieher wird es für Peter Wyser Zeit, den Stab weiter zu geben. «Ich habe einen Nachfolger gefunden, dem ich die Geräte schenken werde», erzählt er. Verkaufen kommt für den 72-Jährigen nicht infrage. Er habe das Kerzenziehen stets als Hobby, nicht als Geschäft gesehen.