Stüsslingen

Eine Stunde lang mit Tempo 60 hinter dem Motorrad her

Von Stüsslingen aus geht es für Moreno Angst in den Trainings häufig über die Salhöhe.

Von Stüsslingen aus geht es für Moreno Angst in den Trainings häufig über die Salhöhe.

Am Mittwoch absolvierte der Stüsslinger Rennvelofahrer Moreno Angst ein Töfftraining als letzte Trainingseinheit vor dem Dreitagesrennen in Tuggen. Ein Einblick in den anstregenden Formaufbau.

Es ist Donnerstagabend. Ich treffe mich mit dem Elite Rennvelofahrer Moreno Angst für ein kurzes Gespräch. Unser Treffpunkt ist beim Kreisi in Mittelgösgen. Doch zuerst brauchen wir ein paar Fotos. Deshalb machen wir uns auf den Weg zum Golfplatz in Stüsslingen. Spätestens bei dieser Fahrt nach Stüsslingen wird mir klar, dass Moreno Angst nicht ein gewöhnlicher Amateur-Rennvelofahrer ist. Mit rund 40 Stundenkilometern braust er locker neben meinem Roller her. Dies trotz einer intensiven Trainingseinheit am Vortag.

Töfftraining

Auf dem Programm stand nämlich ein Töfftraining. Doch zuerst fuhr Angst von seinem Arbeitsort Geroldswil zum Trainingsort Kappelen. Dort traf er sich mit drei Teamkollegen vom EKZ Racing Team, um zum gemeinsamen Töfftraining aufzubrechen. Töfftraining funktioniert ziemlich einfach. Der Trainer legt auf dem Motorrad ein Richttempo vor und die Gruppe muss ihm folgen. Doch ganz so simpel, wie das Training auf den Laien wirkt, ist es eben nicht, denn es birgt zahlreiche Schwierigkeiten.

Die Hauptschwierigkeit liegt in der Rotation. Die Fahrer hinter dem Motorrad halten nämlich nicht einfach ihre Position, sondern der vorderste Fahrer klinkt laufend aus, um am Ende der Gruppe wieder anzuschliessen. Genauso, wie man es bei den Strassenrennen im TV in funktionierenden Fluchtgruppen beobachten kann. In dem Moment, in dem der vorderste Fahrer das Hinterrad des Motorrads verlässt, setzt er sich voll dem Wind aus und verliert sämtlichen Windschatten. Jetzt gilt es, erstens nicht das ganze Tempo zu verlieren und zweitens sich so schnell wie möglich wieder am Ende der Gruppe anzuhängen - was nicht ganz einfach ist, schliesslich rollen die Fahrer mit ihren Rädern im Abstand von einigen wenigen Zentimetern hintereinander her. Aber der grösste Gegner in diesem Training ist der Trainer. Dieser gibt unermüdlich ein Tempo von nicht weniger als 60 Stundenkilometern vor, und zwar während einer vollen Stunde und ohne Rücksicht auf die Topografie der Runde.

Kampf mit der Formschwäche

Am Mittwoch war die Trainingseinheit für Moreno Angst etwas zu streng. In der dritten von vier Runden musste er abreissen lassen. Diesen Einbruch im Training führt er vor allem auf seine momentane Formschwäche zurück. Bereits im Trainingslager Mitte Februar verliefen die Trainingseinheiten «etwas gar harzig» und Angst kam nicht richtig in Form. Die ersten Rennen der Saison verliefen aber wider der Erwartungen sehr gut. Doch anfangs März stürzte er, zog sich einige Prellungen und Schürfungen zu und konnte während fünf Tagen nicht trainieren. Doch auch nach dieser Verletzung zeigte Angst bei den Rennen ansprechende Leistungen. Der eigentliche Formeinbruch folgte nach Ostern. Der Stüsslinger zog sich eine schwere Erkältung zu, musste ein Rennen auslassen und konnte während zehn Tagen kein Training auf dem Velo absolvieren. Diesen unverhofften Trainingsausfall spürt er auch heute noch. Die Beine sind müde, die Form stimmt nicht mehr. «Ich bin nicht dort, wo ich sein sollte. Die Form kommt zwar langsam wieder, aber die anderen Fahrer geben ihrer Form momentan den letzten Schliff und ich muss meine eigentlich wieder von null weg aufbauen.»

Nichtsdestotrotz zeigt sich Angst optimistisch für die nächsten Rennen. Der 24-Jährige fuhr letzte Saison regelmässig Spitzenplätze heraus, doch zu einem Sieg in einem Strassenrennen reichte es bisher noch nicht. Dies soll sich aber bald ändern. «Es braucht sehr viel, um von einem Podiumsfahrer zu einem Siegfahrer zu werden. Aber wenn alles von A bis Z stimmt, wenn ich wieder in guter Form bin und auch die Konstellation gut ist, dann kann es klappen mit dem Sieg. Letztlich ist alles eine Frage des Trainings.»

Auch die Hoffnung, in einem Pro Tour Team Unterschlupf zu finden, hat Moreno Angst noch nicht aufgegeben. «Du musst dich einfach beweisen, damit sie auf dich aufmerksam werden.» Doch die Zeit drängt langsam. Die jungen Nachwuchsfahrer rücken von unten her nach und mit jedem Jahr wird es schwieriger, sich einen dieser heiss begehrten Plätze zu erkämpfen. Doch Moreno Angst ist bereit, zu kämpfen und kennt den Schlüssel zum Erfolg: «Du musst einfach trainieren.»

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