Heimatschutzpreis

Eine Strasse von gesellschaftlicher Bedeutung: Die Passwangstrasse wird geehrt

Solothurner Heimatschutzpreis für die Passwangstrasse.

Der «Solothurner Heimatschutzpreis 2019» geht an das Kulturerbe Passwangstrasse in Mümliswil-Ramiswil. Die Strasse sei in ihrer Art einzigartig im ganzen Kanton.

Was zeichnet eine Strasse aus, dass ihr ein Heimatschutzpreis zugesprochen wird? Es sei die gesellschaftliche Bedeutung in Kombination mit innovativen technischen Lösungen, schreibt der Solothurner Heimatschutz in seiner Begründung für den Preisträger 2019. Dies trifft auf die Passwangstrasse zu und deshalb sei sie einzigartig für den Kanton Solothurn. Sie verbindet das Schwarzbubenland mit dem südlichen Kantonsteil.

Karrengeleise bei der St. Josefskapelle, auf der Nordseite des Passes, zeugen von den frühen Herausforderungen das schwierige Gelände zu bezwingen. Bereits zur Zeit der Gründung des Klosters Beinwil 1085 gab es einen Übergang, allerdings noch mit einer anderen Linienführung. 1666 bauten die Solothurner an dem Übergang, um ihre neu errungenen Gebiete nördlich des Passwangs zu sichern. So hatte die Strasse in jener Zeit wohl eher eine militärisch-politische, denn eine wirtschaftliche Bedeutung.

Streit mit den Baslern um Zollgebühren

1729 begann man in Mümliswil mit einem weiteren Ausbau der Strasse zum Neuhüsli im Beinwil. Basel war mit diesem Bau gar nicht einverstanden und brachte die Sache vor die Tagsatzung. Man beanstandete, dass mit dieser Strasse eine direkte Verbindung vom katholischen Frankreich ins katholische Solothurner Gebiet möglich sei; das sei sehr gefährlich. Doch wahrscheinlich ging es den Baslern eher um die Verluste an Zollgebühren für den Salzhandel aus Lothringen, welche die Solothurner vorher bei der Passage durch den Oberen Hauenstein entrichten mussten. Die «Lange Brücke» bei Erschwil, längs zur Lüssel, war 1730 eine äusserst kreative Lösung, die schmale Schlucht befahrbar zu machen.
Eigentlich waren die Schwarzbuben mit dem Übergang ins südliche Kantonsgebiet eher unzufrieden. So gab es immer wieder Vorstösse und Projekte für eine neue Strassenführung. Bereits 1853 plante man ein Basistunnelprojekt vom Neuhüsli ins Guldental. Das Projekt scheiterte im Kantonsrat an den hohen Kosten.

1923 wurde die Strasse bis zum Neuhüsli so ausgebessert, dass das Postauto verkehren konnte und im Jahr 1931 begann man mit der «Notstandsarbeit» Passwang, zu welcher der Durchstich durch den 180 Meter langen Zingeltunnel im September 1931 gehörte. Rund 300 Beschäftigte, davon 90 Prozent Arbeitslose arbeiteten in dieser Phase an der Passstrasse. Ab Herbst 1933 war die Strasse befahrbar, allerdings noch ohne Teerbelag. Um 1960 wurde wieder von einem Basistunnel gesprochen, die Strasse dann aber in den folgenden Jahren in einigen Bereichen ausgebessert. Heute ist eine Untertunnelung kein Thema mehr.

Teuer und bautechnisch anspruchsvoll

Seit 2015 wird die Passstrasse ab dem Zingelentunnel auf der nördlichen Seite einer gründlichen Sanierung unterzogen. Die teilweise aussergewöhnlichen baulichen Massnahmen sind in Bezug auf die Strassenführung zurückhaltend, jedoch bautechnisch überaus anspruchsvoll und können mit Passstrassenbauten in den Alpen mithalten. Die Kosten der Strassensanierung vom Zingelentunnel Nordportal bis in den Bereich Schiltloch betragen insgesamt 21,5 Mio. Franken, inklusive Nachtragskredit. Ab 2020 wird die Sanierung der Passstrasse Richtung Neuhüsli wiederum in Etappen an die Hand genommen.

«Ausserordentliche Bauwerke brauchen ausserordentliche Beteiligte, damit sie zum Kulturerbe werden», schreibt der Solothurner Heimatschutz weiter in seiner Begründung für den Preis. Die Passwangstrasse gehöre durch ihre Geschichte und ihre technischen Bauwerke definitiv dazu. Und der Präsident des Gremiums, der Solothurner Architekt Daniele Gambrone sagt: «Klar ist es ungewöhnlich, eine Strasse mit einem Preis auszuzeichnen. Doch dieses Bauwerk ganz auf Kantonsgebiet, welches eine so reiche Geschichte aufweist und eine wunderschöne Landschaft durchsticht, verdient es, ins Licht gerückt zu werden.»
Dieser 18. Solothurner Heimatschutzpreis wolle auf das Einzigartige im Alltäglichen aufmerksam machen. «Der Strasse selbst kann man ja keinen Preis verleihen, deshalb werden Baudirektor Roland Fürst sowie geladene Bauleute bei der Verleihung anwesend sein. An beiden Tunnelportalen werde neu ein Schild angebracht, welches auf den Preis hinweist, verrät Gambrone.

Am Samstag, 19. Oktober um 17 Uhr findet die Preisfeier im Kloster Beinwil statt. Es ist möglich, mit einem historischen Postauto ab Balsthal (Treffpunkt 15 Uhr Bahnhof Balsthal, Platzzahl beschränkt) anzureisen. Landammann Roland Fürst wird eine Laudatio halten.

Quelle: «Unterwegs in solothurnischen Landschaften».

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