Oensingen

Eine «Spielwiese» für den neuen Besitzer: Es wurde doch noch ein Nachfolger für das Kino Onik gefunden

Von links: Sabrina Hediger, Ronny Hediger, Benjamin Hediger, Eva Riesen mit Kinohund Sanso und Christian Riesen im Kinosaal des Kinos Onik.

Von links: Sabrina Hediger, Ronny Hediger, Benjamin Hediger, Eva Riesen mit Kinohund Sanso und Christian Riesen im Kinosaal des Kinos Onik.

Das Oensinger Kino Onik hat nun doch noch einen neuen Besitzer bekommen.

Nachdem diese Redaktion vor ziemlich genau einem Monat auf die bevorstehende Schliessung des Oensinger Kino Onik aufmerksam machte, ereignete sich in der Zwischenzeit doch noch ein Wunder für den kleinen Kinobetrieb. In einem Bericht dieser Zeitung wurde bereits im Januar dieses Jahres darauf verwiesen, dass das Kino eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer suche. Nach dem Tod des ehemaligen Inhabers Robert Hediger übernahmen dessen Kinder temporär den Betrieb und unterstützten die beiden Mitarbeiterinnen, so gut sie vermochten. Das Kino längerfristig betreiben konnten die Geschwister aber nicht.

Der Wangner Gemeinderat, Christian Riesen, der das Onik nun übernimmt, hat den Artikel zu Beginn des Jahres zwar schon interessiert gelesen, ihn danach aber wieder vergessen. Erst vor ein paar Wochen, nach dem Erscheinen des zweiten Beitrags, entschied er sich schliesslich dazu, den Betrieb weiterführen zu wollen. So ist er mit Ronny Hediger in Kontakt getreten. Ende Oktober haben die Geschwister Hediger und Riesen den Kaufvertrag unterschrieben und am vergangenen Donnerstag kam es zur Stabsübergabe.

Für das Bestehen von regionalen Kulturgütern

Riesen, der neben seiner politischen Tätigkeit im Projektmanagement als Berufsschullehrer und Dozent arbeitet, bewahrt damit nicht zum ersten Mal etwas mit regionaler Relevanz vor dessen Ende. Er half zum Beispiel 2018 schon der Grenchner Frühlingsmesse mia wieder auf die Beine und organisierte ein Jahr später zu ihrem 30-jährigen Jubiläum sogar eine Flugshow.

Mit derselben Begeisterung geht er nun auch sein neues Projekt an. Die Geschwister Hediger freuen sich darüber sehr. «Wir sind froh, haben wir jemanden mit so viel Herzblut und Elan gefunden, der das Onik weiter­tragen kann», sagt Ronny ­Hediger und seine Schwester Sabrina Hediger ergänzt ihn: «Das Kino war das Leben unseres Vaters. Es hätte wehgetan, wenn wir es hätten schliessen müssen.»

Eine Spielwiese für den Wangner Gemeinderat

Das Oensinger Kino erhalten möchte Riesen aus mehreren Gründen. Der wichtigste dabei ist sicher «der Erhalt dieses regionalen Kulturguts», ausserdem wollte er die Stellen der beiden Mitarbeiterinnen sichern. Sein technischer Hintergrund mache die Arbeit zusätzlich spannend.

Einen konkreten Bezug zur Kino- und Filmkultur hat der Gemeinderat aber auch. «Wann immer ich kann, mache ich bei Filmen als Statist mit», erzählt er lachend. Dabei habe er viele interessante Erfahrungen machen und Behind- the-­Scenes-Bilder schiessen ­können.

Das Kino Onik ist für ihn vordergründig eine Selbst­verwirklichungsidee oder eine «Spielwiese», wie er es nennt. Speziell um das Jubiläumsjahr 2022 zu zelebrieren, wenn das Kino sein 20-jähriges Bestehen feiert, habe er viele Ideen in petto, kündet Riesen an. ­Vorerst wird sich unter seiner Leitung aber noch nicht viel ­ändern. «Menschen mögen Veränderungen nicht und das Konzept des Onik hat schliesslich 18 Jahre funktioniert», sagt er entschieden. Er wird ­jedoch sicherlich daran arbeiten, die Sichtbarkeit zu vergrössern und das Angebot auszubauen.

Zu Beginn habe er aber vor allem noch sehr viel über die Arbeit als Kinobetreiber zu ­lernen. Dazu darf er sich jedoch auf die Unterstützung der zwei Mitarbeiterinnen freuen. «Auch wenn ich das Kino übernehme, bin ich im Moment der Lehrling der beiden», sagt er.

Die Digitalisierung und die Coronakrise

Auch im Kino Onik muss eine Maske getragen werden.

Auch im Kino Onik muss eine Maske getragen werden.

Ob er sich Sorgen mache in einem Zeitalter, in dem die ­Digitalisierung immer weiter voranschreitet und Streamingdienste wie Netflix immer wichtiger werden, ein Kino zu übernehmen, verneint Riesen klar. «Die Digitalisierung ­ersetzt das Erlebnis nie!» Das Onik verkaufe – genauso wie jedes andere Kino – nicht nur den Film, sondern auch das ­soziale Ereignis. Dort treffe man sich mit Familie oder Freunden, gehe vorher ­vielleicht noch gemeinsam essen und unterhalte sich auf dem Rückweg über den Film.

Das können Streamingdienste nicht bieten und auch nicht ­ersetzen, sagt er entschieden. Finanzielle Sicherheit habe er bei diesem Projekt natürlich keine. Das sei jedoch das gegebene unternehmerische Risiko, schliesst Riesen ab.

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