Oensingen
Eine Schule als zweites Zuhause: Die Privatschule wird im August mit dem Unterricht beginnen

Die Privatschule Lernort Oensingen wird im August mit dem Unterricht beginnen – ein Augenschon vor Ort während des Besuchstags.

Hans Peter Schläfli
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Kursleiterin Naturspielgruppe und Vorstandsmitglied Ramona Altermatt im Gespräch mit einem spielenden Knaben.

Kursleiterin Naturspielgruppe und Vorstandsmitglied Ramona Altermatt im Gespräch mit einem spielenden Knaben.

Hans Peter Schläfli

Eine Naturspielgruppe gibt es hoch oben an der Oensinger Schlossstrasse bereits. Ab August wird Larissa Stieger unter der Bechburg in einem Haus mit grossem Garten auch mit dem Unterricht für Primarschüler beginnen. Der Kanton Solothurn hat eine provisorische Bewilligung für den Betrieb der Privatschule Lernort Oensingen mit maximal acht Kindern erteilt.

Vier Frauen bilden den Vorstand des Vereins Lernort Oensingen. Geschäftsführerin Larissa Stieger ist Kindergärtnerin und schulische Heilpädagogin. Sie wird zusammen mit der Primarlehrerin Nadia Burger den Unterricht gestalten. Ihre Arbeit bereits aufgenommen haben Ramona Altermatt und Janine Basile, welche die Naturspielgruppe für Kinder im Vorschulalter führen.

Wer zur neuen Privatschule will, kommt unten an der Schlossstrasse beim Schulhaus Oberdorf vorbei. Da stellt sich die Frage, warum es bei dieser geografischen Nähe überhaupt eine schulische Alternative braucht. «Wir haben ein eigenes pädagogisches Konzept erarbeitet, das sich deutlich von der staatlichen Regelschule unterscheidet. Bei uns gibt es keine Hausaufgaben und keine Noten. Wir fördern das selbstbestimmte Lernen. Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo und wir respektieren das», erklärte die Schulleiterin den rund 20 Besucherinnen und Besuchern, die am Samstag die neue Privatschule kennenlernen wollten.

Geschäftsführerin Larissa Stieger stellt die Privatschule vor.

Geschäftsführerin Larissa Stieger stellt die Privatschule vor.

Hans Peter Schläfli
Wir wollen nicht zu einer elitären Privatschule für Reiche werden.

(Quelle: Larissa Stieger Geschäftsführerin Lernort Oensingen)

«Als Lehrerin habe ich immer wieder erlebt, dass sich die älteren Kinder über ihre Schwächen definieren. Das finde ich schade. Bei uns in der freien Schule sollen die Kinder über ihre Stärken und über Erfolgserlebnisse lernen dürfen. Wir orientieren uns am Lehrplan 21, aber unser Stundenplan ist offen.» Anstelle der in der Volksschule üblichen Noten werde ein individueller Lernbericht verfasst, erklärt Stieger. «Wir sind davon überzeugt, dass die Kinder von sich aus motiviert sind und lernen wollen. Dabei werden wir sie unterstützen. Es ist deshalb sehr wichtig, dass die Eltern unsere Ansichten teilen und uns vertrauen.»

Bisher sind vier Plätze vergeben

Vor dem Tag der offenen Türe waren zwei Plätze fest vergeben. Dazu kommt noch ein Kind, das derzeit im Kanton Bern zu Hause durch die Eltern geschult wird und ab August einen Teil seiner Zeit in Oensingen verbringen soll. Am Samstag stiess dann gleich noch ein viertes Kind dazu, das in den Kindergarten kommen wird. «Wir wohnen in der Nähe und sind überzeugt, dass hier unser Sohn das bekommt, was er braucht», sagte Vater Harry Hafner. «Meine Frau und ich haben beide in der Volksschule die Erfahrung gemacht, dass die vorgegebenen Lernziele viel zu wichtig genommen wurden. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen und man soll auf den Stärken aufbauen, dann ist das Lernen auch viel schöner.» Die finanzielle Belastung sei gross, aber Harry Hafner sagt, er sei bereit zum Beispiel auf teure Ferien zu verzichten, um seinem Kind den Besuch der freien Schule zu ermöglichen.

Selbst wenn es gelingen sollte, alle acht Plätze zu besetzen, wird sich eine so kleine Privatschule finanziell nicht gross lohnen können. «Wir wollen familiär und überschaubar bleiben», sagt dazu Schulleiterin Larissa Stieger. «Es ist für uns alle eine Herzensangelegenheit. Wir verdienen viel weniger, als das in einer Regelschule möglich wäre. Wir wollen die Beiträge der Eltern möglichst klein halten, damit wir nicht zu einer elitären Privatschule für Reiche werden. Mit dem Schulgeld können wir die laufenden Kosten decken. Von der Gemeinde erhalten wir keine Beiträge.»