Zum 1. August

Eine Portion Nationalgericht für jeden: Egerkingens Ode an die Rösti

«Ä Guete» – mit einem Aufdruck auf der Rösti-Packung kündet die Gemeinde das «Alternativprogramm Bundesfeier» an.

«Ä Guete» – mit einem Aufdruck auf der Rösti-Packung kündet die Gemeinde das «Alternativprogramm Bundesfeier» an.

Auch in Egerkingen fiel der 1.August-Brunch Corona zum Opfer. Die Gäuer Gemeinde liess sich also alternativ etwas einfallen – und beschenkt die Bevölkerung mit einer Portion Rösti.

Rund 100 Jahre alt soll die Zubereitungsart der Rösti sein: Dieser in der Bratpfanne knuspriggebratene, kompakte Kuchen aus grobgeraffelten Kartoffeln, den Schweizerinnen und Schweizer gemeinhin als Nationalgericht verinnerlicht haben.

Im Coronajahr rückt Egerkingen die Rösti ganz in den Fokus. Üblicherweise serviert die Gemeinde die Leibspeise vieler Schweizer am traditionellen 1.-August-Brunch. «Weil die Menschen nicht an den Brunch gehen können, gehen wir zu den Menschen», sagt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Unter ihrer Führung hat sich Egerkingen immer wieder mit ausgefallenen Ideen ins Rampenlicht gebracht. Die Rösti-Verteilaktion hat auch das Schweizer Fernsehen ans Autobahnkreuz gelockt, das noch diese Woche einen Beitrag über ausgefallene 1.-August-Feiern im Jahr der Anlassabsagen ausstrahlen will. Die Fernsehcrew kommt am Montagmorgen noch rechtzeitig: Bis zur Mittagszeit haben die 13 Mitglieder der Kulturkommission und des Gemeinderats in 1679 Briefkasten eine Portion Rösti deponiert. Sechs Gruppen waren unterwegs und deckten die gesamte Gemeinde ab.

Gemeinderat und Kulturkommission auf Tour

«Ich habe den Aufwand komplett überschätzt und dachte, die Verteilaktion dauert viel länger», sagt Bartholdi. Die Gemeindepräsidentin zog am Samstag frühmorgens ebenfalls durch die Strassen, um gemeinsam mit Franz Fischer 253 Haushalte zu beliefern. Die Geste der Gemeinde kam im Dorf gut an: «Die Rückmeldungen waren sehr positiv – alle fanden es eine gute Idee», berichtet Bartholdi von den Begegnungen mit Einwohnern im Garten. Die Verteilaktion rief auch der Gemeindepräsidentin in Erinnerung, wie die Siedlungsstruktur in Egerkingen ausschaut. Alleine am «Einschlag» – der einwohnerstärksten Strasse – sind rund 20 Prozent aller Egerkingerinnen und Egerkinger daheim. Um 7 Uhr in der Früh zogen Kulturkommissionspräsident René Koch und Diana Stärkle am Samstagmorgen dort los, um die 370 Haushalte im Quartier zu beschenken.

Swissness: Auch was die Kartoffeln betrifft

Bezogen hat die Gemeinde die 85 Kisten à 20 Packungen im grössten Einkaufszentrum der Region, dem Gäupark, wie Bartholdi verrät. «Selbstverständlich», sagt sie, seien die Kartoffeln aus Schweizer Produktion und von einem Schweizer Bauer. Voilà.

Und so bleibt der Egerkinger Bevölkerung am Samstag nur noch das goldbraune Braten der 500 Gramm Rösti. Bartholdi vertröstet ein paar Tage vor dem Fest jene, die auf Facebook erste Reklamationen deponierten, sie hätten keine Rösti im Briefkasten vorgefunden: «Im schlimmsten Fall können jene, die leer ausgingen, auf der Gemeinde vorbeikommen.»

Ab 19 Uhr werden die drei Egerkinger Kirchen läuten. Elf Minuten nach sieben soll die Nationalhymne durch das Gäuer Dorf hallen. Die Gemeinde druckte vorsorglich die erste und vierte Strophe auf dem aufgeklebten Zettel ab. Johanna Bartholdi wird sich im Coronajahr per Videobotschaft an die Bevölkerung wenden und so die alternative Bundesfeier abrunden. In diesem Jahr sei die Botschaft – coronabedingt – ernster ausgefallen, sagt sie. Den auf Distanz gefeierten 1. August hat die Kulturkommission ausserdem mit einem gravierten Eichenholzbänkli vor dem Gemeindehaus verewigen lassen.

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