Oensingen

Eine Mitfahrt zeigt: Der Ortsbus wird von den Fahrgästen geschätzt

Chauffeur Markus Schmid gestern Morgen vor dem 17 Sitzplätze grossen Ortbus beim Bahnhof in Oensingen.

Chauffeur Markus Schmid gestern Morgen vor dem 17 Sitzplätze grossen Ortbus beim Bahnhof in Oensingen.

Braucht es den Ortsbus oder soll er nach Auslaufen des Pilotprojektes Ende 2016 wegen der hohen Kosten für die Gemeinde eingestellt werden? «Wir benutzen den Bus regelmässig für unsere Einkäufe im Dorf», sagt der 83 Jahre alte Bruno Horni. Keine Emotionen auslösen würde die Einstellung hingegen bei Student Janek Bobst: «Wenn es den Bus nicht mehr gibt, laufe ich halt zum Bahnhof.»

Braucht es den Ortsbus oder soll er nach Auslaufen des Pilotprojektes Ende 2016 wegen der hohen Kosten für die Gemeinde eingestellt werden? Diese vom Gemeinderat aufgeworfene und nach intensiver Beratung positiv beantwortete Frage sorgt bei den Fahrgästen für Gesprächsstoff oder Sorgenfalten. Letzteres trifft auf das Ehepaar Bruno und Rosmarie Horni zu, das gestern Morgen bei der Haltestelle Lehnfeld in den Ortsbus stieg. «Wir benutzen den Bus regelmässig für unsere Einkäufe im Dorf», sagt der 83 Jahre alte Bruno Horni. Sie hätten nie ein Auto besessen und wüssten nicht, was sie ohne den Ortsbus machen sollten, bemerkt Ehefrau Rosmarie Horni. Mit der vom Gemeinderat vorgeschlagenen abgespeckten Variante mit weniger Kursen an den Werktagen und ohne Samstagskurse könnten sie leben. Auf den Bus ganz verzichten könnten sie aber nicht, beteuern die Senioren.

«Bus ist wichtig für Senioren»

Der Ortsbus sei für viele Senioren ein wichtiges Transportmittel, um ins Dorf zu gelangen, bestätigt Manuela Hügli. Sie benutzt den Bus ein- bis zweimal wöchentlich, um damit zum Bahnhof und danach zur Arbeit zu fahren. Würde es ihn nicht mehr geben, fände sie das schade. «Dann müsste ich wieder mit dem Velo zum Bahnhof fahren, mit der Gefahr, dass dieses dort wie früher gestohlen wird», so die 35-Jährige.

Klar für den Ortsbus spricht sich Sabine Haller aus. Sie wirkt seit vier Jahren zweimal die Woche an der Primarschule als Katechetin und nutzt den Bus seit seiner Einführung im Dezember 2013. «Wenn ich von Aarau her am Bahnhof ankomme, kann ich einfach in den Bus steigen und ins Schulhaus Oberdorf fahren», meint die 54-Jährigen zu den Vorzügen des Ortsbusses.

Keine Emotionen auslösen würde die Einstellung hingegen bei Janek Bobst. Der 21-jährige Student fährt mit dem Bus fast täglich zum Bahnhof und danach mit dem Zug nach Biel an die Fachhochschule. «Wenn es den Bus nicht mehr gibt, laufe ich halt zum Bahnhof», bemerkt der junge Mann.

97 Fahrgäste in drei Stunden

Auch Barbara Meise weiss den Komfort zu schätzen, den der Ortsbus bietet. Die 37-jährige Assistentin an einem Lehrstuhl der Uni Zürich fährt mit ihm dreimal pro Woche an den Bahnhof. «Der Bus ist immer pünktlich und vermittelt mit seiner überschaubaren Grösse fast ein bisschen Familien-Atmosphäre», sagt Meise. Ohne Ortsbus müsste sie mit dem Velo zum Bahnhof fahren oder bei Regen mit dem Auto. Am besten gefalle ihr die Variante mit dem Ortsbus. Um diesen zu erhalten, werde sie die Gemeindeversammlung vom 27. Juni besuchen, um dort für dessen Weiterführung zu stimmen.

An dieser Gemeindeversammlung teilnehmen will auch Chauffeur Markus Schmid. Schliesslich lebe er seit über 30 Jahren in Oensingen, und es mache ihm Spass, mit dem Bus die Leute im Dorf zu verbinden, sagt der 55-Jährige. Gestern wurden zwischen 5.48 und 9.10 Uhr 97 Fahrgäste gezählt. Als stärkste Kurse erwähnt Schmid jene um 6.18 und um 6.48 Uhr mit 21 respektive 15 Fahrgästen. Vor allem Pendler, wie Schmid erwähnt. Obenauf schwang wegen der 34 dazukommenden Schüler der Kurs um 7.18 Uhr mit 40 Fahrgästen. Weil der Ortsbus nicht alle Schüler aufnehmen konnte, wurden 16 von einem gemieteten Kleinbus ins Schulhaus Oberdorf gebracht. Letzteres wiederholt sich um 12.01 Uhr, wenn der Schulunterricht zu Ende ist.

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