Gegen 20 Mitglieder und Interessierte fanden sich kürzlich zur 1. Generalversammlung des jungen Historischen Ortsvereins im Mümliswiler Gasthof Ochsen ein. Nachdem an der Gründungsversammlung kein Konsens über den Vereinsnamen erzielt wurde, gab dessen endgültige Klärung am meisten zu diskutieren. Eine grosse Mehrheit folgte schliesslich einem von Bernhard Jäggi eingebrachten Vorschlag und votierte für «Historischer Verein Guldental». Präsident Fredi Fankhauser hatte zuvor die Varianten «Historischer Verein Mümliswil-Ramiswil» und «Historischer Verein Mümliswil-Ramiswil im Guldental» als Alternativen vorgelegt. Der Antrag des in Wohlen lebenden Heimwehguldentalers Jäggi kam allerdings nicht ganz überraschend, hatte er doch an jener Dorfchronik mitgewirkt, die den Namen «Das Guldental» trägt. Mit der Namenswahl nimmt der Verein diese Linie auf und plädiert für Kürze und Prägnanz.

Weil keine Wahlen anstanden, konnten die weiteren Traktanden zügig behandelt werden. Einstimmig bestätigt wurden von den Mitgliedern die an der Gründung vom 17. September 2012 vorgelegten Statuten. Die regelmässigen Fototreffpunkte im Bürgerhaus Mümliswil werden weitergeführt und weitere Termine bestimmt: 15. April, 13. Mai und 10. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr in der Bürgerstube. Auch erste Erfahrungen von Arbeitsgruppen mit der Befragung von Zeitzeugen stimmen zuversichtlich. Die dabei erhaltenen Informationen sollen aufbereitet und in geeigneter Form zugänglich gemacht werden. Höhepunkte im Jahresprogramm werden öffentliche Vorträge sein. In Planung ist auch ein Beitrag an der Guldentaler Messe im September.

Glasmacherfamilie Gresly war mobil

Unter dem Titel «Einblick in die regionale Glasindustrie» veranschaulichte Anton Fluri, Präsident des Historischen Vereins Matzendorf , die Enstehung und den Zerfall eines bedeutenden Gewerbezweigs im Guldental. Im Sippenverband wurde einst über Generationen und Kantonsgrenzen hinweg mit Quarzsand und Pottasche zu vielen Zwecken Gebrauchsglas hergestellt. Davon haben sich bis heute nur Spuren erhalten, so im Bogental der Name «Glashütte». Mit grosser Fachkenntnis bettete Fluri die lokale Produktion in die Entwicklung der Glasindustrie im gesamten Jurabogen ein. Bereits 1658 habe eine Familie Gresly im Schwarzwald bei Sankt Blasien eine Glashütte betrieben. Die nächste Generation treffe man um 1680 auf dem «Glaserberg» im elsässischen Lucelle an. Ein Zweig zog dann nach Court, ein anderer in die Franche-Comté nach Charmauvillers, wo er die Hütte Bief d’Etoz betrieb. Im Guldentaler «Moos», wo noch heute eine damit zusammenhängende Kapelle steht, begann Stefan Gresly nach seinem Umzug um 1777 mit der Produktion.

Als Mitarbeiter der Gresly tauchen in zeitgenössischen Dokumenten auch Namen wie Rubitschung auf, die bis heute in Mümliswil beheimatet sind. Da der Produktion nach und nach ganze Wälder zum Opfer fielen, mussten Glasmacher beweglich sein. Nach einem Zyklus von etwa zwölf Jahren wurde ein Ortswechsel fällig. Zudem sei es mit der Zeit schwieriger geworden, von der Regierung eine Genehmigung zum Roden zu bekommen. So lief die regionale Glasproduktion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus.

Vereinspräsident Fredi Fankhauser überreichte dem Referenten zu Handen des Matzendörfer Partnervereins ein Ölbild des Oltner Malers Stefan Grütter. Das Bild zeigt den Garten der ehemaligen Hofstatt Melanie Liechti-Meister in Matzendorf. Es dokumentiere ein Stück Ortsgeschichte, da das Gebäude dem neuen Schulhaus hatte weichen müssen.