Mümliswil-Ramiswil
Eine Kuh von Hand melken kostet 400 Euro

Gespannt wartete ein ansehnliches Publikum im Mümliswiler Martinsheim auf den Film «Reise in die Schweiz». Geboten wurden drollige Details dazu, wie der Film überhaupt entstand.

Fredi Fankhauser
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Eine Kuh von Hand melken ist etwas, das bei uns hie und da etwa beim Ferienpass möglich ist.

Eine Kuh von Hand melken ist etwas, das bei uns hie und da etwa beim Ferienpass möglich ist.

Erwin von Arb

Der Film beleuchtet die Tatsache, dass kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf Initiative des Schweizerischen Roten Kreuzes erholungsbedürftige Kinder aus Deutschland einige Monate bei Gastfamilien in der Schweiz verbringen durften. Von einer solchen Reise, die Fred Schmitz im Jahre 1948 von Düsseldorf nach Mümliswil führte und aus der eine lebenslange Freundschaft entstand, erzählt dieser kurze Dokumentarfilm. Fast so spannend wie die Geschichte selber war, welch beachtlicher Aufwand – und welche Tricks – nötig waren, den Film so zu realisieren, dass er glaubhaft wirkt.

Auf den Ballenberg ausgewichen

Autor des Films ist Fred Schmitz selber, er war zusammen mit seiner Ehefrau für die Präsentation aus Düsseldorf angereist. Er erläuterte, wie der Film zustande kam. Geeignetes Bildmaterial des Schweizerischen Roten Kreuzes fand er in einem Museum in Bern. Der Weg zum Hof Schwenglen war ihm wichtig. Denjenigen von damals gibt es aber nicht mehr.

So habe er eine Route ausgesucht, die der damaligen ähnelte. Teile der Innenaufnahmen des Bauernhofes wurden im Freiluftmuseum Ballenberg gedreht. «Denn die Stube war nicht mehr so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Lediglich die Ofenbank existierte noch.» Im Museum fand sich ferner ein Holztrog, in dem der Brotteig zubereitet wurde.

Das Problem mit der Digitaluhr

«Auf dem Bauernhof fanden wir eine ältere Kuh, die sich von Hand melken liess. Zuhause in Düsseldorf stellten wir dann fest, dass der Bauer beim Melken eine Digitaluhr getragen hatte. Die gabs damals natürlich noch nicht. Da fragten wir uns: Was machen wir jetzt?» Im Umkreis von Düsseldorf gibt es genug Kühe, aber keine, die sich von Hand melken lässt. Schliesslich haben wir einen Bauern gefunden, der sagte: «Ja, das können wir machen, gegen 400 Euro in bar. Die Kuh vermiete ich sonst nur ans Fernsehen.»

Das war dann zu teuer, und zum Glück habe man die Szene auf dem Ballenberg von zwei Seiten aufgenommen. «Wir mussten dann die weniger gute nehmen, aber dafür war die Digitaluhr nicht zu sehen.» Auch der Steinofen, in dem auf dem Hof Brote gebacken wurden, war nicht mehr in Betrieb. «In der Nähe von Düsseldorf fanden wir dann eine Steinofenbäckerei.»

Auf Steine geklopft

Die Szenen des Filmes sind zum Teil in Schwarzweiss, teilweise in Farbe zu sehen. Schwarzweiss symbolisiert Vergangenheit. «Die Bilder aus dem Bundesarchiv, die nicht beweglich waren, haben wir mit der virtuellen Kamera befahren, damit Bewegung reinkam.» Als der Film abgedreht war, hat die Nacharbeit einige Wochen gedauert. «Wir wollten einen authentischen Ton erzeugen. Für die Geräusche der Szene, in der Kinder in Trümmern herumlaufen, haben wir mit einer Spitzhacke auf Steine geklopft.» Die Eisenbahngeräusche stammen aus dem Tonarchiv für Hörspiele.

Der Film kam bei den Anwesenden gut an. Der Autor beantwortete noch viele Fragen der anwesenden Filmfreunde. Als Dankeschön überraschte Josef C. Haefely, Vizepräsident des historischen Vereins, Fred Schmitz mit einem von ihm selbst gemalten Aquarellbild vom Hof Schwenglen.