Als «Aprilscherz», «Hirngespinst», oder gar «Gigantismus» wurde eine Skihalle im Gäu betitelt. Vor rund zehn Jahren kam diese Idee auf. Denn die Nachfrage nach Schneesport in den Bergen nahm kontinuierlich ab, Tourismusbüros mussten sich etwas überlegen, wie man die Schweizer Bevölkerung wieder auf die Bretter locken könnte, und so wollte man denn den Schnee vor die Haustüre bringen. Das Projekt kam jedoch bei den Meisten nicht sonderlich gut an.

Wie der Name schon beschreibt, ist eine Skihalle eine Halle, in der man indoor Ski fahren kann. In China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und sogar im Nachbarsland Deutschland erfreuen sich solche Hallen grosser Beliebtheit.

Jedoch ist selbsterklärend, dass Skifahren in Dubai, wo mehrheitlich über 30 Grad warme Temperaturen herrschen, auf keinem natürlichen Wege möglich wäre. «Was in den Emiraten ein blühendes Business ist, ist im Alpenland eher fragwürdig», sagte auch der damalige Oltner Stadtpräsident Ernst Zingg, der die Skihalle in Dubai sogar selbst erlebt hat.

Kopfschütteln bei Bevölkerung

Die Skihalle wäre im Gäu eine 800 Meter lange und 300 Meter breite Skipiste geworden, also etwa so gross wie 20 Fussballfelder. Die Investitionskosten wurden auf läppische 40 bis 70 Milliionen Franken beziffert, die jährliche Besucherfrequenz auf bis 1 Millionen Personen veranschlagt. «Mit dem Geld könnte man das ganze Mittelland ins Skilager schicken», meinte Adi Schürmann, damaliger Wettkampfchef beim Skiclub Egerkingen. Und sowieso sei das Bedürfnis im Gäu nicht vorhanden.

Das zeigten auch diverse Umfragen, die diese Zeitung im Rahmen des Projekts durchführte: «Völlig übertrieben», «ökologisch unnötig» und «nicht zweckmässig», lauteten die Reaktionen der Bevölkerung. Nur vereinzelt sorgte das Projekt nicht für Kopfschütteln. «Ich finde es gut, dass endlich so etwas gebaut wird», so einer der Befragten. Auch der verkürzte Anfahrtsweg fand bei einigen Anklang.

Ob aber das Problem der schwindenden Nachfrage nach Skisport damit behoben worden wäre, bleibt fragwürdig. Denn schliesslich würden Skifahrer das nähergelegene Angebot eher nutzen, als sich dann noch die Mühe zu machen, in die weiter entfernten Berge zu fahren. Ein eher kontraproduktives Projekt also.

Angebot in Umgebung fördern

Ideengeber des Projekts war der damalige CEO der Bergbahnen Zermatt AG, Christen Baumann, der mittlerweile verstorben ist. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Skisport massiv verändert. «Dies vor allem, weil die Zahl der alternativen Freizeitangebote und deren Verfügbarkeit den Skisport beeinflussen», meint Baumanns Nachfolger Markus Hasler.

«Und die Rahmenbedingungen betreffend Raumplanung und Umweltschutzgesetzgebung in der Schweiz würden ein solches Projekt mit höchster Wahrscheinlichkeit mittlerweile sowieso verhindern.» Eine Skihalle sei folglich für das Gäu wenig sinnvoll.

Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus, ist heute zwar grundsätzlich nicht abgeneigt gegen eine Skihalle. «Es muss ökologisch und ökonomisch gesehen einfach sinnvoll sein. Das ist diese Idee aber nicht.»

Mittlerweile habe man auch in der Region Wintersport-Angebote, die man fördern soll. So zum Beispiel den Weissenstein, den Hauenstein oder den Balmberg. «Bevor man eine künstliche Welt erschafft, sollte man unser Angebot voll ausschöpfen», lautet seine Meinung. Es zeigt sich: Auch zehn Jahre später stösst die Idee einer Skihalle auf wenig Unterstützung.