Die kleinen Fernsehgenossenschaften werden verschwinden. Morgen, im besten Fall übermorgen. Viele der beteiligten Akteure sehen das so. Wie will man sich auch Illusionen machen: Wenn im Vorstand die Nachfolge ausbleibt. Das technische Know-how fehlt. Die finanziellen Mittel für Modernisierung und Marketing nicht reichen.

Jüngst hat es die Fernsehgenossenschaft (FG) Holderbank erwischt. Gegründet vor 40 Jahren, um das Dorf mit Kabelfernsehen zu versorgen. Diesen Frühling wurde sie rückwirkend auf den 1. Januar 2017 an die FG Balsthal verkauft, nach der FG Oensingen die zweitgrösste FG in der Region. «An der Generalversammlung haben wir uns aufgelöst», sagt Anton Schwaller, Liquidator und ehemaliger Präsident der FG Holderbank. Der Hauptgrund: «Wir finden keine Nachfolger.» Er selbst sei seit beinahe 20 Jahren im Vorstand. Auch hätte eine Viertelmillion Franken in die Modernisierung des Kabelnetzes investiert werden müssen, sagt er. Geld, das nicht vorhanden gewesen sei. «Wir hatten noch Schulden von der letzten Modernisierung.» Diese hat nun die FG Balsthal übernommen.

Ähnlich tönt es bei der FG Niederbuchsiten. «Wir werden an der Generalversammlung 2018 beantragen, dass die FG rückwirkend per 1. Januar 2018 an die ggs netz AG verkauft wird», sagt Kassier Thomas Furrer. Das Problem auch hier: «Wir haben keine Leute, welche die Genossenschaft weiterführen.» Als wichtigstes Produkt im Angebot der FG Niederbuchsiten nennt er den Internetzugang. Fernsehprogramme und Filme auf Abruf würden schon heute über das Internet angeboten. «Sie werden wohl über kurz oder lang das klassische Fernsehen verdrängen.» Das Kabelnetz im ganzen ggsnet-Gebiet müsse in den nächsten zwei Jahren auf ein Gigahertz Bandbreite ausgebaut werden. Die FG Niederbuchsiten sei schuldenfrei und könnte diesen Ausbau finanzieren. «Aber mit der Zeit kommt ohnehin das Glasfasernetz.»

Finanziell überfordert

Roger Kälin, Präsident der FG Balsthal und zugleich Geschäftsführer der ggsnet schwängimatt mit Sitz in Oensingen, würde diese Aussage unterschreiben. «Es wird so weitergehen. Es zeichnet sich ab, dass viele der kleinen FG aufhören werden», sagt er. Das Hightechnetz, das heute Standard sei, überfordere die Fernsehgenossenschaften. Sowohl aus finanzieller als auch aus technischer Sicht. Zudem müsse auch das Marketing professionell aufgezogen werden. «Das geht nicht, wenn der Vorstand im Nebenamt viermal jährlich tagt», so Kälin. Die ggsnet schwängimatt, der Kälin als Geschäftsführer vorsteht, ist die Dachorganisation von 34 Fernsehgenossenschaften im Raum von Attiswil BE über Mümliswil bis Wangen bei Olten. Von der ggsnet beziehen diese ihr Angebot für digitales Fernsehen, Internet, Telefonie und Radio. Signallieferant ist Quickline, die Nummer drei auf dem Schweizer Markt. Im Januar 2014 wurde ausserdem die ggs netz AG gegründet. Sie leistet Fernsehgenossenschaften Hilfestellung, wenn diese Mühe bekunden, ihren Betrieb weiterhin aufrechtzuerhalten. Die ggs netz AG ist selbst Genossenschafterin der ggsnet schwängimatt. Bisher hat die ggs netz AG zehn Fernsehgenossenschaften aus dem Verbund übernommen: Herbetswil, Aedermannsdorf, Laupersdorf, Langenbruck, Rickenbach, Boningen, Wangenried BE, Günsberg, Niederwil und Holderbank. Mit sieben weiteren steht sie laut Kälin in Verhandlung. Darunter Niederbuchsiten, Kestenholz und Niederbipp.

Auch FG Balsthal wird verkauft

Kälin glaubt, dass die Region in den nächsten 10 bis 15 Jahren flächendeckend mit einem Glasfasernetz überzogen ist. Die Umstellung, weiss er, kostet zwischen 3000 und 7000 Franken: pro Anschluss. Summen, die eine kleine Genossenschaft nicht aufbringen kann. Die Vorteile von Glasfaser: neuste Technik, wenig Unterhaltsarbeiten, Strom-Unabhängigkeit und Schnelligkeit.

Trotz Konkurrenz durch die Unternehmen Swisscom und Sunrise sieht Kälin die ggsnet auch in Zukunft wettbewerbsfähig. Das Angebot sei dasselbe. Aber: «Wir sind lokal verankert.» Techniker seien schnell vor Ort, Neuinstallationen erfolgten bei ggsnet kostenlos. Es sei die Dienstleistung, die ggsnet von der Konkurrenz abhebe. «Und wir haben das schnellste Netz», fügt Kälin an. In gut 70 Prozent des ggsnet-Gebiets sei nämlich schon Glasfaser vorhanden. Als Präsident der FG Balsthal ist sich Kälin auch über deren Zukunft im Klaren: «Wir werden in den nächsten fünf Jahren aufhören.» Sprich: an die ggs netz AG verkaufen. Daher übernehme Balsthaler FG auch keine weiteren kleinen Gesellschaften. Denn die Probleme seien dieselben: fehlende Nachfolger, zu wenig technisches Know-how, mangelnde Professionalität, hoher IT- und Software-Aufwand und geringe finanzielle Mittel.