Vertreter aus Politik und Behörden aus dem Kanton und dem Thal trafen sich am vergangenen Mittwochnachmittag auf dem Vorhof auf der Ruine Neu Falkenstein. Es war windig und kühl. Trotzdem waren die Mienen der Anwesenden heiter und freundschaftlich, wahrscheinlich ganz anders, als dies anno 1402 der Fall war. Damals kam das Schloss Neu Falkenstein zum ersten Mal in die Hände des Staates Solothurn. Dies nachdem der vormalige Besitzer, Hans von Blauenstein, die Liegenschaft mit ihren Rechten wohl aus finanziellen Gründen nicht mehr halten konnte. Daraufhin installierten die Solothurner hier oben eine Landvogtei, unter welcher es der Landbevölkerung sicher nicht immer zum Lachen zumute war.

Indiz dafür ist die Tat des einheimischen «Rössli-Jean», der 1798 von der französischen Revolution inspiriert zusammen mit Kumpanen das Schloss anzündete. Daraufhin verfiel das Schloss zur Ruine und geriet in mehrere private Hände. Ab 1893 gehörte die Burg der «Dienstagsgesellschaft» und ab 1938 wurde der Besitz einer Stiftung anvertraut, in der Vertreter aus dem Kanton und der Standortgemeinde Balsthal Einsitz hatten. Anno 2017 bekommt nun der Kanton Solothurn seinen ehemaligen Besitz vollumfänglich zurück. Es ist dies neben den Ruinen Balm, Dorneck, Alt Bechburg und Alt Falkenstein die fünfte Ruine, um die sich nun das kantonale Hochbauamt kümmern darf – und muss.

Eine der schönsten Ruinen

Nach Begrüssung der Gäste durch den Balsthaler Gemeindepräsidenten Pierino Menna übernahm der Regierungsrat und Vorsteher des Bau- und Justizdepartementes des Kantons Roland Fürst das Wort. Er erinnerte an alte Zeiten, die alles andere als einfach waren, und dankte der Stiftung Neu Falkenstein und deren Mitglieder, die in den vergangenen 79 Jahren nach bestem Wissen und Gewissen und mit viel Herzblut zum alten Gemäuer geschaut hatten. Kantonsarchäologe Stefan Blank erzählte dann einiges zur Geschichte der Burg.

Sie werde als eine der schönsten Ruinenanlage der Schweiz betrachtet, weil sie den romantischen Vorstellungen von Mittelalter und Rittertum so nahe kommt. «Doch es gibt noch viele Lücken in der Geschichte von Neu Falkenstein», so Blank. Schon allein die Namensgebung der Burg sei immer wieder Gegenstand von Spekulationen und Vermutungen. Für ihn ist eine Erklärung stimmig, warum diese Burg als die «Neue» bezeichnet wird, obwohl vermutet wird, dass sie die «Ältere» der beiden Falkensteiner Burgen ist. «Nach dem Erdbeben von Basel 1354 musste diese Burg fast vollständig wieder aufgebaut werden. Und so wurde sie im Volksmund zur ‹neuen› Burg», vermutet Blank.

Neuer Partner Schlossverein

Es ist im Grundbuch nachzulesen, dass die Burg 1899 für 3791 Franken an die Dienstagsgesellschaft ging. Mit ganzen 500 Franken beteiligte sich damals der Kanton. Als die Dienstagsgesellschaft 1938 begann, unter den hohen Restaurierungskosten zu verzweifeln, beschloss man, eine Stiftung zu gründen, in deren Rat damals zwei Regierungsräte Einsitz nahmen. Mit rund 40'000 Franken hatte der Kanton sich auch an Instandhaltungskosten beteiligt – Geld aus dem Lotteriefonds.

In den vergangenen Jahren habe sich der Kanton den Unterhalt der Ruine im Durchschnitt jährlich 10'000 Franken kosten lassen, wurde gesagt, «dies dank der guten Zusammenarbeit der Stiftung und der Holzfluh-Vereinigung Balsthal, welche sich zusammen für die Pflege der Ruine einsetzten, so Blank.

Diese gute Zusammenarbeit werde auch mit dem neu gegründeten Schlossverein Balsthal weitergehen, versicherte der Kantonsarchäologe, der betonte, dass das Bauwerk momentan in einem guten Zustand sei. «Mit dem Schlossverein werden wir nun einen detaillierten Leistungsvertrag ausarbeiten», schloss Blank. Der Präsident der sich auflösenden Stiftung und gleichzeitig neue Vorsitzende des Schlossvereins Nino Joller erklärte: «Immer wieder werde ich gefragt, wieso wir das Wahrzeichen von Balsthal verschenkten.» Davon könne keine Rede sein. Er erklärte dann, dass die Stiftung schwerfällig agiert habe und dass es durch den neuen Verein auch für die Öffentlichkeit viel leichter sei, sich aktiv am Unterhalt der Ruine zu beteiligen.