Balsthal
Eindrückliches Konzert in katholischer Kirche erntet minutenlangen Applaus

«Gloria – Winds meet Voices» – ein Projekt mit vier Kirchenchören und einem Blasorchester, sorgte am Sonntag für viel Begeisterung in der katholischen Kirche Balsthal. Für den Anlass mussten sogar noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden.

Rudolf Schnyder
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Nicht nur das Bild mit den vier Chören und dem Blasorchester war beeindruckend, sondern insbesondere auch das, was geboten wurde.

Nicht nur das Bild mit den vier Chören und dem Blasorchester war beeindruckend, sondern insbesondere auch das, was geboten wurde.

Remo Fröhlicher

Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Konzertes «Gloria – Winds meet Voices» war am späteren Sonntagnachmittag die katholische Kirche in Balsthal mit Publikum mehr als voll besetzt und es mussten noch Dutzende von Stühlen herbeigeschafft werden. «Vor fast zwei Jahren hatten die Mümliswiler Musiker und Dirigenten Wolfgang Nussbaumer und Simon Haefely die Idee für ein gemeinsames musikalisches Projekt. Den Anstoss gab das ökumenische Kirchenklangfest Cantars, welches diesen Frühling in verschiedenen Städten stattfand», erwähnte Martin Sägesser einleitend, der mit viel Fachwissen zu den Werken und Komponisten sowie mit einem gewissen Schalk als Moderator durch das Programm führte.

Die Kirchenchöre aus Neuendorf, Herbetswil, Ramiswil und Mümliswil und das Blasorchester, die Musikgesellschaft Melchnau – insgesamt rund 150 Personen – zu einer Einheit zu formen, habe für alle Mitwirkenden eine spezielle Herausforderung dargestellt, führte Martin Sägesser aus. Simon Haefely und seine Frau Christa Haefely-Aschwanden haben die Werke in unzähligen Stunden mit den Kirchenchören einstudiert und Wolfgang Nussbaumer hat schliesslich das Blasorchester und die Sängerinnen und Sänger vereint.

«Hymn to the Fallen»

Eröffnet wurde das Konzert durch die MG Melchnau mit «Fanfare – The Benefaction from Sky and Mother Earth» des Japaners Satoshi Yagisawa. Stolz, heroisch und mächtig erklang dieses wie eine olympische Fanfare anmutende Werk und die Musikantinnen und Musikanten füllten mit ihrem Klangvolumen den sakralen Raum vollends aus.

«Hymn tot the Fallen» (Hymne an die Gefallenen) von John Williams ist das bekannteste Motiv aus dem Soundtrack zu dem Kriegsfilm «Der Soldat James Ryan» von Steven Spielberg. Der Mutter Ryan, einer Farmerin in Wyoming, muss 1944 mitgeteilt werden, dass sie fast gleichzeitig drei ihrer vier Söhne an verschiedenen Kriegsfronten verloren hat. Ihre einzige Hoffnung bleibt ihr vierter Sohn James, der mit seinem Fallschirm hinter der deutschen Verteidigungslinie abgesprungen ist. Faszinierend anzuhören war hier die Dynamik, einmal leise Sequenzen mit feinen Trommelklängen, dann wieder das imposante Anschwellen der Stimmen, die summend die Melodie intonierten.

Ohne Blasorchester sangen die vier Chöre das «Ave Maria», Opus 37, Nummer 6, des russischen Komponisten Sergei Rachmaninov. Die Melodie erklang sehr rein und harmonisch und die Frauen- und Männerstimmen waren sehr ausgewogen.

Pure Lebensfreude mit Gospel

Pure Lebensfreude wurde bei «Gospel Train» von Norman Tailor, vermittelt. Die Sängerinnen und Sänger interpretierten die fünf Gospel-Songs von «Swing low» bis zum finalen «Happy Day» aus «Sister Act» sichtlich mit Begeisterung, wippten und klatschten mit und animierten das Publikum zum Mitklatschen.

Das erstklassige Blasorchester, die MG Melchnau, begleitete den Chor sehr dezent und schaffte es, den Chor nie zu übertönen. Sehr schön anzuhören waren die sich bei den Gospels abwechselnden Parts der Frauen- und Männerstimmen.

«Pomp & Circumstance» von Edward Elgar, und zwar der berühmte Marsch Nummer 1, den sich Edward VII. für seine Krönungsfestlichkeiten wünschte, wurde fast so berühmt wie die Nationalhymne und avancierte zur Regionalhymne Englands. Dieses Werk ist für die Kombination von Chor und Blasorchester sehr geeignet und war eigentlich der Höhepunkt des ganzen Konzertes.

Auch das Publikum spendete begeisternden und lang anhaltenden Applaus. Es folgte mit dem «Freiheitschor aus Nabucco» von Giuseppe Verdi eine melancholische Facette des Konzertes. Sehr präzise gelang der eher ruhige Beginn und später, wo die Klangfülle mächtig wurde, spürte man förmlich die Sehnsucht des Chores nach Freiheit heraus.

Abgeschlossen wurde das begeisternde Konzert mit dem «Gloria» von Randol Alan Bass, das dem Konzert übrigens den Titel gab. Trotz seiner liturgischen Wurzeln vermochte dieses Werk das Publikum vom ersten Ton an zu fesseln und zu beeindrucken. Das zeitgemässe Werk forderte sowohl vom Chor wie auch vom Blasorchester einiges ab.

Minutenlanger Applaus

Zum Schluss des Konzertes gab es Ovationen, das Publikum erhob sich und applaudierte mehrere Minuten lang. Die Leute waren restlos begeistert und es war zweifelsohne eines der gehaltvollsten und besten Konzerte, das man in der Region Thal in letzter Zeit zu hören und zu sehen bekam. Es ist schlichtweg fantastisch, was Wolfgang Nussbaumer sowie Christa und Simon Haefely aus ihren Formationen musikalisch herausgeholt haben.