Eines hatten der heute 22-jährige R. Peter* und der um zwei Jahre ältere P. Wittwer* im Sommer 2013 gemeinsam: Beide litten an akuter Geldnot. R. Peter, weil er unregelmässig arbeitete, P. Wittwer, weil er mit seinem Sanitärinstallateurgeschäft schon nach kurzer Zeit bankrott gegangen war und dadurch auf Schulden von 100 000 Franken sass.

In diesem Geschäft lernten sich die zwei im Gäu wohnhaften Schweizer denn auch kennen, wie R. Peter am Mittwoch vor Amtsgericht Thal-Gäu unter dem Vorsitz von Präsident Guido Walser und Amtsrichterin Yvonne Schnyder und Ersatzrichter Matthias Heim ausführte.

Um der Geldnot zu begegnen, dachten die beiden sogar daran, einen Raubüberfall auf eine Tankstelle zu verüben. Dieser Plan wurde aber nie umgesetzt. Dafür brach das Duo am 22. August 2012 kurz nach Mitternacht gewaltsam in das Gebände der Prodega Cash + Carry in Neuendorf ein, um dort kartonweise Zigaretten zu stehlen.

Ihr Plan, die Zigaretten im Wert von 40 400 Franken danach zu Geld zu machen, wurde von der Polizei durchkreuzt, welche die beiden auf frischer Tat ertappte. Dingfest gemacht werden konnte aber nur R. Peter, der sich beim Eintreffen der Polizei im Gebäude unter einem Schreibtisch versteckt hatte.

«Waffe war nur Abschreckung»

P. Wittwer gelang die Flucht; er stellte sich aber später der Polizei. Der 24-Jährige anerkannte bei der Befragung die Anklagepunkte qualifizierter Diebstahl inklusive Mitführen einer Waffe sowie Sachbeschädigung für die beim Einbruch zerschlagen Fensterscheiben. Die Pistole habe er nur zu Abschreckung eingesteckt. «Die Waffe war nicht geladen und die ganze Zeit gesichert», sagte P. Wittwer mit dem Verweis, dass sich im Magazin Patronen befanden. Mehr als ein Warnschuss in die Luft sei für ihn aber nicht infrage gekommen. «Ich würde nie auf Leute schiessen.»

Ein anderes Bild von seinem Kollegen zeichnete R. Peter, der bei der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft davon gesprochen hatte, dass er P. Wittwer den Einsatz der Waffe durchaus zutraue. Dieser habe auch erwähnt, wenn nötig, Leuten in die Beine zu schiessen. R. Peter ging noch einem Schritt weiter und behauptete, beim Einbruch nur aus Angst vor seinem Kollegen mitgemacht zu haben.

Auf Nachfrage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser konnte er sich jedoch nicht daran erinnern, von P. Wittmer verbal bedroht worden zu sein. Allein dessen Verhalten und das Vorhandensein einer Waffe habe ihm derat Angst eingeflösst, das er getan habe, was von ihm verlangt worden sei. R. Peters Anwalt, Daniel Helfenfinger, Zullwil, bezeichnete P. Wittwer als alleinigen Täter. Er sei mit einem IQ von 123 überdurchschnittlich intelligent und habe dies bei seinem nicht mithalten könnenden Klienten ausgenutzt. Dieser sei bei der Tat ganz klar nur ein Handlanger gewesen.

Immer wieder auffällig

Staatsanwalt Marc Finger liess diese Darstellung nicht gelten. Für ihn haben die Angeklagten die Tat gemeinsam geplant und auch durchgeführt. Die von R. Peter ins Feld geführte Angst vor seinem Kollegen, den er früher auch schon als Freund bezeichnet habe, erachtete Finger als nicht glaubwürdig. Zudem sei bei R. Peter bei der Festnahme ein Messer gefunden worden, das durchaus auch als Waffe hätte eingesetzt werden können.

Zudem gebe es Indizien, wonach der 22-Jährige ein Mensch sei, der regelmässig anecke. Dafür spreche ein Fall im Kanton Zürich, wo Anzeigen seiner Freundin und deren Mutter wegen Körperverletzung hängig seien. Auch eine Pistole sei dort bei ihm gefunden worden. R. Peter versicherte dem Gericht, dass dieser Fall einvernehmlich beigelegt worden sei und dass er sich als Besitzer der Waffe geoutet habe, um seine Freundin zu schützen. Einen Streit mit einem Nachbar in Balsthal, zu dem die Polizei gerufen wurde, bezeichnete er auf Nachfrage als nicht gravierend.

Der Staatsanwalt Marc Finger wertete die Lebenssituation des 22-Jährigen, welcher derzeit mit der erwähnten Freundin zusammenlebt, als nicht stabil. Um ihm die Möglichkeit zu geben, sich künftig zu bewähren, beantragte Finger wegen qualifiziertem Diebstahl, Mitführen einer Waffe, mehrfacher Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, davon 12 Monate in Form von Electronic Monitoring oder Halbgefangenschaft. Die restlichen 24 Monate sollen bedingt auf 3 Jahre aufgeschoben werden. Zusätzlich soll eine Bewährungshilfe angeordnet werden.

Erhebliche kriminelle Energie

Höher setzte Finger das Strafmass beim einschlägig vorbestraften P. Wittwer an. Er sei klar die treibende Kraft gewesen. Der Staatsanwalt attestiere dem 24-Jährigen eine erhebliche kriminelle Energie. Strafverschärfend wirke sich das Mitführen der Waffe aus, welche er zudem von einem dubiosen Mann erworben habe.

Mit der Waffe im Hosenbund habe die Gefahr bestanden, dass diese im Extremfall auch zum Einsatz gelangt wäre. Finger forderte für den Einbruch in die Prodega Cash + Carry, wegen Hehlerei beim Kauf der Waffe sowie weiterer Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz eine Freiheitsstrafe von 45 Monaten unbedingt.

Rechtsanwalt Thomas A. Müller, beurteilte die Anträge der Staatsanwaltschaft als unverhältnismässig, schliesslich sei es für beide Angeklagten der erste Einbruch, den sie in ihrem Leben je begangen hätten. Und die 89 Tage, die sein Mandant P. Wittwer in Untersuchungshaft verbracht habe, hätten ihre Wirkung nicht verfehlt.

13 Monate Freiheitsentzug seien deshalb genug, meinte Müller mit dem Verweis auf dessen schwierige Jugend. Anwaltskollege Daniel Helfenfinger verwies seinerseits auf die nicht einfache Jugend von R. Peter und dass er eine Geldstrafe für angemessen halte. Das Urteil wird den Parteien schriftlich eröffnet..